zurück Übersicht weiter

DIE GESCHICHTE DER ATOMBOMBE: FERMI


Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein gespaltener Atomkern noch keine Bombe. Bei Otto Hahns Experimentalanordnung zu Weihnachten 1938 waren Uranatome der Reihe nach und über mehrere Stunden hinweg mit Hilfe von Neutronen in Barium- und Kryptonkerne zerlegt worden. Bei einer Bombe müssen aber die Atomkerne einer Masse von mehreren Kilogramm spaltbaren Materials in einer tausendstel Sekunde gespalten werden.

Man wusste schon relativ früh, dass die Kerne von Uran-235 und Plutonium-239 (die Zahlen bezeichnen die Masse der Atomkerne) bei der Spaltung Neutronen freisetzen, die eventuell andere Kerne spalten könnten. Die Atomphysiker wussten aber auch, dass die Neutronen eine ganz bestimmte mittlere Geschwindigkeit haben müssen. Die schnellen Teilchen fliegen wirkungslos durch den Kern durch, die langsamen bleiben stecken.

Der italienische Physiker Enrico Fermi (1901 – 1954), er war aus dem faschistischen Italien vor dem Mussolini-Regime geflohen, wurde beauftragt, einen Atomreaktor zu bauen, um die Machbarkeit einer atomaren Kettenreaktion zu überprüfen. Fermi studierte bereits mit 17 Jahren Physik an der Universität Pisa. Anschließend ging er an die Universität Göttingen, die damals das Weltzentrum der theoretischen Physik war. Später lehrte er an den Universitäten Florenz und Rom und veröffentlichte bedeutende Schriften über Quantenphysik und Radioaktivität. 1938 erhielt er den Nobelpreis für Physik, im selben Jahr emigrierte Fermi in die USA.

Im Herbst 1942 war es soweit. In einer Halle unter dem Sportstadion der Universität Chikago wurde ein Reaktor aus vierzigtausend Graphitblöcken aufgebaut. In den Blöcken steckten die Brennelemente aus Uran und die Cadmiumstäbe, die die Kettenreaktion bremsen sollten. Über dem Reaktor standen drei Männer, das so genannte Himmelfahrtskommando. Falls der Reaktor durchzugehen drohte, mussten sie eine Cadmiumsalzlösung über die Graphitblöcke gießen.

Einer der Beteiligten, der (spätere) Nobelpreisträger Arthur Compton, stand auf einer Empore über dem Reaktor. Er wollte, wie er später erzählte, im Falle einer Katastrophe der erste sein, der draufgeht. Der Reaktor wurde gestartet, indem die Cadmiumstäbe mit der Hand herausgezogen wurden. Die Messgeräte zeigten sofort ein Ansteigen der Neutronenstrahlen an, die Kettenreaktion hatte eingesetzt.

Fermis Experimentalreaktor hatte seinen Zweck erfüllt, die erste atomare Kettenreaktion der Geschichte war erfolgreich durchführt worden. Fermis Messdaten zeigten die technische Machbarkeit einer Atombombe. Die Bevölkerung von Chicago erfuhr erst nach dem Weltkrieg von diesem äußerst riskanten Experiment.




© 2008 Rudolf Öller, Bregenz


Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021

Helden der Wissenschaft:
Jakob Bernoulli
(1654-1705)
begründete die Wahrscheinlichkeitstheorie, die Besuchern von Spielcasinos unbekannt ist, was die Betreiber dieser Casinos aber freut.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

Leser dieser Internetseite werden den einen oder anderen Artikel im Buch wiederfinden. Das Buch ist auch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.