Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

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23. Oktober 2021

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DER RAUMQUANTENMOTOR

Die Rapperswiler Raumquanten-Motoren AG (RQM) in der Schweiz hatte zu Beginn der Neunzigerjahre den Bau eines "Raumquantenmotors" angekündigt. Dieser Motor mit dem geheimnisvoll klingenden Namen sollte einen geradezu sensationellen Wirkungsgrad haben. Mit Hochglanzprospekten und einem Gemenge von technischen Begriffen wurde zum Investieren eingeladen. 1995 sollte der erste Prototyp des neuen Motors fertiggestellt sein. Ein Blick in die Konstruktionspläne zeigte jedoch schon damals, dass die Theorie des neuen Motors fundamentale Naturgesetze missachtete, wie etwa die Theorien der Thermodynamik. Im Klartext: Der Motor sollte eine Art elektromagnetisches Perpetuum mobile sein.

Etwa 850 Anleger hatten den Versprechungen der Firma geglaubt und Investitionen in der Höhe von 11 Millionen Schweizer Franken getätigt. Das Geld ist verschwunden, die RQM ist inzwischen zahlungsunfähig.

Die für viele Kleinanleger tragische Geschichte wäre kaum der Rede wert, wenn nicht die Begründung für die Pleite interessant wäre. Der Inhaber der RQM sieht die Ursache des Konkurses nämlich in der Feindseligkeit der so genannten Schulwissenschaften, vor allem der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Die ETH hatte den Raumquantenmotor als unbrauchbar und die dafür zugrunde liegende "Raumquanten-Strömung" als nicht existent bezeichnet. Auch Physiker der Universität Stuttgart und des Deutschen Elektronen-Synchrotons (DESY) stellten die Baupläne ins Reich der Fabeln. Ein Teil der Anleger halten die Stellungnahmen der Wissenschafter jedoch nach wie vor für eine Verschwörung rückständiger Forscher.

Der Kritik der Anleger liegen eine Unkenntnis des Wissenschaftsbetriebes und ein Fehlschluss zugrunde. In der Geschichte der Wissenschaften gab es zahlreiche Störenfriede, welche die etablierten Wissenschaften herausgefordert hatten. Der Astronom Friedrich Wilhelm Herschel, der Chemiker Antoine Lavoisier, der Biologe Karl von Baer, der Physiker Ludwig Boltzmann und noch viele andere hatten die Wissenschaft zu ihrer Zeit aufgefrischt und zum alten Wissen neue Erkenntnisse dazu gewonnen. Der Umkehrschluss aber, wonach ein Querkopf, bloß weil er neue Ideen präsentierte, die "alten" Wissenschaften dadurch blamiert hätte, ist falsch.

Keiner der oben genannten scharfsinnigen Reformer hatte alte Erkenntnisse völlig außer Kraft gesetzt. Sie hatten altes Wissen erweitert, neue Theorien verkündet, oder alte Theorien zum Spezialfall einer neuen und breiteren Theorie gemacht. Wenn aber jemand verkündet, man könne mit einer neuen Erfindung bekannte physikalische Gesetze einfach aushebeln, dann ist für anständige Investoren allerhöchste Vorsicht angesagt.

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© 2000 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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