Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2013

Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein.
(Joseph von Eichendorff)


30. September 2022


zurück Übersicht weiter

GLÜCKLICHE ZOMBIES


Amerikanische Computerspezialisten hacken sich in chinesische Rechner ein, nordkoreanische Hacker wühlen in den Eingeweiden südkoreanischer Computer und jetzt erfahren wir, dass die britischen Nachrichtendienste ein Programm namens „Tempora“ entwickelt haben, das sogar die Amerikaner alt aussehen lässt.

Otto Normalanwender versteht die Welt nicht mehr und ist verunsichert. Wie funktioniert das alles? Zunächst einmal muss man wissen, dass das Internet nicht besonders kompliziert ist. Wer über ein räumliches Vorstellungsvermögen verfügt – das braucht man, um sich in den Programmebenen zurechtzufinden -, wer weiters zwei, drei Programmiersprachen beherrscht, besitzt das Rüstzeug zum Hacker. Um erfolgreich sein zu können, braucht man noch eine Portion Frechheit, denn die schwächsten Stellen im Internet sind unvorsichtige Sekretärinnen, Administratoren und Mitarbeiter, die Passwörter ausplaudern oder geheime Papiere in Containern entsorgen, wo sie gefunden werden. Die entsprechenden Spionagemethoden nennt man „social engineering“ und „information diving“. Alle Hacker wissen das, und wenn sie die nötigen Informationen besitzen, ist der Rest eine Kleinigkeit.

Das Spiel kann gefährlich werden, wie das Computervirus „Stuxnet“ gezeigt hat. Im iranischen Kernforschungszentrum Natans hat dieses Virus vor drei Jahren einen Großteil der Uranzentrifugen, die zur Gewinnung spaltbaren Materials  benötigt werden, durch Erhöhung der Drehzahlen ruiniert. Was den Iranern passiert ist, kann jedem Land passieren. Hackerangriffe können nicht nur unsere gespeicherten Urlaubs- und Partyfotos ausspionieren, sondern unter Umständen lebenswichtige Systeme bedrohen.

Die Welt hat sich in kurzer Zeit radikal gewandelt. Theologen, Psychologen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler, Musiker, Maler, Historiker und viele andere – sie alle sind Träger unserer Kultur, aber ihre gesellschaftspolitische Macht ist geschwunden im Vergleich zu den Giganten des 21. Jahrhunderts. Das sind die Naturwissenschaften und ihre Protagonisten, die Genetiker, Biochemiker, Physiker, Mathematiker, Programmierer und Techniker. Sie alleine sind in diesem Jahrhundert am Drücker. Viel zu lange hat man diese Leute als Messgerätableser belächelt. Wenn die nächste Generation zu schwach ist, neue geniale Genetiker, Chemiker, Physiker, Mathematiker und Programmierer hervorzubringen, um die weit fortgeschrittenen Fehlentwicklungen zu korrigieren - und nur diese Leute sind dazu in der Lage - dann wird das 21. Jahrhundert ein Zeitalter der Zombies sein: Von Nachrichtendiensten durchleuchtet, aber „glücklich“ wie die Völker von „1984“ und „Fahrenheit 451“.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz



Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021 2022

Helden der Wissenschaft:
Hedy Lamarr
(1914-2000)
hieß eigentlich Hedwig Kiesler und war eine Hollywood-Schönheit. Sie erfand gemeinsam mit George Antheil das Frequenzsprungverfahren, das ua. bei Bluetooth zum Einsatz kommt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

Das Buch ist bei Amazon, bei anderen Online-Händlern, beim Verlag und auch im Buchhandel erhältlich.

Interview zum Buch