Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

 Jahresübersicht 2009


23. Oktober 2021

zurück Übersicht weiter

ABSCHIED VON CERN?


Der 1968 erschienene Film „Planet der Affen“ basiert auf dem Roman „La planète des singes“ von Pierre Boulle. In der letzten Szene des Films entdeckt der von einer interstellaren Reise zurückgekehrte Astronaut Taylor die Reste der zerstörten New Yorker Freiheitsstatue. Taylor erkennt, dass die Zivilisation während seiner Reise durch einen Atomkrieg vernichtet worden war. Diese Szene muss den Bühnenbildner der diesjährigen Inszenierung der Bregenzer Festspiele inspiriert haben. Das See-Bühnenbild der Oper „Aida“ ziert die zerstörte Freiheitsstatue als Sinnbild verlorener Freiheit.

Vollkommene Freiheit gibt es nicht. Wir können die Lichtgeschwindigkeit nicht überschreiten, und wir können keine Temperatur niedriger als –273,16 Grad Celsius erzeugen. Trotzdem streben wir Menschen nach Freiheit, vielleicht auch deswegen, weil unser Leben stark reguliert ist. Lehrer müssen sich an Lehrpläne halten, viele tun das auch, Autofahrer müssen rechts fahren und ein Pilot muss die Route einhalten, die ihm der Fluglotse zuteilt. Ohne lästige Regeln würde unsere Zivilisation im Chaos versinken. Erstaunlicherweise gehen so gut wie alle politischen Absichten in Richtung stärkerer Reglementierungen. Jede Erhöhung der Steuer, jede Neueinführung einer Steuer, das Diktieren von Bildungsstandards und die damit verbundene Nivellierung im Schulwesen haben viel mit Freiheitseinschränkung, nichts jedoch mit Gerechtigkeit zu tun.

Unter allen Freiheitsindikatoren ragen die der Kunst, der Wissenschaft und der Meinungsäußerung heraus. Alle Staatsformen, in denen die Herrscher absolute Macht ausüben, zeichnen sich durch Einengung dieser Freiheiten aus. Während die Beschränkung der Kunst- und Meinungsfreiheit unmittelbar zu erkennen ist, ist das Verhältnis des Staates zur Wissenschaft subtiler. Diktaturen geben viel Geld für militärische Forschung und Pseudowissenschaften (wie etwa die Rassenlehre im Nationalsozialismus) aus, freie Demokratien finanzieren eher die Grundlagenforschung.

Genau hier bietet Österreich ein trauriges Bild. Forschungsminister Hahn hat verkündet, dass die Mitgliedschaft beim internationalen Forschungszentrum CERN mit 2010 beendet werden soll. Zwanzig Staaten sind CERN-Mitglieder. Österreich lag 2008 mit einem Jahresbudget von 23 Millionen Euro an 12. Stelle. In Zeiten, in denen die Milliarde zur Zähleinheit im Bankensektor geworden ist, sind 23 Millionen (der Subventionsbedarf der ÖBB für vier Tage) für die bedeutendste wissenschaftli-che Institution des 21. Jahrhundert schon zu viel. Die traditionelle Kleinkariertheit der österreichischen Forschungspolitik wird damit fortgesetzt.

Anmerkung (18.5.2009): Nach zahlreichen Protesten und einer Intervention des eher farblosen Bundeskanzlers zog Wissenschaftsminister Hahn seine Entscheidung zurück. Die Weisung von Bundeskanzler Faymann ist nicht als Ergebnis großer Weisheit zu werten, sondern als Retourkutsche auf die Demütigungen seiner Unterrichtsministerin Schmied.



© 2009 Rudolf Öller, Bregenz


Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021

Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

Leser dieser Internetseite werden den einen oder anderen Artikel im Buch wiederfinden. Das Buch ist auch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.