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MORALISCHE VERPFLICHTUNG


Es war vor einigen Wochen, als eine scheinbare Sensationsmeldung die Runde machte. Angeblich hatten 11.000 "Wissenschaftler" ein Dokument zum Kampf gegen den Klimawandel unterschrieben. Die Liste der 11.000 enthält nicht nur einige Wissenschaftler, sondern auch Umweltaktivisten, Privatpersonen ohne Berufsangaben und andere Leute deren Kompetenz angezweifelt werden darf. Sogar Micky Mouse und Professor Dumbledore aus den Harry Potter-Romanen haben unterschrieben.

Von 873 unterzeichnenden deutschen "Wissenschaftlern" waren: 168 Studenten, Doktoranden oder ähnliches, 45 Mediziner, 20 Angaben ohne Wissenschafts- oder Forschungsbezug, zwei doppelte Nennungen, 1 Medizinstudentin, 637 Zoologen, Chemiker, Biologen, Physiker, Historiker und dergleichen. Keine Frage, dass alle diese Zeitgenossen unterzeichnen dürfen, aber es handelt sich eben nicht um Klimawissenschaftler.

Die oberflächliche "Studie" der angeblichen 11.000 Fachleute enthält auch heikle Aussagen. Es werden Statistiken über menschliche Aktivitäten angeführt, die Einfluss auf das Klima haben können. Es heißt da, dass eine zunehmende Versorgung der Weltbevölkerung mit Strom und der Zuwachs an Wohlstand problematisch seien. Über diese Aussage würden sich die ungefähr 800 Millionen Hungernden und die 1 Milliarde Menschen, die keinen Strom haben, sicher freuen. Es gibt auch sonst grobe Mängel in der "Studie". Eine Grafik zeigt, dass die Welt massiv an Wald eingebüßt habe. Im vergangenen August haben die Vereinten Nationen das genaue Gegenteil berichtet. Die Vegetation hat trotz der Abholzungen am Amazonas weltweit über die vergangenen Jahrzehnte stetig zugenommen.

Problematisch ist die Forderung an die Wissenschaften: "Wissenschaftler haben eine moralische Pflicht, die Menschheit deutlich vor jeder katastrophalen Bedrohung zu warnen und die Lage zu schildern wie sie ist". Es gibt keine moralische Pflicht der Wissenschaftler, Politiker und Volk zu informieren. Wissenschaft ist etwas Kontroverses und kann auch Fehler produzieren, aber das ist nicht das Hauptproblem.

Als ich nach meinen Universitätsjahren in Deutschland nach Österreich zurückkehrte, informierte ich einige Politiker schriftlich über Trends in der modernen Biologie, insbesondere in der Genetik, denn die deutsche Grundlagenforschung war der österreichischen schon damals um mindestens eine Generation voraus. Das Interesse war enden wollend. Ein führender Bundespolitiker gab meinen Text an einen prominenten Journalisten weiter, der den Inhalt teilweise und ungefragt für ein Buch verarbeitete. Aufrechtes Interesse zeigte nur eine inzwischen leider verstorbene VN-Journalistin.



© 2020 Rudolf Öller, Bregenz  [/2020/roe_2001]


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Helden der Wissenschaft:
Harold Clayton Urey
(1893-1981)
baute nicht nur massgeblich an der ersten Atombombe mit, sondern trug mit der Bestimmung des Nuklids O-18 zur Erforschung der Uratmosphäre bei.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

Leser dieser Internetseite werden den einen oder anderen Artikel im Buch wiederfinden. Das Buch ist auch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.