Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

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23. Oktober 2021

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GOLD, SILBER, BRONZE


Nationalsozialismus, Marxismus/Leninismus und Islamismus werden manchmal in einem Atemzug genannt, weil es sich um faschistische Ideologien handelt, die ganze Menschengruppen pauschal zu Untermenschen erklären. Die Nationalsozialisten verfolgten die Nicht-Arier, die Sowjetkommunisten den Klassenfeind und die Islamisten jagen "Kufar", also uns Ungläubige. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Ablehnung bestimmter Wissenschaften. Die Verfolgung und Vertreibung von (jüdischen) Quanten- und Atomphysikern im Nationalsozialismus ist hinlänglich bekannt.

Weniger bekannt ist der Fall Wawilow. Nach dem ersten Weltkrieg erlebte die noch junge Sowjetunion ihre erste Existenzkrise, als es 1922 zu einer katastrophalen Hungersnot kam. Agrarwissenschaftler und Botaniker, von denen sich die Bolschewiken eine Verbesserung der Ernährung erhofften, wurden dringend gesucht. Einer von ihnen war Nikolai Wawilow, der alle Kontinente bereist und dabei Körner von über hunderttausend Getreidesorten gesammelt hatte. Wawilow beherrschte mehrere Sprachen und traf die besten Genetiker der damaligen Zeit, darunter den Amerikaner Thomas Hunt Morgan, der die ersten Chromosomenkarten entworfen und damit die moderne Genetik begründet hatte. Wawilow war damals der brillanteste Wissenschaftler in der Sowjetunion.

Nikolai Wawilow verkündete, die modernen Wissenschaften und der Kommunismus müssten Hand in Hand gehen. Er übersah in seinem Idealismus die Gefahr, die auf ihn zukam. 1927 tauchte der Ukrainer Trofim Lyssenko auf, ein zwielichtiger Typ, der es intellektuell mit Wawilow nicht aufnehmen konnte. Lyssenko propagierte eine Pseudowissenschaft namens "Jarowisation" - auch "Vernalisation" genannt - als Heilmittel gegen den Nahrungsmangel, der in Wahrheit eine Folge der kommunistischen Misswirtschaft war. 1935 hielt Lyssenko in Anwesenheit von Stalin einen Vortrag, in dem er die wissenschaftlichen Gefolgsleute von Wawilow als Klassenfeinde bezeichnete und die Genetik als "reaktionäre Wissenschaft" verleumdete. 1940 wurde Wawilow wegen angeblicher Spionage und Sabotage verhaftet und in ein Gefängnis nach Saratow gebracht, wo er im Jänner 1943 an Hunger und Erschöpfung starb. Lyssenko wurde von Stalin und später von Chrustschow so lange protegiert, bis alle Biowissenschaften in der Sowjetunion ruiniert waren.

Unter den wissenschaftsfeindlichen Ideologien belegen die Jakobiner der französischen Revolution den undankbaren vierten Platz. Die Nationalsozialisten bekommen die Bronzemedaille, und die Kommunisten verdienen Silber. Gold geht an die einsamen Sieger. Es sind die Islamisten, für die alle Wissenschaften Teufelszeug sind.




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© 2018 Rudolf Öller, Bregenz



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Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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