Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

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25. Oktober 2021

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DER KONFLIKT


Beim Jahrestreffen des AAAS-Wissenschaftsverbands (American Association for the Advancement of Science) wurde kürzlich das Ergebnis einer Umfrage präsentiert, die wegen der hohen Zahl von 10.000 Befragten sehr repräsentativ ist. Jeder vierte erwachsene Amerikaner weiß nicht, dass sich die Erde einmal im Jahr um die Sonne bewegt. Damit ist klar, wie groß die Minderheit der radikalen Bildungsverweigerer ist, denn für dieses Unwissen kann man nicht einmal die Schulen verantwortlich machen.

Ungefähr 90 Prozent der Amerikaner gaben an, dass ihrer Meinung nach Gott oder zumindest eine unpersönliche höhere Macht ganz oder zum Teil für die Entstehung des Universums, der Lebewesen und schließlich der Menschen zuständig sei. Etwa die Hälfte (!) der Amerikaner glaubt den Kreationisten, wonach unsere Erde im Jahr 4004 vor Christus erschaffen wurde. Diese Zahlen sind kaum zu glauben, denn in Europa haben wir es mit einer ganz anderen Situation zu tun.

Fast alle gläubigen Europäer können gut mit einer Symbiose von Wissenschaft und Religion leben, auch wenn das schwer fällt. Der österreichische Humangenetiker Univ. Prof. Hengstschläger hat einmal gemeint: „Genetiker und gleichzeitig Christ sein – das ist hart.“ In Amerika sieht die Sache anders aus. Nicht weniger als ein Drittel der Amerikaner sieht einen unauflöslichen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft. Demnach gibt es keine Synthese zwischen Glauben und Wissen, sondern eine Mauer zwischen beiden Kategorien. Diese Entwicklung hin zu den Wissenverweigerern wird von amerikanischen Wissenschaftlern vermehrt als Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA angesehen, denn Wissenschaft und Wirtschaft sind untrennbar verbunden. Die bibeltreuen Kreationisten verbreiten sich in den USA zunehmend. Besonders Anhänger der Republikaner definieren sich selbst verstärkt durch eine Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die öffentliche Berichterstattung hat einen Anteil an Fehlinformationen. So hört man immer wieder, es könne nicht sein, dass die Lebewesen durch Zufall entstanden sind. Der Schöpfer der modernen Evolutionstheorie, Charles Darwin, hat nie von Zufall gesprochen, höchstens von Chancen. Der Zufall spielt in der Quantenphysik eine zentrale Rolle, nicht aber in der Evolution. Hier gibt es leider enorme Wissensdefizite.

Die USA sind ein großes, widersprüchliches und erfolgreiches Land, aber wenn sie der bigotten Wissenschaftsskepsis nicht Einhalt gebieten, führt das in eine Sackgasse. Die Österreicher machen es sich wie immer bequem. Wir sind keine Wissenschaftsskeptiker, uns ist die Wissenschaft mehr oder minder egal. Nächste Woche mehr dazu.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz



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Helden der Wissenschaft:
Robert Andrews Millikan
(1868-1953)
hatte die scheinbar verrückte Idee, Öltröpfchen in einem elektrischen Feld schweben zu lassen und vermaß damit erstmals die elektrische Elementarladung.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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