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11. August 2022


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DIE GESCHICHTE DER ATOMBOMBE: DEUTSCHLAND


In Verschwörungsvermutungen deutschnationaler Kreise wird gerne und regelmäßig verkündet, dass Deutschland 1945 über fertig gestellte Atombomben verfügte, diese aber nicht mehr einsetzten konnte oder wollte. Die drei Bomben von New Mexico, Hiroschima und Nagasaki seien „in Wahrheit“ keine amerikanische Entwicklung sondern lediglich eine deutsche Kriegsbeute gewesen. Immerhin hat Deutschland im Mai 1945 kapituliert, die erste Bombe (Trinity) ist zwei Monate später, am 16. Juli 1945, detoniert. Das könne doch kein Zufall sein.

Als weitere Argumente für eine deutsche Atombombe werden angeführt, dass die Atomkernspaltung erstmals in Deutschland gelang, dass Deutschland die erste Großrakete der Welt (Wernher von Brauns V2) in einem ballistischen Flug bis in den Weltraum geschossen hat und über die besten theoretischen Physiker sowie eine große Zahl brillanter Techniker verfügte. Weiters wird als „Beweis“ angeführt, dass Deutschland im besetzten Belgien Zugriff auf die Uranvorräte aus Belgisch-Kongo hatte. Erwiesen ist weiters, dass Deutschland einen geheimen atomaren Forschungsreaktor in der Nähe des Ortes Haigerloch auf der Schwäbischen Alb betrieben hatte.

Auf den ersten Blick erscheinen diese Argumente plausibel. Von Brauns Rakete war tatsächlich das erste Geschoß, das die Atmosphäre verlassen hat, aber das hat nichts mit der Atombombe zu tun. Werner Heisenberg war einer der genialsten Physiker des 20. Jahrhunderts, aber ein Genie allein macht noch keine Bombe. Schließlich nützen Uranvorräte allein noch nichts. Das spaltbare Uran-235 ist im Erz nur in sehr geringer Menge vorhanden, es muss in konzentrierter Form (angereichert) vorliegen, um als Bombensprengstoff zu taugen. Man kann auch das in der Natur häufig vorkommende Uran-238 in das spaltbare Element Plutonium-239 umwandeln. Für all das benötigt man gewaltige Fabrikanlagen. Alle Länder, die spaltbares Material produzieren, verfügen über solche Betriebe. Nazi-Deutschland hatte nichts dergleichen.

Es gab vor allem zwei Gründe, warum in Hitler-Deutschland die Atombombe nicht gebaut werden konnte. Erstens hat man die großen deutschen Wissenschafter (Heisenberg, von Ardenne, Gerlach, von Weizsäcker, Harteck u.a.) nicht wie bei den Amerikanern zu einem schlagkräftigen Team vereint, und zweitens war Hitlers wissenschaftlicher Berater, Philip Lenard, ein glühender Judenhasser und Gegner der Atomphysik. Die damaligen Atom- und Quantenphysiker waren großteils Juden: Albert Einstein, Niels Bohr, Robert Oppenheimer, Leo Szilard, Edward Teller, Richard Feynman und andere. Für Hitler war Atomphysik daher nichts als mindere Judenwissenschaft.




© 2008 Rudolf Öller, Bregenz


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