Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2007

Die Freiheit des Menschen besteht darin, dass er die Entscheidung sucht, auch wenn sie gegen ihn fallen sollte.
(Frank Thiess)


5. Oktober 2022


zurück Übersicht weiter

DAS MENDEL-SYNDROM


Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen sowohl in Deutschland als auch in Österreich die Naturwissenschaften am Boden. Die besten Leute waren Jahre zuvor ausgewandert, den Rest teilten sich nach Kriegsende die Amerikaner und die Sowjetunion unter sich auf. Im Laufe der Jahre gelang es Deutschland unter großen Anstrengungen und in Zusammenarbeit mit den Amerikanern, die Naturwissenschaften wieder aufzubauen. Die Zahl der Nobelpreisträger spricht eine klare Sprache. In den klassischen Hochleistungssparten Medizin, Chemie und Physik gab es nach dem 2. Weltkrieg für Deutschland 32, für Österreich hingegen nur zwei oder drei Nobelpreise – je nach nationaler Zuordnung. Die kleine Schweiz brachte in den genannten Fächern zur gleichen Zeit 14 Nobelpreise zustande.

Schlimmer noch: Die österreichischen Nachkriegs-Nobelpreise waren gewissermaßen geliehen, denn sie waren im Ausland erarbeitet worden. Wolfgang Pauli hatte seine Theorien vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA und in der Schweiz gewonnen, wo er als Schweizer Staatsbürger auch starb. Max Perutz emigrierte früh und war in England erfolgreich und Konrad Lorenz, dessen bahnbrechende Erkenntnisse nur von Biologen verstanden werden, hatte seine Forschungsarbeiten in Deutschland gemacht. Eric Kandel, der im Jahr 2000 auch ein wenig als österreichischer Nobelpreisträger gefeiert worden war, hatte als elfjähriger jüdischer Bub gezwungenermaßen auswandern müssen. In Österreich entstand im letzten halben Jahrhundert keine einzige nobelpreiswürdige Arbeit.

Was ist schief gelaufen? Es ist nicht nur die vernachlässigte Wissenschaftspolitik der letzten fünfzig Jahre, die zu falschen Sparmaßnahmen geführt hat. Es ist auch eine wissenschaftsfeindliche Grundstimmung, verbunden mit der arroganten Einstellung in Österreich, die bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts dazu geführt hatte, dass ein Mönch namens Gregor Mendel (der Begründer der modernen Genetik) an der Universität Wien kein Abschlussdiplom erhielt, weil ein Professor der Meinung war, ein Geistlicher solle nicht Biologie betreiben.

Es schaut immer noch düster aus: Die Vertreter einer scheinheiligen Bildungspolitik tragen die „Chancengleichheit“ wie ein Mantra vor sich her und meinen in Wahrheit Ergebnisgleichheit. Wahre Chancengleichheit wäre in der Tat wünschenswert, Ergebnisgleichheit ist abwegig. Nobelpreisträger und andere leistungsbereite Menschen kommen nicht aus Allerweltsbetrieben, sondern aus Eliteschmieden in einem innovations- und leistungsfreundlichen Umfeld. Letzteres ist in Österreich kaum vorhanden. Nicht nur für Jahre - für Jahrzehnte werden in Österreich bestenfalls zufällig Nobelpreise zustande kommen.




© 2007 Rudolf Öller, Bregenz


Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021 2022

Helden der Wissenschaft:
Fritz Haber
(1868-1934)
holte den Stickstoff aus der Luft und machte daraus Ammoniak, der zu Kunstdünger verarbeitet wird. Damit wurde er zum Welternährungsretter.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

Das Buch ist bei Amazon, bei anderen Online-Händlern, beim Verlag und auch im Buchhandel erhältlich.

Interview zum Buch