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DIE ZEIT: SCHWERKRAFT


Um 8 Uhr betritt Direktor Zweistein das Verwaltungsgebäude seines Konzerns  Gravity Productions auf dem Neutronenstern „Nukleon“. Er begrüßt den Portier, denn Direktor Zweistein ist ein freundlicher Mensch. Er fährt mit dem Lift in den dreißigsten Stock, blickt kurz auf das geschäftige Leben in der Millionenstadt und widmet sich dann zehn Stunden lang den Firmengeschäften. Um 18 Uhr verlässt Direktor Zweistein sein Büro, fährt mit dem Lift nach unten und verabschiedet sich vom Portier. Der Portier blickt auf die Uhr und meint, dass der Herr Direktor heute aber schon früh nach Hause ginge denn es sei erst zehn Uhr vormittags. Direktor Zweistein zeigt auf seine Uhr: Es ist fünf Minuten nach sechs Uhr abends. Das ist merkwürdig, denn beide Uhren gehen sehr genau.

Die Szene könnte aus einem Science Fiction Film stammen, hat aber einen realen Hintergrund. Nach Veröffentlichung der speziellen Relativitätstheorie im Jahr 1905 wurde Albert Einstein, der damals ein kleiner Beamter in der Schweiz war, kaum beachtet. Zunächst wurde er an die Universitäten Zürich und Prag berufen, wodurch er sogar die von Kaiser Franz Josef unterschriebene österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Einsteins Stern ging erst auf, nachdem er nach Berlin berufen worden war, ein damaliges Weltzentrum der modernen Physik.

Es kostete Einstein zehn Jahre, nach der speziellen auch die allgemeine Relativitätstheorie zu veröffentlichen. Es handelt sich um die komplizierteste wissenschaftliche Theorie, die je ein einzelner Mensch entworfen hatte. Apropos Theorie: In den Wissenschaften bezeichnet man eine experimentell überprüfte oder überprüfbare Aussage als Theorie. Was nicht überprüfbar oder nachweislich falsch ist, darf sich nicht Theorie nennen.

Diese allgemeine Relativitätstheorie, im Englischen besser als „General Theory of Gravity“ (Theorie der Schwerkraft) bezeichnet, beschreibt Raum und Zeit als zusammenhängendes Gebilde, das unter Einwirkung von Schwerkraft gekrümmt wird. 1919 wurde diese Theorie nach Beobachtung einer Sonnenfinsternis erstmals bestätigt. Der Raum wird tatsächlich gebogen, und die Zeit vergeht unter Schwerkrafteinfluss langsamer. Das Schwerkraftfeld der Erde ist so schwach, dass man diesen Effekt nur mit Atomuhren nachweisen kann, auf einem Neutronenstern mit seiner unvorstellbar gewaltigen Schwerkraft ist der Effekt stärker, etwa so wie ihn Direktor Zweistein erlebte. Freilich könnten wir auf einem Neutronenstern nicht existieren, denn wir verwandelten uns  vollständig in Neutronen. Grausamer sind nur noch schwarze Löcher. Jede Materie, die da hineinstürzt wird so radikal zerrissen, dass nur noch Röntgen- und Gammastrahlen übrig bleiben.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Jakob Bernoulli
(1654-1705)
begründete die Wahrscheinlichkeitstheorie, die Besuchern von Spielcasinos unbekannt ist, was die Betreiber dieser Casinos aber freut.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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