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13. April 2024


Übersicht

DAS ELEND DER IDEOLOGEN


Politische Ideologien, die meist nichts anderes sind als aggressive Erscheinungsformen eines Aberglaubens, offenbaren irgendwann immer ihre lächerlichen Seiten. Einige Ideologien sind nur lästig, andere sind tödlich. Wirklichkeitsfremd und oberflächlich sind sie alle.

Die Ideologien des Karl Marx wurden erstmals durch Wladimir Uljanow, genannt Lenin, in Russland umgesetzt. Das wäre ein Witz, wenn es nicht Millionen von Menschen das Leben gekostet hätte, denn Marx hielt von den revolutionären Fähigkeiten der Russen nichts. Den asiatischen Ursprung der russischen Politik beschrieb Karl Marx 1856 für die englische Zeitung "The Free Sheffield Press" in seinem Artikel "Enthüllungen der diplomatischen Geschichte des 18. Jahrhunderts". Obwohl Marx-Experten, wie der später von Stalin ermordete David Rjasanow, den Text kannten und zitierten, fehlte er in den Marx-Engels-Gesamtausgaben der UdSSR und der DDR. Marx hatte sinngemäß behauptet, Moskau sei in mongolischer Knechtschaft aufgewachsen und demzufolge das letzte Land, das er für revolutionsfähig halte. Die Weltrevolution werde laut Marx in Europa beginnen und erst zuletzt in Russland ankommen. Ideologien und Fehlurteile sind immer siamesische Zwillige.

Die Ideen des Nationalsozialismus wurden in Hitlers Buch "Mein Kampf", in der Zeitung "Der Stürmer" und in Büchern des Historikers und Ideologen Alfred Rosenberg dargelegt. Vor allem Rosenbergs Werk "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" ist interessant. Der Klappentext des Buches (Auflage von 1941) klärt die Leser auf: "Der Mythus ist eine grandiose, rassenpsychologische Schau, die uns fundamentale Erkenntnisse menschheitsgeschichtlicher, religions- und kulturphilosophischer Art in schier überwältigender Fülle vermittelt und … eine neue Weltgeschichte lehrt." Der Satz von der "neuen Weltgeschichte" erinnert an den Kalauer, wonach Historiker die Vergangenheit und Ideologen die Zukunft verfälschen. Ideologien und Fehlurteile sind siamesische Zwillinge.

Nationaler Sozialismus

Zitate sollte man nicht aus einem Zusammenhang reißen, aber die folgenden Sätze Rosenbergs sind tatsächlich so gemeint: "Wer Nationalist sein will, muss Sozialist sein. Und umgekehrt. Der Sozialismus … will staatliches Leben werden." Einige Sätze später liest man: "Deshalb sind z.B. die Forderungen auf Verstaatlichung der Eisenbahn … sozialistische und nationalsozialistische Forderungen". Irgendwann muss Rosenberg bemerkt haben, wie nahe er dem Sozialismus war. In seinem Buch "Blut und Ehre" widmet er daher im Kapitel "Nationaler Sozialismus" der Frage des Unterschieds zwischen Nationalsozialismus und Sozialismus einige Seiten, aber es bereitete ihm erkennbar Mühe, Trennlinien zu ziehen. Rosenbergs Sätze zeigen, warum manche Linke eine Zeitlang die Nationalsozialisten bewunderten. Der prominente österreichische Sozialist und bekennende Antisemit Karl Renner kann als Beispiel gelten. Erst nach dem Krieg wechselte Wendehals Renner zu den Sowjetkommunisten.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde vom kalten Krieg, von der Elektronik (Stichworte: Internet und Silicon Valley) von der Raumfahrt und von Erfolgen der Naturwissenschaften (Stichworte: DNA und Hochenergiephysik) dominiert. Dann kam das 21. Jahrhundert. Dieses scheint, zumindest derzeit, von Halbgebildeten, Kleptokraten und Ideologen regiert zu werden. (Seriöse Politiker mögen diese Anmerkung verzeihen). Die Erfolge der Naturwissenschaften hatten jedenfalls Folgen. Frustrierte aber egozentrische Ideologen an diversen Universitäten begannen einen wortreichen aber gehaltlosen Krieg gegen alles Rationelle.

Der ideologisch-mediale Komplex

An amerikanischen Universitäten entstanden gegen Ende des letzten Jahrhunderts Thesen, wonach es mehr als zwei Geschlechter gibt oder dass ein Geschlecht mit Biologie nichts zu tun hat. Man beachte den Widerspruch, der nur Menschen mit Denkbehinderung nicht auffällt. Zunächst langsam und unbemerkt, dann immer intensiver, sickerten neu ausgebrütete Ideologien wie Genderismus, Wokismus und andere Absurditäten nach Europa. Der ideologisch-mediale Komplex – vor allem in den deutschsprachigen Ländern – machte dabei mit. Eine Rolle spielten vermutlich auch die Wirtschaftskrise von 2008 und die Coronakrise ab 2020, was gewisse psychische Ausfallserscheinungen (long stupid) zur Folge hatte. Der Tiefpunkt des geistigen und moralischen Niedergangs ist bekannt: Ein einziges falsches Wort in der Öffentlichkeit genügt heute, um Karrieren zu vernichten. Cancel culture wurde zum Terror einer durch Wohlstand und Bildungsabbau dumpf gewordenen Gesellschaft.

Rassen

Inzwischen hat die aktuelle Leitideologie des Wokismus die Grenze zum Hypergrotesken überschritten. Es gibt Berichte aus den USA, wonach Schüler in Schulen wieder nach Rassen getrennt werden. In einem Fall versuchte eine afroamerikanische Mutter, ihr Kind in einer weißen Schulklasse unterzubringen. Der Schulleiter lehnte ab: "Das ist nicht die Klasse für Schwarze". Es handelt sich hier um keine Szene aus dem Ku-Klux-Klan-Süden der 1950er Jahre, sondern es ist das heutige Amerika, wo eine wachsende Zahl "fortschrittlicher" Pädagogen Kinder nach Rassen sortiert. Es wird ihnen beigebracht, sich als "rassische Wesen" zu betrachten. Das alles geschieht im Namen des "Antirassismus". Hitlers Rassenideologe Alfred Rosenberg wäre begeistert. Der Wokismus führt sich – so wie fast alle anderen "Ismen" – selbst ad absurdum. Ideologie und Fehlurteile sind siamesische Zwillinge.

Politische Ideologien sind fast immer Produkte egozentrischer Betrüger. Man erkennt die abseitigen Gedanken daran, dass ihnen eine Aura intellektuellen Versagens anhaftet. Das betrifft, wie erwähnt, den Kommunismus, den Nationalsozialismus und viele andere Ismen. Auch Wokismus, "Black lives matter", LGBTQ und andere Ideologien operieren mit frei erfundenen Behauptungen. Das Erstaunliche daran ist nicht, dass diese Ideologien existieren, sondern dass es nicht wenige Zeitgenossen gibt, die mangels an Bildung und Scharfsinn bei dieser Show mitmachen und damit dem intellektuellen Elend Vorschub leisten.



© 2023 Rudolf Öller, Bregenz  [/2023/roe_2347]


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Helden der Wissenschaft:
Emmanuelle Marie Charpentier
(* 1968)
ist eine französische Mikrobiologin, Genetikerin und Biochemikerin, die 2020 für die Entwicklung der Genschere CRISPR/Cas9 den Nobelpreis bekam.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

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Interview zum Buch