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GRAUE WÖLFE


Das neue Buch „Die Durchschnittsfalle“ von Univ. Prof. Hengstschläger hat zu Diskussionen über die Verschiedenheit der Menschen angeregt. Während es immer noch Zeitgenossen gibt, die glauben, dass wir Menschen von Geburt an gleich sind, wird diese Frage unter Biologen nicht mehr gestellt. Es ist längst erwiesen, dass sowohl die Natur als auch die Umwelt für die Unterschiede verantwortlich sind.

Alle Wölfe sind grau, sagt man. Sieht man genauer hin, sind Unterschiede hinsichtlich Fellfarbe, Körpergröße und Verhalten erkennbar. Diese Ungleichheiten sind aber nichts im Vergleich zur verborgenen Vielfalt. Alle Hunderassen wurden aus dem Wolf gezüchtet. Die Buntheit, die sich bei so unterschiedlichen Rassen wie etwa Bernhardiner, Jack Russell und Spaniel zeigt, ist erstaunlich, wenn man sie mit dem gemeinsamen Urgroßvater vergleicht. Was bei den Hunden an Unterschiedlichkeit sichtbar wird, war und ist eine im Wolf angelegte Vielfalt. Der Genetiker nennt das „Heterozygotiegrad einer Population“.

Die Gesetze der Genetik gelten auch für uns. Auch bei den Menschen ist die verborgene Vielfalt hoch, jedenfalls viel höher als wir ahnen. Je stärker der Selektionsdruck ist, desto ähnlicher werden die Individuen – zumindest äußerlich. Wolf und Wildsau sind in der freien Wildbahn einer Selektion unterworfen, daher erscheinen all diese Tiere auf den ersten Blick ähnlich. In Wahrheit steckt die ganze bunte Vielfalt, die wir bei allen Haustierrassen sehen, seit Urzeiten in den Genen der Wildpopulationen. Genetische Mechanismen, die inzwischen gut erforscht sind, sind die Motoren dieses Formenreichtums und damit auch die Motoren der Evolution. Obwohl die Natur fortwährend selektiert, bleibt die unsichtbare Vielfalt erhalten. Bei uns Menschen können wir eine gewisse Analogie feststellen. Steigt der politische Druck, so werden die Menschen scheinbar ähnlicher. Die Chinesen unter Mao Tse Tung wurden in den Sechzigerjahren als „blaue Ameisen“ verspottet. Die mit einem proletarischen Bewusstsein lebenden Sowjetbürger schienen nach außen hin gleich zu handeln und gleich zu denken, ebenso die nationalsozialistisch-rassenbewussten Bürger deutschen Blutes.

Kaum löst eine Demokratie den Druck der Diktatur ab, erscheint augenblicklich die Vielfalt der Menschen. Die Chance der Bürger, ihre individuellen Fähigkeiten zu zeigen, ist nun gegeben. Aus diesen und anderen Gründen war und ist es unmöglich, Gleichheit zu erzeugen. Wir schaffen es schlimmstenfalls bis zur Ähnlichkeit. Was das Erkennen und die Förderung unterschiedlicher natürlicher Fähigkeiten betrifft, so ist das eine Sache der Eltern, Lehrer, ja der ganzen Gesellschaft. Die Schule allein kann das nicht.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz


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Helden der Wissenschaft:
Ferdinand Braun
(1850-1918)
bekam 1908 gemeinsam mit Marconi den Physiknobelpreis für die Entwicklung der drahtlosen Telegraphie. Seine berühmteste Erfindung ist aber der Oszillograph, der Urahn der ersten Fernsehröhren.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

Das Buch ist bei Amazon, bei anderen Online-Händlern, beim Verlag und auch im Buchhandel erhältlich.

Interview zum Buch