Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

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Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.
(Erich Fried)


1. Dezember 2022


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DER DIALOG

Als der Astronom Galileo Galilei zu Beginn des 17. Jahrhunderts sein Fernrohr auf den Mond richtete, sah er etwas, das allen bisherigen Theorien widersprach. Galilei notierte: „Aus häufig wiederholten Beobachtungen zog ich den Schluss, dass die Oberfläche des Mondes nicht glatt und gleichmäßig ist und die genaueste Rundung besitzt, wie die große Menge der Philosophen hier und bei den anderen Himmelskörpern annimmt, sondern im Gegenteil ungleichmäßig und besät mit Niederungen und Erhöhungen ist, nichts anderes als die Erde selbst, …“

Das Ärgerliche an der Sache war, dass Galilei der herrschenden Meinung der Theologen und Philosophen nicht nur widersprach sondern behauptete, er könne seine Theorie durch Beobachtungen beweisen. Als Galilei sein Fernrohr auf die Sterne richtete, erblickte er „eine so große Zahl anderer Sterne, wie es kaum glaubhaft ist.“ Im Gürtel und Schwert des Sternbilds Orion, wo man bisher 9 Sterne gefunden hatte, sah Galilei 80. Die Milchstraße stellte sich als eine Ansammlung von schier unendlich vielen Sternen heraus. Seine Beobachtungen und Theorien behielt Galilei nicht für sich. Er diskutierte sie mit seinen Studenten und publizierte sie.

Als Galileo schließlich behauptete, es gäbe gute Gründe, die Ideen des Kopernikus, wonach sich die Erde um die Sonne bewegt, als bewiesen anzusehen, wurde die römische Inquisition aktiv. Ein Kardinal ermahnte Galilei, die Lehre des Kopernikus nicht als bewiesene Theorie sondern lediglich als Vermutung (Hypothese) anzusehen. Sieben Jahre danach ließ Galilei einen Versuchsballon steigen. Er widmete eine kleine Publikation über das neue kopernikanische Weltsystem dem Papst. Es erfolgte keine Reaktion, worauf Galilei Mut fasste. Neun Jahre später veröffentlichte er sein Hauptwerk „Dialog über die beiden wichtigsten Weltsysteme“. Den Vertreter des modernen kopernikanischen Weltbildes (Sagredo) stellte Galilei als klugen und gebildeten Mann dar, den Vertreter der alten kirchlichen Ansicht (Simplicio) als Einfaltspinsel.

Diese Bosheit führte schließlich zum Prozess und 1633 zur Verurteilung von Galilei. Am 31. Oktober 1992 wurde Galileo Galilei von Papst Johannes Paul II in einer Rede an die Päpstliche Akademie der Wissenschaften rehabilitiert. In seiner Rede warnte der Papst davor, die Theorien der Wissenschaften mit überspitzten Bibelinterpretationen bekämpfen zu wollen.

Galileo Galilei vollendete seinen genialen „Dialog“ vor 375 Jahren, Ende Dezember 1629. Mit diesem Buch und anderen Veröffentlichungen wurde die nachhaltigste Entwicklung der Geschichte, der Siegeszug der modernen Naturwissenschaften, in Gang gesetzt. Diese Entwicklung dauert bis heute an.

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© 2004 Rudolf Öller, Bregenz


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