Welt der Naturwissenschaften und Politik(Scientific Medley)
16. August 2026 |
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TITELTRICKSER |
In Wien war es lange Zeit üblich, dass (fast) jeder, der ins Kaffeehaus ging und eine Krawatte trug, als „Herr Professor“, „Herr Doktor“ oder mit einem anderen klingenden Titel angesprochen wurde. Auch die Promotion am Standesamt war üblich. Die Ehefrau eines Juristen oder Arztes wurde so zur „Frau Doktor“, auch wenn sie den Pflichtschulabschluss nur mit Mühe und Not geschafft hat. Kaffehauspromotionen sind aus der Mode gekommen. Heute muss schon ein echter Titel her. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Entweder man macht die schwere Tour durch eine Universität oder Fachhochschule, was bei MINT-Fächern (Medizin, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit besonders hohem Arbeitsaufwand verbunden ist. Plagiate sind in diesen Fächern kaum möglich, vor allem dann nicht, wenn es sich um Programmier- oder Laborarbeiten handelt. MINT-Fächer sind die letzten Hochburgen der Qualität an Hochschulen. Eine zweite Möglichkeit, zu einem Titel zu kommen, ist die Absolvierung eines Orchideenfaches. Hier kann es öfter zu Plagiatsfällen kommen, vor allem dann, wenn es um tausendfach durchgeknetete Themen geht wie „Die Heiratspolitik der Habsburger“ oder um nutzlose Genderthemen wie „Postkoloniale Dekonstruktion retardierter weißer cis-Männer“. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, ein Fach zu belegen, und eine Agentur mit dem Schreiben einer Master- oder Doktorarbeit zu beauftragen. Das ist die leichteste und teuerste Tour. Ghostwriter Institute, die gegen Geld schriftliche Diplom- und Doktorarbeiten liefern (study-support.de, wirschreiben.at, ghostwriteragentur.at und andere) findet man im Internet kinderleicht. MINT-Fächer sind teurer als Orchideenfächer, lange Arbeiten kosten mehr als kurze, auch der Zeitfaktor ist eine Geldfrage. Je schneller, desto teurer. Solange die gekauften Autoren Plagiate vermeiden und die Begutachter nicht genau hinsehen, verhelfen extern produzierte Texte zu klingenden Titeln. Auch dann, wenn eine Dissertation von vorne bis hinten abgeschrieben wurde, wie im Falle der ehemaligen Justizministerin Alma Zadić, passiert selten etwas. Aufklärer stören bekanntlich nur. Die Universität Wien hat das Plagiat indirekt bestätigt, als in einer Aussendung verkündet wurde, Frau Zadić habe nicht absichtlich abgeschrieben. Eine abgeschriebene Doktorarbeit nicht absichtlich abgeschrieben zu haben, kann nur eines bedeuten: Die Dissertation hat jemand anderer geschrieben. |
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