Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

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23. Oktober 2021

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EVIDENZBASIERT


In den letzten Jahren war das Attribut „evidenzbasiert“ öfter zu hören. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Medizin. Evidenzbasierte Medizin ist eine Entwicklungsrichtung, die ausdrücklich die Forderung erhebt, dass bei einer medizinischen Behandlung Entscheidungen nach Möglichkeit auf der Grundlage von nachgewiesener Wirkung getroffen werden sollen. Diese Forderung war notwendig geworden, nachdem sich viele Scharlatane in der Medizin breit gemacht hatten.

Das Mantra „evidenzbasiert“ dürfte eine Reaktion auf einen Trend sein, der in Richtung schwindender Glaubwürdigkeit geht. Wer mit dem Wörtchen „evidenzbasiert“ hausieren geht, hat das, wie es scheint, nötig. Es wird der Eindruck erweckt, dass hier ein Garantieschein für Wahrheit vorliegt. Die Naturwissenschaften arbeiten jedoch nicht mit Wahrheiten, sondern mit überprüfbaren Theorien. Wahrheiten sind eher eine Spielwiese für orakelnde Sophisten und Werbefachleute.

Die Bahn der Erde um die Sonne ist eine Tatsache, an der niemand mehr zweifelt. Es scheint sich um eine endgültige Wahrheit zu handeln. Die Erdbahn ist jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten. Sowohl das Newtonschen Gravitationsgesetz als auch die Relativitätstheorie lassen unendlich viele Planetenbahnen zu. Auch in der Quantenphysik kennt man nicht nur eine, sondern verschiedene Elektronenräume um einen Atomkern. Es gibt weder die eine wahre Planetenbahn noch einen wahren Elektronenzustand.

Absolute Wahrheiten

Wir wissen, dass Menschen von Natur aus verschieden sind. Die einen stecken eine Vireninfektion so entspannt weg, dass sie nicht erkranken, andere erkranken leicht, wieder andere sterben. Theorien können diese Vielfalt beschreiben, absolute Wahrheiten sind fehl am Platz. Die Wissenschaftler haben um alle führenden Theorien von der Mechanik über die Wärmelehre bis zur Elektrizität lange gerungen, manchmal Jahrzehnte. Alle diese Theorien haben den Weg zu heutigem Wissen bereitet.

Wäre die Wissenschaft der Hort der absoluten Wahrheit, dann könnte man die Zukunft voraussagen. Fast alle langfristigen Prognosen haben sich rückblickend als Kaffeesudleserei herausgestellt. Die Behauptung, wonach eine Langfristprognose wahr sein müsse, weil das soundso viele Wissenschaftler unterschrieben hätten, ist naiv. Die erfolgreichsten Wissenschaftler waren niemals diejenigen, die mit den Wölfen geheult haben.

Die Macht der Naturwissenschaften kommt aus der Methode, den Irrtum zuzulassen und mit Theorien zu arbeiten, die überprüfbar, aber auch korrigierbar sind. Gute Wissenschaftler wissen das, weniger gute haben das Wort „evidenzbasiert“ ganz oben im Erste Hilfe-Kasten für schwache Argumente liegen.



© 2020 Rudolf Öller, Bregenz  [/2020/roe_2053]


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Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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