Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2011

Die Freiheit des Menschen besteht darin, dass er die Entscheidung sucht, auch wenn sie gegen ihn fallen sollte.
(Frank Thiess)


5. Oktober 2022


zurück Übersicht weiter

JAKOBINER (2)


Der Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ des ehemaligen Vorstands der Deutschen Bundesbank Thilo Sarrazin hat für Aufregung gesorgt. Der Verband „Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin“ verwahrte sich in einer Pressemitteilung anlässlich der Buchvorstellung „gegen jede Verfälschung und politische Instrumentalisierung biologischer Fakten“. Sarrazin habe „grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden“. Es gäbe weder ein Türken- noch ein Juden-Gen, die Zusammenhänge seien komplexer. Sarrazin hatte die Ungleichheit der Menschen zum öffentlichen Thema gemacht.

Sowohl die rassisch-genetische (es gibt erstklassige und minderwertige Menschengruppen) als auch die jakobinische Hypothese (alle Menschen sind gleich) sind frei erfunden. Trägt man eine beliebige Messgröße, wie etwa die Körpergröße, in Form eines Diagramms auf, erhält man eine glockenförmige Kurve. Am linken Ende gibt es wenige Kleinwüchsige, dann steigt die Kurve an und erreicht beim Durchschnittswert die höchste Stelle. Dann sinkt sie wieder, wobei am rechten Ende die wenigen Riesen zu finden sind. Welche Messgröße in Tier-, Pflanzen- oder Menschenpopulationen auch betrachtet wird, man erhält immer glockenförmige Verteilungen, wobei es Verschiebungen gibt, deren Ursache in den Umweltbedingungen liegt.

In der Biologie wurden zigtausende Versuche angestellt, und alle brachten die gleichen Ergebnisse: Ändert man die Umweltbedingungen in einer genetisch vielfältigen Population, dann verschieben sich die Kurven, aber die Vielfalt bleibt bestehen. Beim Menschen ist das nicht anders. Wachstumshormone im Fleisch, bessere Ernährung und weniger körperliche Arbeit haben die Menschen im Lauf der Jahrhunderte größer werden lassen, aber die statistische Verteilung ist erhalten geblieben. Das hat einige Ideologen zum Trugschluss verleitet, die Umweltbedingungen hätten einen stärkeren Einfluss auf den Menschen als seine Gene. Selbstverständlich haben die Umweltbedingungen einen Einfluss, aber sie beseitigen niemals Ungleichheiten. In den USA hat die Körperfülle durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel zugenommen. Die Varianzen haben sich zum Übergewicht hin verschoben, existieren aber nach wie vor. Verbessert man die Schulbildung, dann erhöht man die Chancen der Menschen insgesamt, es kommt zu Parallelverschiebungen nach oben, aber die glockenförmige Verteilung hinsichtlich Leistungsfähigkeit bleibt erhalten. Diese Verschiedenheit der Menschen ist in allen Populationen der Erde zu beobachten. Politik kann die Verteilungskurven bewegen, die Menschen gleich zu machen, ist unmöglich. Demnächst mehr dazu.




© 2011 Rudolf Öller, Bregenz


Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021 2022

Helden der Wissenschaft:
Fritz Haber
(1868-1934)
holte den Stickstoff aus der Luft und machte daraus Ammoniak, der zu Kunstdünger verarbeitet wird. Damit wurde er zum Welternährungsretter.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

Das Buch ist bei Amazon, bei anderen Online-Händlern, beim Verlag und auch im Buchhandel erhältlich.

Interview zum Buch