Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

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23. Oktober 2021

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DAS KONGGEBIRGE


Dreiste Falschmeldungen, die von Menschen ungeprüft geglaubt werden, gab es schon immer. Baron von Münchhausen, dessen 300. Geburtstag kürzlich gefeiert wurde, war nicht der erste und letzte Schwadroneur.

„Der grandioseste Gebirgszug der Welt ist das Kong-Massiv, ein hohes Granitgebirge, das sich in Afrika vom Atlantik bis zum Indischen Ozean erstreckt. Die ersten schneebedeckten Gipfel erheben sich in Senegal, dann durchzieht die Bergkette am 10. Breitegrad mehrere Länder.“ Die Beschreibungen dieser landschaftlich schönen Berge, die auch auf vielen Karten verzeichnet waren, klangen fantastisch. Es dauerte über ein Jahrhundert, bis die Falschmeldung des britischen Geografen James Rennell korrigiert wurde.

Fledermausmenschen

Die Tageszeitung „New York Sun“ löste 1833 eine Revolution aus. Statt der üblichen sechs Cent sollte eine Ausgabe nur einen Cent kosten. Die Folge dieser „Penny Press“ war eine erhebliche Änderung der Presselandschaft. Die Auflage der „Sun“ schnellte in die Höhe. Als im Sommer 1835 ein Großbrand die Konkurrenz der Sun schädigte, erschien der Aufsatz „Celestial Discoveries“ (himmlische Entdeckungen). Darin behauptet der Journalist Richard A. Locke, der Astronom John Herschel habe auf dem Mond eine Kolonie von Fledermausmenschen entdeckt. Nachdem weitere Zeitungen den Bericht übernommen hatten, wurde aus der Geschichte eine Serie, worauf die Auflagenzahlen der Sun durch die Decke gingen. Locke erlebte am Ende das gleiche Schicksal wie der deutsche Märchenreporter Claas Relotius. Die Lügen flogen auf und beendeten die Karrieren der Journalisten.

1903 glaubte der französische Physiker René Blondlot eine neue Art von Strahlen entdeckt zu haben. Er nannte sie N-Strahlen und schrieb ihnen fantastische Eigenschaften zu. Kurz darauf erschienen 60 Artikel anderer Forscher, in denen die N-Strahlen ebenfalls beschrieben wurden. Einige Experten behaupteten sogar, sie hätten die N-Strahlen schon vor Blondlot entdeckt. 1905 beendete der amerikanische Physiker Robert Wood den Spuk und wies nach, dass die N-Strahlen ein Hirngespinst waren. Die Blamage hatte ein tragisches Ende. Professor Blondlot nahm sich das Leben.

Antirealismus

1996 fühlte sich der US-Physiker Alan Sokal von pseudowissenschaftlichen Begriffen wie „Konstruktivismus“, "Antirealismus" und "Relativismus" genervt. Er veröffentlichte eine Verschwörungsgeschichte, mit der Teile der Naturwissenschaften als Schwindel dargestellt wurden. Kulturwissenschaftler in aller Welt diskutierten ernsthaft Sokals Artikel. Dieser klärte schließlich seine Flunkerei auf, worauf nicht wenige Philosophen und Ideologen verstummten und ihre Luftschlösser großteils verschwanden.



© 2020 Rudolf Öller, Bregenz  [/2020/roe_2023]


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Helden der Wissenschaft:
Trofim Denissowitsch Lyssenko
1898-1976)
darf als Beispiel dienen, dass es auch unter den Wissenschaftlern Verrückte, Intriganten und Unterstützer von Massenmördern (Stalin) gab und gibt.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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