Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

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 Jahresübersicht 2009


23. Oktober 2021

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NOBELPREISE 2009: MEDIZIN UND PHYSIOLOGIE


Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie ging in diesem Jahr an drei US-Biologen: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak. 1985 hatten Blackburn und ihre damalige Doktorandin Carol Greider im Zellkern von Wimpertierchen, das sind mikroskopisch kleine behaarte Lebewesen, das Enzym Telomerase entdeckt, zu deren Entdeckung Jack Szostak wichtige Vorarbeiten geleistet hatte. Alle Moleküle, die im Namen hinten ein „-ase“ aufweisen, sind Enzyme. In keinem Lebewesen läuft irgendetwas ohne diese Moleküle. Wir alle - Menschen, Tiere, Pflanzen, Bakterien - wachsen, verdauen, atmen und scheiden aus, und immer kontrollieren Enzyme das Geschehen.

Die Telomerase ist etwas Besonderes und hat mit den Chromosomen zu tun. Die Chromosomen sitzen im Zellkern und enthalten die Gene. Normalerweise kann man Chromosomen im Mikroskop nicht sehen. Erst wenn sich eine Zelle teilt und der Biologe ein geeignetes Färbemittel einsetzt, werden diese winzigen Strukturen sichtbar. Am Ende der Chromosomen sitzen die Telomere. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Endteil“. Telomere sind für die Stabilität von Chromosomen von großer Bedeutung. Sie enthalten Gensequenzen, die extrem oft, in Säugetieren sogar mehrere tausendmal, wiederholt werden. Diese „hochrepetitiven Sequenzen“ dienen übrigens in der Kriminalistik zur Identifizierung von Verbrechern oder Verbrechensopfern.

Bevor sich eine Zelle teilt, teilen sich die Chromosomen. Schüler in Gymnasien lernen diesen Vorgang unter dem Begriff „Mitose“ kennen. Das Dumme ist nur, dass sich die Telomere nach jeder Zellteilung verkürzen. Das für die Chromosomenteilung wichtige Enzym „Polymerase“ versagt hier gewissermaßen. Wenn die Telomerlänge ein kritisches Maß unterschreitet, tritt der Zelltod ein. Das Leben junger Zellen wäre viel zu kurz, wenn es nicht einen enzymatischen Jungbrunnen namens Telomerase gäbe. Dieses Enzym kann die Verkürzung der Telomere ausgleichen.

Der Haken an der Sache liegt nun darin, dass das Enzym nur in Stamm- und Geschlechtszellen seine nützliche Funktion ausübt. Am Beginn des Lebens tut die Telomerase das, was sie nach unserer Wunschvorstellung immer tun sollte. Sie beschützt die Chromosomen und achtet darauf, dass sie nicht verkümmern. Wird die Telomerase in älteren Körperzellen aktiv, kann Krebs entstehen. Das Reparaturenzym - zur falschen Zeit am falschen Ort – wird zur tödlichen Falle. In den Neunzigerjahren glaubten Biologen und Mediziner, dass eine Kontrolle der Telomerase den Krebs besiegen könnte. Dieser Traum ist nicht in Erfüllung gegangen, trotzdem hat die Telomeraseforschung ein großes Tor zu neuem Wissen geöffnet.




© 2009 Rudolf Öller, Bregenz


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Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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