Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2010

Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein.
(Joseph von Eichendorff)


30. September 2022


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DARWIN AUF GALAPAGOS


Nachdem Darwin vor 175 Jahren die Galapagosinseln betreten hatte, war er wenig erfreut. Seine ersten Eindrücke fasste er folgendermaßen zusammen: „Nichts könnte weniger einladend sein als der erste Anschein. Höchst widerliche, tollpatschige Echsen. Die trockene, ausgedörrte, von der Mittagsonne aufgeheizte Oberfläche verlieh der Luft etwas Dumpfes und Drückendes gleich der aus einem Backofen. ... Das Land glich dem, wie wir uns die kultivierten Regionen der Hölle vorstellen können. Diese Inseln scheinen Paradiese für die gesamte Reptilienfamilie zu sein.“

Darwin war nicht nur ein guter Zoologe und Botaniker, er hatte auch einen Blick für geologische Vorgänge. Er erkannte, dass die Inselgruppe eine vulkanische Geschichte hat: „Dieser Archipel besteht aus zehn Hauptinseln, wovon fünf deutlich größer als die anderen sind. ... Sie bestehen allesamt aus Vulkangestein, einige Fragmente merkwürdig geglättet ... können kaum als Ausnahme betrachtet werden. ... Ich zögere nicht zu behaupten, dass es auf dem ganzen Archipel wenigstens zweitausend Krater gibt.“

In seinem Reisebericht mit dem Forschungsschiff „Beagle“ beschreibt Darwin in sei-ner etwas ausholenden Art die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Inselgruppe. Darwin erkannte die unterschiedlichen Klimazonen, die sogar heutige Besucher ver-wirrend finden. Wegen der kühlen Passatwinde sind die südwestlich liegenden Inselteile regelmäßig wolkig, feucht und unfreundlich. Darüber folgt ein tropischer, artenreicher Nebelwald, und die Nordostseiten sind großteils heiß und trocken. Der Übergang zwischen Feucht- und Trockengebieten erfolgt innerhalb weniger Meter, fast wie abgeschnitten.

Gegen Ende seines Berichtes erwähnt Darwin eine für ihn beinahe unheimliche Eigenart der Galapagosinseln: „Das auffälligste Merkmal in der Naturgeschichte dieses Archipels ... ist, dass die Inseln in erheblichen Maße von unterschiedlichen Lebewesen bewohnt sind. Der Vizegouverneur, Mr. Lawson, erklärte, die Schildkröten unterscheiden sich auf den verschiedenen Inseln und er könne mit Sicherheit sagen, von welcher Insel eine stamme.“ Nachdem Darwin mehrere Tier- und Pflanzenarten genauer betrachtet hatte, war er verblüfft: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass Inseln, die rund fünfzig bis sechzig Meilen voneinander entfernt und zumeist in Sichtweite voneinander liegen, aus genau demselben Stein geformt, einem ähnlichen Klima ausgesetzt, unterschiedlich bewohnt sind.“

Darwins Reisebericht beginnt mit einer trockenen Aufzählung von Fakten und endet in einem aufgeregten Ton. Er begann damals zu ahnen, dass er einer großen Sache auf der Spur war.




© 2010 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Hedy Lamarr
(1914-2000)
hieß eigentlich Hedwig Kiesler und war eine Hollywood-Schönheit. Sie erfand gemeinsam mit George Antheil das Frequenzsprungverfahren, das ua. bei Bluetooth zum Einsatz kommt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

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Interview zum Buch