Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 1997

Die Zensur hört für jene, die sie erlebt haben, niemals auf. Sie ist ein Brandmal auf der Vorstellungskraft, welches den Menschen, der gelitten hat, für immer beeinflußt.
(Nadine Gordimer)


14. Juni 2024


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LIMEY

Skorbut (scorbutus=Mundfäule) war bei den Seefahrern eine gefürchtete Krankheit. Kein Unglück, weder ein ziviles noch ein militärisches, setzte den Seeleuten so zu wie Skorbut. Von Skorbut befallene Menschen litten unter einer mangelnden Synthese des Bindegewebes. In der Folge wurden die Blutgefäße brüchig, die Zähne fielen aus, der Körper verfiel rasch und nach Blutungen sowie fehlender Wundheilung trat meist der Tod durch Herzmuskelschwäche ein. Lange Zeit hielt man Skorbut für eine ansteckende Krankheit, die immer auf hoher See auftrat.

Besonders betroffen von diesem Problem war Großbritannien, denn der Schutz und der Wohlstand des Landes hing sowohl von seiner Marine als auch einer großen und funktionierenden Handelsflotte ab.

Der schottische Arzt James Lind hatte im 18. Jahrhundert in der Marine gedient und wußte, daß die Ernährung an Bord eintönig war. Schiffszwieback und Pökelfleisch hatten den Vorteil, daß man sie ohne Konservierung wochenlang aufbewahren konnte. James Lind war zudem aufgefallen, daß Skorbut auch in Gefängnissen, belagerten Städten und bei langen Expeditionen auftrat. Lind zog daraus den richtigen Schluß, daß diese Krankheit etwas mit der Ernährung zu tun haben müsse. In einer Versuchsreihe untersuchte er deshalb die Wirkung verschiedener Nahrungsmittel auf Skorbut-Patienten. Dabei fand er schließlich heraus, daß Zitrusfrüchte eine erstaunlich rasche Besserung bewirken. Lind kannte die Ursache dieser segensreichen Wirkung nicht, aber er empfahl der Admiralität, den Matrosen auf hoher See Orangen- oder Zitronensaft zu verabreichen. Die bei der englischen Marine grassierende Ignoranz hatte zur Folge, daß erst Jahrzehnte später die Konsequenzen gezogen wurden.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die britischen Schiffe mit Zitronen-, später mit Limonensaft ausgestattet. Diese Maßnahme bewirkte, daß die tödliche Krankheit Skorbut augenblicklich ausgerottet wurde. Die Limonensaftgeschichte sprach sich rasch herum, und die englischen Matrosen erhielten umgehend den Spitznamen "lime-juicers". In Amerika hat sich teilweise bis heute der etwas abwertende Ausdruck "limey" für Engländer erhalten.

Heute weiß man, daß der für die Heilung von Skorbut entscheidende Bestandteil in den Fruchtsäften das Vitamin C ist. Der übliche Fachbegriff "Ascorbinsäure" wurde erst relativ spät, nämlich 1933 geprägt.

James Lind hatte seine lebensrettende Entdeckung im Jahre 1747 gemacht, der tüchtige Arzt war als Erster dem Vitamin C auf der Spur. Die Geschichte der Erforschung des für uns Menschen unverzichtbaren Vitamins begann somit vor 250 Jahren.

Morbilli ante portas
Grippe
Kranke Jugend
Vakzination
Die vergessene Epidemie

© 1997 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Wolfgang Pauli
(1900-1958)
war ein österreichischer Quantenphysiker von Weltrang, der in Lehrbüchern regelmäßig als Schweizer geführt wird.


Rudolf Oeller:

Typhon District

Thriller über eine Gruppe von Wissenschaftlern, die Gott gründlich ins Handwerk pfuscht und dabei zugrunde geht.
Europa Verlagsgruppe. ISBN 9791220149914

Alles beginnt mit einer harmlosen Untersuchung: Als Ben, ein Molekularbiologe, um Hilfe gebeten wird, weil die Schimpansenweibchen im Zoo keinen Nachwuchs bekommen, ahnt er noch nicht, dass seine Welt bald aus den Fugen geraten wird. Die Ursache der Zeugungsunfähigkeit ist nämlich eine Chromosomenmutation der Affendamen, und die bringt seinen Chef auf eine folgenreiche Idee. So entsteht das unter Verschluss gehaltene Projekt Typhon District, benannt nach einem Hybridmonster aus der Mythologie. Erst allmählich kommen bei Ben und seinem internationalen Team Zweifel auf. Doch da sind sie bereits tief in einem Strudel von Geld und Machtgier, Manipulation und Skrupellosigkeit gefangen. Nicht nur ihre eigenen Leben sind bedroht. Als sie das bemerken, ist es bereits zu spät.

Das Buch ist sowohl im Handel als auch im Internet erhältlich.