Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

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28. November 2022


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DEMENTES WASSER (2)


Homöopathische Mittel sind „potenzierte“ Lösungen. Sie wurden so oft in Serie verdünnt, bis sie keinen Wirkstoff mehr enthalten, weil der Schöpfer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, daran glaubte, dass Wasser ein Gedächtnis hat. Wasser könne sich laut Hahnemann an den gelösten Stoff erinnern und daher eine Wirkung entfalten. Da wir heute wissen, dass Wasser sicher keine Erinnerung hat, erhebt sich die Frage, warum Homöopathische und andere „Naturheilverfahren“ bei manchen Menschen wirken.

1988 machte der französische Arzt Jacques Benveniste Schlagzeilen. Er hatte die Wirkung von Allergenen – das sind Stoffe, die Allergien auslösen können – untersucht. Normalerweise lassen sich bestimmte Blutzellen anfärben. Nach einer allergischen Reaktion der Zellen verschwindet die Färbung. Die Lösung mit Allergenen wurde homöopathisch verdünnt und die Färbungen der Blutzellen verschwanden angeblich. Benveniste feierte dies als Beweis, dass Wasser doch ein Gedächtnis hat, es hat sich anscheinend das Allergen „gemerkt“. Der Jubel unter Homöopathen war groß. Nachdem das Experiment in anderen Labors erfolglos wiederholt worden war, erschien der Nobelpreisträger Georges Charpak in Benvenistes Labor und entdeckte gravierende Fehler in den Testserien. Die vermeintliche Sensation des denkenden Wassers erwies sich als Flop. Benveniste erhielt in der Folge zweimal den Ig-Nobelpreis, der für nutzlose Experimente vergeben wird.

Wie wirken homöopathische Mittel? Die Hirnforschung hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Wir wissen, dass es Nervenbotenstoffe gibt, die vielfältige Signale im Nervensystem bis hin zum Hautausschlag hervorrufen oder unterbinden können. An Universitätskliniken werden Experimente mit Placebos gemacht, in Europa ist die Universitätsklinik Hamburg besonders aktiv. Dort werden Schmerzexperimente mit vermeintlichen Schmerzmitteln gemacht. Gleich starke elektrische Schmerzreize wurden nach Abgabe eines Placebos als weniger schmerzhaft empfunden. Die Kontrolle an einem Kernspintomographen zeigte, dass der Schmerz zwar entsteht, zum Schmerzzentrum des Gehirns aber nur teilweise vordringt. Der Orthopäde Bruce Moseley am Veterans Affairs Medical Center in Houston (Texas) ging einen Schritt weiter. Er führte unter Aufsicht Scheinoperationen mit echten Narben an Patienten mit mittlerer Arthrose durch. Die Schmerzen im Knie waren nach der Operation verschwunden, obwohl die Arthrose nicht geheilt wurde. Unser Gehirn kann Empfindungen und Gefühle erlernen und vergessen, welche Zaubermittel dabei symbolhaft verwendet werden, ist nicht wichtig. Bei schweren Erkrankungen versagen diese Scheinmethoden jedoch immer.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz



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Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
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