Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

 Jahresübersicht 2020


23. Oktober 2021

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VIRENSEKTEN


„Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern … und zwar heute.“ Die Spielregeln müssen also geändert werden, aber welche? Die Gesetze? Alle oder bestimmte? Befragt man zehn Anhänger von Greta Thunberg, von der obiger Satz stammt, bekommt man zwanzig verschiedene Antworten. Die Welt ist eben kompliziert.

Von allen Naturwissenschaften wurde die Physik bisher am wenigsten bedrängt, denn die Maxwellschen Gleichungen oder die Atomradien eignen sich nicht als Spielwiesen für Freizeitwissenschaftler. Die Chemie gibt schon mehr her, denn mit Hilfe dieser Wissenschaft werden immerhin auch Umweltgifte produziert.

Am schlimmsten hat es die Biologie samt Genetik und Ökologie erwischt. Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Wissen in der Biologie stetig angewachsen war und Sigmund Freud seine Thesen über die menschliche Psyche veröffentlicht hatte, stürzten sich allerlei Welterklärer mit Begeisterung auf die Biologie. Es galt eine ursprünglich ideologiefreie Wissenschaft zu kapern.

Hobbygärtner Stalin

Es ist wenig bekannt, dass der Diktator und Massenmörder Iosseb Dschughaschwili, genannt Josef Stalin, ein Hobbygärtner war. Auf seiner Datscha bei Moskau ließ er Gewächshäuser errichten. Das Züchten von Pflanzen und das Beschneiden von Bäumen und Büschen war die einzige körperliche Arbeit, der Stalin nachging. Im Laufe der Jahre entwickelte er eine Begeisterung für den „Lamarckismus“, eine These zur Evolution des Lebens, von der wir heute wissen, dass sie falsch ist. Stalins Voreingenommenheit war so eisern, dass er Wissenschaftler umbringen ließ, die anderer Meinung waren, wie etwa den brillanten Botaniker Nikolai Wawilow.

Dogmatisch ging es auch bei den Nationalsozialisten zu. Der Biologe Ernst Lehmann, der den Nationalsozialismus als „politisch angewandte Biologie“ auffasste, schrieb einmal „Dieses Streben nach Verbundenheit mit dem Gesamtleben, ja mit der Natur überhaupt, in die wir hineingeboren sind, das ist … der tiefste Sinn und das eigentliche Wesen nationalsozialistischen Denkens.“

Der Missbrauch der Biologie durch Ideologen aller Lager ist auch in der Corona-Pandemie zu sehen. Da wimmelt es nur so von rechten Verschwörologen, antikapitalistischen Neomarxisten, Esoterikern, Impfskeptikern, „QAnon“-Sektierern, ja sogar Antisemiten, die dem „Weltjudentum“ eine vermeintliche Biowaffe unterstellen wollen. Viren sind unberechenbare Objekte, und die Wissenschaft weiß noch lange nicht alles über CoV-2. Wissenserwerb ist immer eine langfristige Sache. Die Weltverschwörungsideologen sind aber die letzten, die bei der Bewältigung der aktuellen Krise hilfreich sind.



© 2020 Rudolf Öller, Bregenz  [/2020/roe_2041]


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Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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