Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 1998

Was nützt die Freiheit des Denkens, wenn sie nicht zur Freiheit des Handelns führt.
(Jonathan Swift)


25. Juli 2024


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MOCHOVCE UND TSCHERNOBYL

Das Atomkraftwerk Mochovce in Slowakien soll im Sommer dieses Jahres in Betrieb gehen. Das Kraftwerk zählt wegen seiner niedrigen technischen Standards zu den gefährlichsten Anlagen der Welt. Der Probebetrieb des Kraftwerks sollte schon in diesen Tagen gestartet werden. Der Begriff "Probebetrieb" weckt böse Erinnerungen an Tschernobyl. Im April 1986 war im Kernkraftwerk Tschernobyl ebenfalls ein Probebetrieb angesagt. Im Experiment sollte gezeigt werden, daß im Falle eines Stromausfalls die Rotationsenergie der leerlaufenden Turbinen noch ausreichend Strom lieferte, um die Notaggregate starten zu können.

Am 25. April 1986 um 14 Uhr Ortszeit wurde das Notkühlsystem abgetrennt, um eine unerwünschte Kühlung während des Versuches zu behindern. Um 23 Uhr wurde die Leistung des Reaktors gesenkt, nachdem er vorschriftswidrig 7 Stunden ohne Notkühlung in Betrieb gewesen war. Die weitere Leistungssenkung des Reaktors erfolgte unter Zeitdruck, denn das Abschalten eines Atomreaktors ist in kurzer Zeit nur schwierig durchzuführen.

Der Reaktor begann hektisch zu reagieren. Am 26. April um 1.22 Uhr erreichte die Leistungsdichte der Neutronenstrahlung einen kritischen Wert. Als die Techniker die Lage erkannten, wurden die Kühlwasserpumpen auf hohe Leistung geschaltet. In einem Teil des Systems, den sogenannten "Dampfabscheidern", sank der Wasserspiegel, worauf die künstliche Wasserzufuhr angehoben wurde. Das wiederum senkte die Temperatur im Reaktor. Daraufhin zogen die Techniker weitere Steuerstäbe aus dem Reaktor, was den Reaktor wieder anheizte und die Leistungsschwankungen verstärkte.

Die Ingenieure schalteten nun die Notsignale der Ventile ab um bei den folgenden Versuchen ungestört arbeiten zu können. Mit Hilfe händisch eingestellter Kühlwasserpumpen und zuviel gezogener Regelstäbe, war der Reaktor in einen bedrohlich instabilen Zustand gefahren worden. Um 1.23 Uhr wurden die Turbinenventile geschlossen. Plötzlich stieg die Leistung des Reaktors unerwartet rasant an. Um 1.23 Uhr und 40 Sekunden erkannte irgendjemand aus der Mannschaft die Situation und drückte auf die Schnellabschalttaste, über die sämtliche Steuerstäbe, welche die Neutronenstrahlung regeln, in den Reaktorkern gesenkt werden. Eine Erschütterung trat ein. Der Schichtleiter erschrak derart, daß er alle Regelstäbe sofort per Knopfdruck entkoppelte und in den Reaktorkern fallen ließ. Zwei heftige Explosionen zerfetzten daraufhin den Reaktor. Radioaktive Teilchen entwichen und verteilten sich über die ganze Erde.

Hat man aus Tschernobyl tatsächlich Lehren gezogen ? Es bleibt nach wie vor die Gefahr einer rückständigen Kernenergie-Technik, die von fehlerhaften Menschen betrieben und kontrolliert wird.

Gespaltene Atome
Atomare Weihnachten
Urangeschosse
Der Vater der H-Bombe (Teller)
Otto Hahn
Albert Einstein
Weitblick (Rutherford)
Nobelpreis und Bombe
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© 1998 Rudolf Öller, Bregenz


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