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DYSPERTEN


Das Kürzel „dys“ klingt so wie sein Inhalt. Es ist etwas Negatives. „Dys“ ist griechisch und bedeutet so viel wie „schlecht“ oder „von der Norm abweichend“. Dyslexie bedeutet Probleme mit dem Lesen, Dyskalkulie bezeichnet Rechenschwäche, Dyspraxie wird bei Kindern mit Bewegungsproblemen diagnostiziert und erektile Dysfunktion kann man mit Viagra & Co bekämpfen.

Dys-Scientismus wäre eine hässliche aber berechtigte Wortschöpfung. Es geht um einen wissenschaftlichen Analphabetismus, der sich großteils im Bereich der Mathematik und Statistik, aber auch in anderen Bereichen zeigt.

In einer österreichischen Tageszeitung war kürzlich zu lesen, dass es in Wien im Jänner um 337 Prozent zu warm war. Wer zu schnell gelesen hat, sah wahrscheinlich 337 Grad, aber das kann nicht stimmen, denn das liegt über dem Schmelzpunkt von Blei. Bleigießen mit Hilfe der Wintersonne geht nicht. Der Prozentfehler war auf simple Weise zustande gekommen. Die Journalisten hatten einfach wild drauflos gerechnet und dabei daneben gegriffen.

Die österreichische Durchschnittstemperatur im Jänner ist 0,8° Celsius. In diesem Jahr war es 2,7° zu warm. Die Rechnung 2,7 dividiert durch 0,8 ergibt 3,37 und das sind die erwähnten 337%. Das ist schon eine Schlagzeile wert. Wenn wir die eher unbekannte Kelvin-Skala verwenden, die bei -273,15° C beginnt, bekommen wir ein anderes Ergebnis. Die Durchschnittstemperatur im Jänner wäre dann 274 Kelvin. Rechnen wir die Erwärmung (plus 2,7 Kelvin) aus, erhalten wir nur 1% Zuwachs. Diese kleine Zahl liefert leider keine brauchbare Schlagzeile.

Jetzt nehmen wir uns die in Amerika übliche Fahrenheit-Skala vor. Unsere Jänner-Durchschnittstemperatur wäre dann 33,4° F(ahrenheit). Die Temperatur lag im Jänner um 5,4° F über dem Durchschnitt. Das ergibt eine Zunahme um 16%. Wir haben also drei verschiedene Wachstumswerte: 1% (Kelvin), 16% (Fahrenheit) und 337% (Celsius).

Keine der Zahlen sagt etwas aus, denn die Verwendung von Prozentzahlen bei Temperaturskalen ist ähnlich sinnvoll wie der Vergleich von Eisenbahnfahrplänen mit Speisekarten. Es wurden, einfach gesagt, Äpfel durch Gurken dividiert.

Die mathematischen Kenntnisse unter gewissen „Dysperten“ (Schein-Experten) sind nicht berauschend. Leider sind naturwissenschaftliche Kenntnisse genauso schwach gestreut. Zahlen und Namen kann man nachschlagen, aber mehr nicht. Naturwissenschaftlich-mathematisches Denken kann man dagegen nicht in Büchern finden, wie uns Dysperten weismachen wollen. Analytisches Denken muss genauso wie Musik, Sprachen, Sport und andere Fähigkeiten laufend trainiert werden. Wikipedia ist nutzlos für oberflächliche Dyslektoren und Dysperten.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz



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Helden der Wissenschaft:
Jakob Bernoulli
(1654-1705)
begründete die Wahrscheinlichkeitstheorie, die Besuchern von Spielcasinos unbekannt ist, was die Betreiber dieser Casinos aber freut.

Silvia liest

Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

Buchrückentext: "Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod.
Zunächst glaubten wir, es habe sich um Unfälle gehandelt, die wahren Hintergründe kamen erst an Weihnachten und auch nur zufällig ans Tageslicht. Wie es zu diesen Ereignissen kam? Das ist eine lange Geschichte, die ich am besten anhand meines Tagebuchs erzähle, beginnend mit dem ersten Stammtisch des verdammten Jahres, an dem wir alle trotz Ringen unter den Augen noch fröhlich feierten."

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