Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2013

Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
(George Orwell)


24. Juli 2024


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GESTERN NACHT AN DER BAR ...


Ein Politiker des 21. Jahrhunderts sagt gelegentlich das, was er sich denkt, ein andermal das, was ihm ein Kommunikationstrainer andressiert hat. Diese Technik ist nicht auf bestimmte Parteien beschränkt. Politik zu machen heißt auch, die Welt der unverbindlichen Floskeln zu beherrschen. Die Phrasen, die uns in Form von Interviews und Reden um die Ohren geschlagen werden, sind jedoch nichts im Vergleich zu den Täuschungen, die in Forschungsberichten und Studien zu finden sind. Leider werden heutzutage nicht nur Dissertationen abgeschrieben und ganze Studienresultate systematisch verfälscht, sondern jede Menge wolkige Worte verwendet, um die eigene Fehlleistung in einem hellen Licht erstrahlen zu lassen. 

Es seien angesichts des nahenden Endes des Faschings einige Formulierungen präsentiert, wobei deren tatsächliche Bedeutung in Klammer steht. Listen mit verbalen Banalitäten dieser Art gibt es schon lange und werden sogar in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zum Gaudium der Leser präsentiert.

„Generell wird angenommen …“ (Ich und ein Kollege glauben …) „Drei der Proben wurden zur genauen Untersuchung ausgewählt.“ (Die Resultate aller anderen Proben ergaben keinen Sinn und wurden daher ignoriert.) „… wurde zufällig während der Montage etwas verformt“ (… fiel zu Boden.) „Wurde mit extremer Sorgfalt behandelt.“ (… fiel nicht zu Boden.) „… von hoher Reinheit“ (… von unbekannter Zusammensetzung.) „Das Germanium-Phosphor-Wismut-System wurde als besonders geeignet ausgewählt, um die Hypothese zu stützen.“ (Der Kollege im Nachbarlabor hatte zufällig etwas von dem Zeug herumliegen.) „Die Resultate werden später bekanntgegeben.“ (Hoffentlich kann ich das Problem irgendwann lösen.) „… während es nicht möglich war, definitive Antworten zu geben …“ (Die Experimente funktionierten nicht, doch eine windige Publikation hat sich ohne weiteres herauskratzen lassen.) „Es ist klar, dass zusätzliche Arbeit erforderlich sein wird, bevor ein Verständnis …“ (Ich verstehe es nicht.) „Die Resultate zeigen, dass die Theorie innerhalb einer bestimmten Größenordnung richtig ist.“ (Die Theorie ist grottenfalsch.) „Wir danken Joe Statler für die Mithilfe und George Waldorf für wertvolle Diskussionen.“ (Joe Statler machte die Arbeit und George Waldorf interpretierte sie).  „Vorläufige Experimente haben gezeigt …“ (Wir haben es einmal probiert, beim zweiten Mal kam etwas anderes raus.) „Wir haben eine versuchsweise Erklärung.“ (Gestern Nacht an der Bar haben wir uns was überlegt.) „Nach sorgfältiger statistischer Analyse …“ (Nachdem wir in einem Dutzend Büchern gesucht hatten, fanden wir ein obskures Berechnungsverfahren, das wir angewendet haben.).




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz



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Helden der Wissenschaft:
Ernest Rutherford
(1871-1937)
beschoss Goldplättchen mit radioaktiven Alphastrahlen und entdeckte dadurch den Atomkern.


Rudolf Oeller:

Typhon District

Thriller über eine Gruppe von Wissenschaftlern, die Gott gründlich ins Handwerk pfuscht und dabei zugrunde geht.
Europa Verlagsgruppe. ISBN 9791220149914

Alles beginnt mit einer harmlosen Untersuchung: Als Ben, ein Molekularbiologe, um Hilfe gebeten wird, weil die Schimpansenweibchen im Zoo keinen Nachwuchs bekommen, ahnt er noch nicht, dass seine Welt bald aus den Fugen geraten wird. Die Ursache der Zeugungsunfähigkeit ist nämlich eine Chromosomenmutation der Affendamen, und die bringt seinen Chef auf eine folgenreiche Idee. So entsteht das unter Verschluss gehaltene Projekt Typhon District, benannt nach einem Hybridmonster aus der Mythologie. Erst allmählich kommen bei Ben und seinem internationalen Team Zweifel auf. Doch da sind sie bereits tief in einem Strudel von Geld und Machtgier, Manipulation und Skrupellosigkeit gefangen. Nicht nur ihre eigenen Leben sind bedroht. Als sie das bemerken, ist es bereits zu spät.

Das Buch ist sowohl im Handel als auch im Internet erhältlich.