Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2001

Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt.
(Heinrich von Kleist)


26. November 2022


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IRRTÜMER MIT FOLGEN

Der große Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) entwickelte eine wunderliche Theorie über die Entstehung von Wanzen. Kant hatte ein helles, sonniges Schlafzimmer. Da er es kühl halten wollte, ließ Kant die Fensterläden stets geschlossen. Die Schließung der Läden wurde jedoch während einer Reise versäumt. Nach seiner Rückkehr bemerkte der Philosoph, dass er Wanzen hatte. Da er vorher keine hatte und auch sicher war, keine von seiner Reise mitgebracht zu haben, folgerte er, die Wanzenplage könne nur von den Sonnenstrahlen hervorgerufen worden sein. Als Beweis führte er auf, dass keine Wanzen mehr sein Schlafzimmer heimgesucht hätten, seitdem er die Läden geschlossen hielte. Tatsächlich sorgte ein Schüler Kants dafür, dass die Wanzen verschwanden, indem er in Abwesenheit des Meisters sein Zimmer täglich säuberte und lüftete.

Sir William Thompson, Lord Kelvin of Largs (1824-1907), Mitglied der "Royal Society", war ein so berühmter und erfolgreicher Physiker, dass die technische Einheit der absoluten Temperatur nach ihm benannt wurde. So sind beispielsweise Null Grad Celsius 273,16 Kelvin. Trotz seiner Verdienste irrte sich Kelvin in einer Sache. "Diese Strahlen des Herrn Röntgen werden sich als Betrug herausstellen." meinte er. Heute sind Röntgenstrahlen in der Medizin und in vielen Bereichen der Naturwissenschaften unverzichtbar.

Der englische Mathematiker, Philosoph und Nobelpreisträger Bertrand Arthur William Russel (1872-1970) ist als Gegner von Gewalt und Militarismus bekannt. Weniger bekannt ist, dass er diesen Pazifismus nicht immer vertrat. Nach dem zweiten Weltkrieg forderte er in Reden und Publikationen die atomare Vernichtung der Sowjetunion. Für Russel war Stalin mindestens so gefährlich wie Hitler. Die Atombombe erschien ihm, wie er im 1945 veröffentlichten Artikel "Humanity's last chance" schrieb, als die "letzte Chance der Menschheit". Später distanzierte sich der Philosoph von diesen Forderungen.

Es gibt viele Anekdoten über die Fehler und Irrtümer berühmter Frauen und Männer. Kants oben erwähnter Irrtum war liebenswürdig, Kelvins Fehleinschätzung enthielt bereits den Keim der üblen Nachrede, und Russels Aufforderung hätte im Falle einer Verwirklichung Millionen Tote zur Folge gehabt.

Im Sommerthema 2001 des VN-Scheinwerfers geht es um Irrtümer mit weitreichenden, zum Teil katastrophalen Folgen für die Wissenschaften oder die Freiheit von Menschen. Die in den folgenden sieben Wochen erscheinenden Aufsätze zeigen ein Panoptikum an Wahnvorstellungen, Fehlspekulationen und verrückten Ideologien.

Wissenschaft in die Schulen
Wissenschaft ist Macht
Miserere nobis!
Glauben, gehorchen, kÄmpfen
Auf Linie bringen
Science online

© 2001 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Aristarch von Samos
(ca. 310-230 v.Chr.)
entwickelte als erster Naturwissenschaftler ein heliozentrisches System, versuchte die Planetenbahnen zu errechnen und war damit seiner Zeit zwei Jahrtausende voraus.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

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Interview zum Buch