Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

 Jahresübersicht 2005


25. Oktober 2021

zurück Übersicht weiter

GEFÜHLTE WIRKLICHKEIT

Die erlebte Wirklichkeit stimmt nicht immer mit der tatsächlichen Realität überein. Das wissen wir seit der Entdeckung von John Dalton. Dieser englische Universalgelehrte hatte vor 200 Jahren die Farbenblindheit entdeckt. Er hatte erkannt, dass es Menschen gibt, die Farben von Geburt an anders sehen als der Großteil der Bevölkerung.

Unser Gehirn ist nicht nur das komplizierteste Organ, es ist auch das im Laufe der Evolution übertrainierteste. Das ist der Grund, warum unser Gehirn tagtäglich von der Realität vorgeführt wird. Wir glauben beispielsweise, dass die Tonleiter der Musik eine einfache (arithmetische) Reihe ist. In Wahrheit ist die Tonleiter eine geometrische Reihe. Jede Oktave unterscheidet sich von der anderen durch Verdopplung oder Halbierung der Tonfrequenz. Der Ton a hat eine Frequenz von 440, die Oktave darüber 880 Hertz.

Auch die Lautstärke wird von unserem Gehirn nicht der Realität entsprechend wahrgenommen. Die Dezibelskala ist eine für Nicht-Physiker schwer zu durchschauende logarithmische Folge. Eine Zunahme um 10 Dezibel bedeutet eine Verzehnfachung der Schallintensität, eine Zunahme um 20 Dezibel eine Verhundertfachung. Die Diskolautstärke von 120 Dezibel liegt zwar „nur“ um 40 Dezibel über einem lauten Motorrad. In Wahrheit liegt die tatsächliche Intensität um das Zehntausendfache darüber. Physiker wissen längst, warum regelmäßiger Diskobesuch frühzeitig akute Schwerhörigkeit bewirken kann.

Freiwillige Versuchspersonen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf glaubten, dass man an ihnen eine Anti-Schmerz-Hautcreme testen wollte. Die Leute waren jedoch nur mit einer simplen Lotion - einer Placebo-Salbe - eingeschmiert worden. Als ein Laser Schmerzreize auf der eingecremten Haut auslöste, empfanden zwei Drittel der Versuchsteilnehmer im Vertrauen auf die Creme keinen Schmerz. Am Monitor des Kernspintomographen verfolgten Mediziner und Biologen, dass das Schmerzzentrum im Gehirn zwar anschlug, dass aber eine Hirnregion, die Lernen und Gedächtnis beeinflusst, genauso stark in Aktion getreten war.

Unsere gefühlte Wahrnehmung wird nicht nur von der Realität gesteuert, sondern mindestens genauso stark von Vermutungen und Erwartungen. Für Akupunktur, gewisse Naturheilverfahren aber auch bei „gefühlten“ Handystrahlen könnten also schon bald plausible Erklärungen für bisher unerklärliche Schmerzlinderungen oder Schmerzbildungen gefunden werden. Ein Teil unserer erlebten Wirklichkeit erweist sich damit als eine vom übertrainierten Gehirn konstruierte Illusion. Wir fühlen nicht nur die tatsächliche Realität sondern zusätzlich auch das, wovon wir emotionell überzeugt sind und woran wir glauben.

Selektive Wahrnehmung
Placebos und Nocebos
Lady Dianas letzte Worte
Der Fall Wilkomirski
Tägliche Denkfehler
N-Strahlen
Skeptiker
Techno-Mythen
Des Teufels Agitation
Erdstrahlen
Posttraumatischer Stress
Himalaja-Salz
nature

© 2005 Rudolf Öller, Bregenz


Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021

Helden der Wissenschaft:
Robert Andrews Millikan
(1868-1953)
hatte die scheinbar verrückte Idee, Öltröpfchen in einem elektrischen Feld schweben zu lassen und vermaß damit erstmals die elektrische Elementarladung.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

Leser dieser Internetseite werden den einen oder anderen Artikel im Buch wiederfinden. Das Buch ist auch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.