Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

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23. Oktober 2021

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HUNDE AUF SIRIUS


Das Zitat des englischen Premiers Winston Churchill, wonach er nur den Statistiken traue, die er selbst gefälscht hat, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass die Fälschung nicht darin liegen muss, dass man Zahlen manipuliert oder falsche Formeln verwendet, sondern schlicht und einfach in der Interpretation. Manchmal genügt ein Wort, um eine statistische Zahl glanzvoll oder erbärmlich erscheinen zu lassen. Das statistische Jahrbuch gibt beispielsweise an, dass im Jahr 2003 in Österreich die Sozialausgaben bei 66,86 Milliarden Euro lagen, das Bruttoinlandsprodukt bei 226,97 Milliarden Euro und die Sozialquote somit 29,5 Prozent betrug. Nur wenige Experten wissen, wie diese Zahlen errechnet wurden. Wenn die Regierung sagt, die Sozialquote liege bei stolzen 29,5 Prozent, applaudiert das Volk. Die Opposition kann kontern, dass es bei erbärmlichen 29,5 Prozent liege, dann ballt das Volk die Fäuste.

Ein absurdes Beispiel soll verdeutlichen, was man alles „beweisen“ kann. Das „Prinzip des unzureichenden Grundes“ besagt, dass wir für Annahmen, deren Gewissheit wir nicht beurteilen können, eine „Gleichwahrscheinlichkeit“ von 50:50 anehmen dürfen. So meinte der französische Mathematiker Simeon Denise Poisson, jedem Angeklagten dürfe eine A-priori-Schuld von 50 Prozent unterstellt werden. Wir wenden dieses Prinzip auf die Frage an, ob es im Sternsystem Sirius einen Planeten mit Hunden gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo im Weltall, und somit im Sirius-System, einen Planeten mit Hunden gibt, ist nach dem Prinzip des unzureichenden Grundes ½ (= 0,5). Die Wahrscheinlichkeit, dass es sie nicht gibt, ist ebenfalls ½. Das Gleiche gilt für Pudel, Dackel, Leonberger, Dalmatiner, Eurasier und alle anderen Rassen. Insgesamt nehmen wir das für mindestens hundert Hunderassen an. Nun berechnet man die Wahrscheinlichkeit, dass keine dieser Hunderassen eine Zweitausgabe auf Sirius aufweist: p(H) = (0,5)100 und diese Zahl ist so nahe bei Null, dass sie problemlos null gesetzt werden kann. Diese Hundeunwahrscheinlichkeit p(H) ist also null. Die Wahrscheinlichkeit, dass es diese Hunderassen doch gibt, ist 1 – p(H) und damit 1. Mit anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, auf Sirius eine Hunderasse zu finden liegt bei 1, ihre Existenz ist damit statistisch bewiesen.

Mit Statistik kann man, wenn man nur will, alles „beweisen“, indem man Zahlen verwendet, deren Erhebungsmethode nicht nachvollziehbar und somit unbekannt ist. Das Ganze muss nur noch durch einen imposanten mathematischen Fleischwolf gedreht werden. Wer das daraus resultierende Zahlengedröhn für bare Münze nimmt, sollte lieber an des Teufels Großmutter glauben. Das wäre realistischer.




© 2006 Rudolf Öller, Bregenz


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Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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