Welt der Naturwissenschaften und Politik

(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2026

Ich habe immer mehr den Eindruck, dass man Freiheit mit Frechheit verwechselt. (Gino Cervi)

15. Oktober 2026

Übersicht

DIKTATUR DER IDIOTEN


„Bildung wird vererbt“ verkündeten Sprecher vor wenigen Wochen in Nachrichtensendungen mit aufgesetzt ernstem Blick und Grabesstimme. Die OECD-Studie PISA („Programme for International Student Assessment“) testet seit der Jahrtausendwende in vielen Ländern den Bildungsstand der Fünfzehnjährigen. Das wahre Desaster liegt aber in Details, und die kaum berichtet wird.

Fehlentwicklung #1

Bildung wird in Österreich hauptsächlich in bildungsnahen Familien weitergegeben, und dafür gibt es Gründe. Ich habe als Mitglied der Boomer-Generation die Tage durchgezählt, an denen ich zur Schule gegangen bin. Ich kam auf mindestens 66 Prozent. Im Klartext: Meine Schulkameraden und ich sind an zwei Drittel aller Tage im Jahr zur Schule gegangen. Das restliche Drittel des Jahres waren Ferien, Sonntage und Feiertage. Überlastet fühlten sich nur diejenigen, die von ihren Eltern in die falsche Schule geschickt wurden.

Fünfzig Jahre später kamen schulfreie Samstage, zusätzliche Ferien und eine Serie von „Zwickeltagen“ zur schulfreien Zeit dazu. Ich habe die Schultage meiner Enkel gezählt und kam – je nach Lage der Feiertage – auf 46 bis 48 Prozent. Das bedeutet, dass heute alle Schüler mehr als die Hälfte aller Tage zu Hause verbringen. Auch die Einführung einer verpflichtenden Ganztagsschule würde daran nichts ändern, abgesehen davon, dass wir die dafür nötigen Lehrer nicht mehr haben. Die längere Zeit zu Hause verschafft den Kindern und Jugendlichen in bildungsnahen Familien eindeutig Vorteile. Merksatz: Die „vererbte Bildung“ ist nichts anderes als die Folge der Bildungspolitik.

Fehlentwicklung #2

Vor einem Jahrzehnt fuhr ich mit meiner Frau über die weltbekannte Route-66 von Chicago nach Los Angeles. In Oklahoma entdeckten wir mitten im Nirgendwo ein großes Flug- und Weltraummuseum, das der damals prominenteste US-Astronaut Air-Force-General Tom Stafford gegründet hatte. Im Museum kam ein Mann mittleren Alters auf uns zu und stellte sich als Direktor vor. Er habe bemerkt, dass wir uns besonders für Details interessierten. Wir kamen ins Gespräch. Als er erfuhr, dass sowohl meine Frau als auch ich gelernte Naturwissenschaftler sind, verschwand er und kam kurz darauf mit einer Medaille und einer Urkunde zurück. „Lehrer von Naturwissenschaften haben hier den Status von Ehrengästen“, sagte er feierlich, „General Stafford ist leider nicht hier, es wäre für ihn eine Ehre gewesen, mit Ihnen zu sprechen.“

In diesem Augenblick erkannte ich, was bei uns zu Hause schiefgegangen ist. Lehrer werden in den USA nach wie vor respektvoll behandelt. Bei uns wurden Lehrer nach den ersten PISA-Veröffentlichungen von Journalisten und „Bildungsexperten“ durch den Kaukau gezogen. Die damaligen Schüler haben das selbstverständlich mitbekommen. Einer sagte mir offen, dass der Lehrerberuf wohl der letzte anzustrebende Beruf sei: „Lehrer sind doch die A*löcher der Nation.“ Merksatz: Der Lehrermangel ist nichts anderes als die Folge jahrelanger Miesmacherei.

Fehlentwicklung #3

Eine Mail an den PISA-Erfinder und -Entwickler Andreas Schleicher in Paris brachte mir vor Jahren eine interessante Erkenntnis. Alle PISA-Resultate werden nach Stadtgröße aufgeschlüsselt: Städte mit über 1 Million Einwohnern, Städte mit über 100.000 Einwohnern und der Rest. Ich bekam auch die komplette und umfangreiche EXCEL-Tabelle mitgeliefert. Da Österreich nur eine Millionenstadt hat, war es kinderleicht, Wien aus Österreich herauszurechnen. Dabei stellte sich heraus, dass Österreich ohne Wien zu den besten Ländern der PISA-Liste zählt. Würden nur Innsbruck, Salzburg, Linz und Graz (Städte über 100.000 Einwohner) Österreich vertreten, wären wir oft auf dem „Stockerl“. Da wir nicht annehmen sollten, dass die Fünfzehnjährigen in Wien dümmer sind als in Graz oder Salzburg, kann es nur eine Erklärung geben. Die vielen Migrantenkinder in Wien, die nicht deutsch sprechen, beeinträchtigen den Schulbetrieb enorm und drücken das Stadtergebnis. Wohl dem, der sich in Wien eine Privatschule leisten kann. Merksatz: Österreich zeigt bildungsmäßig gute Werte, wenn man Wien und seine Brennpunktschulen aus dem PISA-Resultat herausnimmt.

Fehlentwicklung #4

Die Digitalisierung wurde uns jahrelang als Bildungsturbo eingeredet. Das ist – Verzeihung –Bullshit. Wenn ich als ehemaliger ECDL-Ausbildner (Europäischer Computerführerschein) eines gelernt habe, dann die schlichte Tatsache, dass die Anwendung von Software nichts mit Bildung zu tun hat. Die Benützung von Mobiltelefonen, die nichts anderes als handliche Computer sind, hat uns das Denken Schritt für Schritt abgenommen. Es begann vor fünfzig Jahren mit dem Ersetzen der Rechenschieber und Logarithmentabellen durch Taschenrechner und endet vorerst bei der künstlichen Intelligenz (KI). Dieser technische Fortschritt hatte kreativen Rückschritt zur Folge.

Mr. PISA, Andreas Schleicher, schlug Alarm, weil Intelligenz und Leseleistung der in 91 Ländern gemessenen 760.000 Jugendlichen erstmals eindeutig zurückgegangen sind. In einem Interview (ZEIT 39/2026) sagt er wörtlich: „Tatsächlich ist die Leseleistung in den vergangenen sieben Jahren … um 25 Punkte gesunken. Das ist umgerechnet mehr als ein Lernjahr. Niemand hätte gedacht, dass die Lesekompetenz in so kurzer Zeit regelrecht ausgehöhlt wird. … In dieser digitalen, von Informationen überfluteten Welt verlernen die Schüler, in die Tiefe zu denken.“
An anderer Stelle sagt Schleicher: „Die Pisa-Daten zeigen, dass die private Nutzung von Handys in der Schule sehr stark mit schlechten Schulleistungen korreliert.“ Und schließlich: „Es bringt überhaupt nichts, Tablets zu verteilen, ohne zu wissen, wie man sie einsetzt, um den Lernerfolg zu steigern. Es bringt auch nichts, ChatGPT in der Schule zu erlauben, weil wir annehmen, das sei die Zukunft. In unseren begleitenden Befragungen zu den Pisa-Tests sehen wir, dass … in den vergangenen drei Jahren die konsumtive Nutzung von Technologie gestiegen und die kreative Nutzung gesunken ist. … Technologie kann uns helfen, wenn sie menschliche Fähigkeiten verstärkt, aber nicht, wenn sie diese ersetzt.“

Andreas Schleicher drückt sich vorsichtig aus, obwohl sein Interview eine einzige Warnung ist. Inzwischen gibt es Wissenschaftler, die sich nicht mehr zurückhalten und die Digitalisierung in unseren Schulen heftig kritisieren. Der französische Neurologe Michel Desmurget sagte kürzlich: „Wir führen uns geradewegs in eine Diktatur der Idioten“.

Digitalisierung und Tiktokisierung der Jugend führen ohne Gegenmaßnahmen zu einer Verblödung derjenigen, die Bildung nicht vom Elternhaus vererbt bekommen. Wie schön, dass wir in dieser Krise einen Unterrichtsminister haben, der an unseren Schulen Bildung zugunsten einer erweiterten Nutzung von KI zurückfährt.



© 2026 Rudolf Öller, Bregenz  [/2026/roe_2642]

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Helden der Wissenschaft:
Gustav Robert Kirchhoff
(1824-1887)
war ein brillanter Physiker, löste das Problem der Verzweigungen elektrischer Leiter und bereitete mit der Bestimmung der Emissionslinien heißer Gase den Weg der Kosmologie.

Was wären wir ohne die brillanten Naturwissenschaftler und Techniker, die Selbstdenker, die Unangepassten, die bürgerlichen Rebellen, die freien Radikalen, die wahren Staatsmänner! Ideologen sind aus der Zeit gefallen, sie verdanken ihre Effizienz den Dummen.

Rudolf Oeller:

Typhons Rache

Thriller über die vernichtende Kraft der Rache und den Traum vom ewigen Leben.

Europa Verlagsgruppe.
ISBN 9791257032685

Ein geheimes Forschungsprojekt diente der Produktion von Mensch-Tier-Hybriden. Es wurde erschaffen im Namen des Fortschritts für die Transplantation von Organen, ging aber zugrunde im Schatten politischer und ökonomischer Macht.
Ben Schmitt, einst leitender Genetiker im Projekt Typhon District, lebt im US-Zeugenschutz. Doch die Geister der Vergangenheit lassen ihn nicht los: ein gestohlenes Jahrhundertprojekt, verschwundene Freunde, eine verschollene Geliebte, ein Verrat, der nach Vergeltung schreit.
Gemeinsam mit seinem Freund Mo begibt er sich auf eine gefährliche Reise durch Europa und Asien – auf der Suche nach Antworten, nach Wahrheit, nach Rache. Doch jeder Schritt bringt sie tiefer in ein Netz aus Geheimdiensten, tödlichen Feinden und der grausamen Erkenntnis, dass manche Grenzen der Wissenschaft nie hätten überschritten werden dürfen. Als Ben und Mo erfahren, dass ihr gestohlenes Projekt auf Befehl höchster Regierungsmitglieder in den USA und Russland weiter betrieben wird, kämpfen sie bereits um ihr Leben.
Beklemmend realistisch und gnadenlos spannend – Typhons Rache ist ein rasanter Thriller über die Hybris der Wissenschaft, die Abgründe menschlicher Gier und die zerstörerische Kraft des Vergeltungsdrangs. Wer Gott spielt, muss bereit sein, einen hohen Preis zu zahlen.

Das Buch ist im Handel und im im Internet erhältlich.
Gespräch über Typhons Rache bei Heinzlmaiers Lesezeichen.
Gespräch über Typhons Rache bei Conoscere TV.

Rudolf Oeller:

Typhon District

Thriller über eine Gruppe junger Wissenschaftler, die an ihrer Gier zugrunde ging.
Europa Verlagsgruppe.
ISBN 9791220149914

Als Ben, ein Molekularbiologe, um Hilfe gebeten wird, weil die Schimpansenweibchen im Zoo keinen Nachwuchs bekommen, ahnt er noch nicht, dass seine Welt bald aus den Fugen geraten wird. Die Ursache der Zeugungsunfähigkeit ist nämlich eine Chromosomenmutation der Affendamen, und die bringt seinen Chef auf eine folgenreiche Idee. So entsteht das unter Verschluss gehaltene Projekt Typhon District, benannt nach einem Hybridmonster aus der Mythologie. Erst allmählich kommen bei Ben und seinem internationalen Team Zweifel auf. Doch da sind sie bereits tief in einem Strudel von Geld und Machtgier, Manipulation und Skrupellosigkeit gefangen. Nicht nur ihre eigenen Leben sind bedroht. Als sie das bemerken, ist es bereits zu spät.

Das Buch ist im Handel und im im Internet erhältlich.
Typhon District - Rezension

Rudolf Oeller:

Theke, Antitheke, Syntheke

Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod.

Verlag novum, Zürich.
ISBN 978-3-99130-025-0

Wir waren eine Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern, ein Heavy Metal-Pater, ein schwuler Bierbrauer, eine nymphomanische Jungfrau, ein verkrachter Physiotherapeut und andere schräge Figuren waren dabei.
Wir trafen uns jeden Freitag – eine verschworene Gruppe von Leseratten, Spinnern, Plaudertaschen. Ein Drink-Team der Extraklasse. Jeder von uns hatte eine dunkle Vergangenheit und etwas zu verbergen.
Voll Hoffnung starteten wir ins Neue Jahr, am Ende wurde es eine Reise in den Tod.

Leser dieser Internetseite werden den einen oder anderen Artikel im Buch wiederfinden.

Das Buch ist beim novum-Verlag, bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.

Interview zum Buch