Welt der Naturwissenschaften und Politik(Scientific Medley)
18. September 2026 |
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DER BEFREIER |
Eine sommerliche Reise durch Martin Luthers Kernland (Thüringen und Sachsen-Anhalt) samt Blick in die Geschichte zeigt Parallelen zur heutigen Politik in Deutschland und Österreich. Die Leute wechselten im 16. Jahrhundert nicht wegen theologischer Inhalte von der katholischen Kirche zum Reformator Luther. Sie hatten von den Ablasshändlern der Kirche die Nase gestrichen voll. Sie fühlten sich ausgeplündert und belogen. Heute stehen wir vor einer ähnlichen Situation. Die regierenden Parteien haben eine Menge an Glaubwürdigkeit verspielt. Martin Eleutherios Hans Luder war ein Bergbaumeister in der Kleinstadt Eisleben (Sachsen-Anhalt). Seine Grube im Mansfelder Revier erbrachte vor einem halben Jahrtausend 300 Tonnen Kupfer und zwei Tonnen Silber pro Jahr. Zusätzliche Einkünfte aus einer Landwirtschaft machten aus Hans Luder einen für damalige Verhältnisse wohlhabenden Mann, der allerdings eine kinderreiche Familie zu versorgen hatte. Hans Luder schickte seinen siebzehnjährigen Sohn Martin nach Erfurt (Thüringen). Er sollte am Collegium Maius Jura studieren, um später den Bergbaubetrieb und seine Arbeiter bei Bedarf vor Gericht verteidigen zu können. Auf dem Weg nach Erfurt erlebte Martin Luder ein schweres Gewitter. In Todesangst schwor er, einem Orden beizutreten. In Erfurt trat Martin in den Augustinerorden ein, lernte Griechisch und Latein, wurde zum Doktor der Theologie promoviert und erhielt die Priesterweihe. Luther nannte die Universität später „seine Mutter, der er alles verdanke“. Es war damals unter gebildeten Männern Mode, sich einen Familiennamen in Griechisch oder Latein zuzulegen. Martin Luder glaubte, seinen Namen im griechischen Wort Eleutherios (Befreier) zu erkennen. Eine Zeitlang unterschrieb er mit „Martin Eleutherios“. Das Wort war schwierig auszusprechen, worauf er seinen Familiennamen auf Luther änderte, und dabei blieb es. Martins Vater war erzürnt. Er kam zwar zur Priesterweihe nach Erfurt, konnte sich aber mit der Berufswahl seines Sohnes lange Zeit nicht anfreunden. Hans Luder hatte ohnehin Probleme mit der damaligen Kirche. Martin Luther schrieb einmal über seinen Vater: „Mein Vater war einmal zu Mansfeld todkrank, und da der Pfarrherr zu ihm kam und ihn ermahnte, dass er der Geistlichkeit etwas hinterlassen solle, da antwortete er: Ich habe viele Kinder, denen will ich es hinterlassen, die brauchen es nötiger.“ Der Bruch Nachdem der Reformator und Prediger Jan Hus im Sommer 1415 in Konstanz zum Tode durch Verbrennung verurteilt worden war, sagte er, die Kirche verbrenne nun eine Gans. In hundert Jahren werde ein Schwan kommen, den sie nicht mehr braten oder verbrennen könne. Martin Luther bezog das auf sich. Später wurde er mehrmals mit einem Schwan abgebildet. Martin Luthers Vater schloss mit seinem Sohn Frieden, als dieser Katharina von Bora heiratete. Ein Mönch und Priester ehelichte eine sächsische Adelige. Welch ein Skandal! Luthers Bruch mit der Kirche wurde spätestens am 31. Oktober 1517 politisch. An diesem Tag schlug er einen Aufruf mit neuen Thesen an ein Tor (heute: „Thesentor“) der Schlosskirche in Wittenberg. Der Grund jedoch, warum ihn viele Menschen verehrten, waren nicht die neuen theologischen Lehrsätze, sondern der aufgestaute Ärger mit einer Kirche, die mit betrügerischen Ablässen das Volk ausplünderte. Der Rest ist Geschichte. Luthers Theologie verbreitete sich und spaltete die Kirche. Der Zorn des Volkes Heute haben wir eine vergleichbare Situation. In Europa sind rechte Parteien auf dem Vormarsch. Bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und später in anderen Bundesländern wird die AfD jeweils eine relative Mehrheit der Stimmen gewinnen. Auch bei den Landtagswahlen in einem Jahr in Oberösterreich darf die FPÖ mit einer relativen Mehrheit rechnen. Journalisten und Politiker anderer Parteien werden nicht müde, Aussagen und Programme von AfD und FPÖ zu zerpflücken, zu kritisieren oder „in die Tonne zu treten“, wie man in Deutschland zu sagen pflegt. Doch das funktioniert kaum noch. Luthers Thesen waren das theologische Fundament seiner Reform. Das Volk interessierte sich nicht für Thesen, mit denen Nicht-Theologen ohnehin nichts anzufangen wussten. Das Volk erwartete einen Befreier. Parteiprogramme spielen heute vielleicht noch eine Rolle, aber der Zorn des Volkes richtet sich längst gegen Regierungen, die immer mehr Steuern erfinden, Unternehmer mit geradezu aberwitziger Bürokratie drangsalieren, Massen an Menschen, deren Religion mit unserer Kultur inkompatibel ist, illegal ins Land schleusen, unsere Schulen ideologisieren und nicht-linke Menschen als „Nazis“ verleumden. Mauermörder Warum ist die Verbitterung der Menschen in der ehemaligen DDR so groß? Es gibt einige Gründe, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Sicher spielt die Erinnerung an die SED-Diktatur mit ihren Mördern an der Mauer eine Rolle. Einen übergriffigen Staat will heute niemand mehr erleben. Auch die ungleichen Startbedingungen nach dem zweiten Weltkrieg sind bei älteren Bürgern noch in Erinnerung. Während der Westen Deutschlands mit Hilfe des Marshallplans 1948 bis 1952 aufgebaut wurde, musste die DDR an die kommunistischen „Brüder“ im Osten bis zuletzt Waren zum erzwungenen Billigtarif liefern. Bitterkeit bewirken auch eine erkennbare Arroganz und der Generalverdacht in den westlichen Bundesländern, wonach die Leute im Osten mehrheitlich Nazis seien. All das erzeugt böses Blut. Wenn dann noch Journalisten in einem Nachrichtenmagazin in einem Anfall von Dummheit den AfD-Vorsitzenden von Sachsen-Anhalt zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ ernennen, ihm damit aber ungewollt den Status eines Rockstars bescheren, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Leute einerseits lachen, andererseits in der Wahlzelle zur Rache schreiten. Vor dreieinhalb Jahrzehnten wurde die Entsorgung der DDR-Diktatur durchgeführt. Jetzt steht eine Befreiung von aufgesetzter linker Hypermoral, staatlicher Verschwendungssucht, Ideologien, die sich als „Wissenschaft“ tarnen und anderen politischen Fehlleistungen an. Darum geht es letzten Endes, und nur darum. |
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