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Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

 Jahresübersicht 2001


23. Oktober 2021

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ALLES IST MÖGLICH

Die Freiheit der Kunst ist eine ebenso wichtige Angelegenheit wie die Freiheit der Wissenschaft; beiden liegt im Prinzip die Gedanken- und Redefreiheit zugrunde. Zum Leidwesen mancher Künstler zählt zur Freiheit der Kunst auch die Freiheit des Nicht-Gefallens, was sich auf den finanziellen Erfolg auswirken kann.

Die Freiheit der Wissenschaft ist die Freiheit des Denkens und der Methode, nicht aber die Freiheit des Ergebnisses. Naturgesetze wie Schwerkraft oder Elektrizität sind Autoritäten, die unseren Interpretationen Grenzen setzen. In der Kunst ist die Sache anders gelagert. Der berühmte "röhrende Hirsch im Abendrot" ist Kitsch, es sei denn, ein postmoderner Künstler erklärt das Motiv zur Kunst.

Um diese Vorgehensweise verstehen zu können, bedarf es eines Blicks in die Vergangenheit. Während der Sechzigerjahre entstand eine nicht genau definierbare Kunst- und Wissenschaftstheorie, die so genannte "Postmoderne", wobei sich erste Ansätze bereits in den Dreißigerjahren finden. Einer ihrer schillernden Vertreter ist der österreichisch-amerikanische Philosoph Paul Feyerabend, der in Büchern wie "Against Method" ("Wider den Methodenzwang") oder "Science and Free Society" ("Erkenntnis für freie Menschen") verkündete: "Anything goes!", das gerne mit "alles ist möglich" übersetzt wird. Dieses "Anything goes" wurde teils mit Begeisterung aufgenommen und mit dem Dauerschlagwort "Grenzen überschreiten" versehen. Was zur Kunst erklärt wird, ist Kunst. Josef Beuys hat einen Filzanzug zum Kunstwerk erklärt, er hängt heute im New Yorker Museum of Modern Arts.

In den Naturwissenschaften ist die Sache wegen des korrigierenden Elements der Überprüfbarkeit nicht so einfach. In den Kulturwissenschaften konnte sich die Postmoderne eine kleine Nische sichern, was aber immer öfter zu Ärgernissen führt. Die Astrologin Germaine Hanselmann, bekannt auch als Madame Teissier, hat an der Pariser Sorbonne eine Doktorarbeit über "Die epistemologische Lage der Astrologie im Spiegel des ambivalenten Verhältnisses von Faszination und Ablehnung in der postmodernen Gesellschaft" abgeliefert. Diese Arbeit wurde im April peinlicherweise approbiert. Eine unabhängige Kommission hat die (wörtlich) "Nicht-Doktorarbeit" nun nachträglich als "unwissenschaftlich" erkannt und mit Ausdrücken wie "Kauderwelsch", "Absurditäten" etc. zerpflückt. Dieser und andere aufgebrochene Konflikte innerhalb der Kulturwissenschaften haben ihren Ursprung in der postmodernen Beliebigkeit.

Die hier mehrmals zitierte Postmoderne bedarf noch eines Nachrufs, da sie der amerikanische Physiker Alan Sokal zum Trauerfall gemacht hat. Demnächst mehr.

Falsche Prognosen
Widerspruchsfreiheit
Denkfehler (1)
Blendwerk und Blamage
Geschwätzigkeit
Betrug in der Wissenschaft
Der Todeshund
Kauderwelsch
Fehlinformationen
Gesponserte Falschmeldungen
Lügen mit Statistik
Geschönte Berichte
Provokationen
Bild der Wissenschaft

© 2001 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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