Welt der Naturwissenschaften und Politik(Scientific Medley)
21. August 2026 |
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DAS KLEINE ICH, DAS GROSSE WIR |
Die alte chinesische Philosophie kennt das „kleine Ich“. Das ist die Person an sich mit ihren Wünschen, Plänen, Ängsten. Das „große Ich“ ist die Gemeinschaft, die über dem kleinen Ich steht. Dieser und ähnliche Gedanken in anderen Philosophien waren immer schon die ideologischen Grundlagen aller Kollektivisten. Selbstverständlich sind wir Menschen seit Millionen Jahren ein Familien-, Gruppen- und Clan-Wesen. Der griechische Philosoph Aristoteles war der erste Philosoph, der die menschliche Art als „Zoon politikon“ bezeichnete, ein „Gemeinschaftswesen“. Wir sind dazu geschaffen, in einer Gemeinschaft und einer „Polis“ zu leben. Das kann nicht dekonstruiert werden, aber der Teufel steckt im Detail. Der Clan Der ehemals bekannte und leider etwas in Vergessenheit geratene österreichische Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz hat die Frage nach dem „wir“ kurz und bündig beantwortet: „Der Mensch ist gut in der Elf-Mann-Sozietät.“ Er meinte damit, dass wir eine lange Evolution hinter uns haben, in der sich Sippe, Clan oder Dorf als überschaubare Einheiten bewährt haben. In der Zwischenzeit haben sich die Gruppen vergrößert. Es entstanden Grafschaften, Fürstentümer, Staaten, Weltreligionen. Trotzdem fühlen wir uns in der Kirchengemeinde, im Gartenverein, in der Studentenverbindung, bei der Feuerwehr oder in einer Musikkapelle wohl. Mit kollektivistischen Ideen konnten wir Menschen nur wenig anfangen, es sei denn, einem Herrscher ist es gelungen, den Staat und alles, was dazu gehört, als von außen bedroht darzustellen. Das führte meist zum Krieg, und manchmal entstand aus einem Krieg (1. Weltkrieg) ein weiterer (2. Weltkrieg), wenn die Sieger den Fehler begangen haben, den oder die Unterlegenen zu demütigen. Ein dauerhafter Friede nach dem verheerenden dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert war nur möglich, weil in den Schlussdokumenten alle Beteiligten auf Schuldzuweisungen verzichteten. Offenbar lernen manche Politiker nicht dazu und holen immer wieder alte gruppenbezogene Ideen hervor und biegen sie zurecht. Franziska Brantner, der weibliche Chef der deutschen Grünen, hat auf ihrem „Forum für Zukunft“ kürzlich mit einem Satz ihre zentrale Ideologie verkündet: „Frei sind wir nur als Wir.“ Das ist der Kollektivismus, der das kleine Ich nur duldet, solange es sich dressieren lässt und in den Plan der staatlichen Erzieher einfügt. Freiheit beginnt bei Frau Brantner dort, wo das Ich im Wir zerrinnt. Der Plan Das grüne Wir ist kein geselliges Gemeinschaftsgefühl. Es ist der Marsch durch die Institutionen. Es ist der politische Anspruch, Menschen, Behörden, Parteien, überhaupt alle Bereiche, nach einem Plan einzuzäunen und das Ganze dann als Freiheit zu bezeichnen. Es genügt nicht mehr, dass wir bestimmte Wörter wie „Indianer“ nicht mehr sagen dürfen. Wir haben auch zu glauben, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass Strom aus Wind billig ist, vegane Ernährung besser ist als alles andere und schon der Gedanke an einen Urlaubsflug sündhaft ist. Inquisition Wer uns Bürger erziehen will, muss kontrollieren, was wir lesen, hören und sehen dürfen. Der Großteil der klassischen Medien ist auf Linie, die Online-Medien, insbesondere die „sozialen“ Foren, noch nicht. Unter dem Vorwand, gegen „Desinformation“ vorzugehen, bereiten EU-Politiker den universellen Zugriff auf Algorithmen vor. Das ist nichts anderes als eine neue Form der Inquisition, die schon deshalb heimtückisch ist, weil sie leise im Hintergrund arbeitet. Sollten diese geplanten Übergriffigkeiten eingeführt werden, bekommen wir Bürger gar nicht mehr mit, welche Meinungen uns vorenthalten werden. Bestimmte Beiträge, wenn sie schon nicht verboten werden können, sinken in der Liste, die wir online zu Gesicht bekommen, weit nach unten. Das ist die moderne Form politischer Bevormundung: Der Staat muss dem Bürger nicht mehr den Mund verbieten. Er steuert bereits, was der Bürger findet, wenn er nach einem Thema sucht. Die öffentlich-rechtlichen Medien steuern ohnehin seit vielen Jahren, was wir sehen, hören und lesen dürfen und was nicht. Jetzt kommt das Internet dran. Frau Brantner sagte in ihrer Rede Sätze wie: „Freiheit braucht Gleichheit“ oder „Freiheit ohne Gleichheit verkümmert“. Damit ist nicht die Gleichheit vor dem Gesetz gemeint, sondern eine sozialpolitische Gleichheit. Alle – bis auf eine kleine Polit-Elite – sollen gleich wenig verdienen und Ähnliches bis Gleiches denken. Gleichheit wird zum absoluten Ideal, Diversität darf es nur unter queerer Flagge geben. Prokrustes In der Antike entstand die Legende des psychopathischen Banditen Prokrustes. Er lebte in einer Burg, die an einer Straße nach Athen lag. Reisende kamen hier vorbei. Prokrustes besaß ein Eisenbett, das der Länge nach zu seinem Körper passte. Der Unhold empfing die Reisenden mit offenen Armen. Die Gastfreundlichkeit endete, als der Tag zu Ende ging. Prokrustes geleitete seine Gäste zu seinem Bett, wo das Grauen begann. War der Gast größer als das Bett, so hackte er ihm seine Gliedmaßen ab. War der Gast kleiner als das Bett, so wurde der Körper des Opfers auf einer Streckbank in die Länge gezogen bis die Gelenke brachen. Der Körper des Gastes musste den Ausmaßen des Betts entsprechen. Der Gleichheitsdrang der Kollektivisten führt in eine geistige Monokultur. Im Laufe der Geschichte wurde immer wieder versucht, das kleine Ich im großen Wir verschwinden zu lassen. Kaiser, Könige, Fürsten, Päpste, Diktatoren, Ideologen – immer wieder tauchte ein neuer Prokrustes auf. Gelungen ist die Gleichschaltung jeweils nur für kurze Zeit, weil wir Menschen von Natur aus zu verschieden sind. Auf jeden Prokrustes folgten Rebellen, die sich zur Wehr setzten. Trotzdem hören Gleichmacher nicht auf, das graue Kollektiv als etwas Erstrebenswertes zu verkaufen. Auf solch einen Schwindel können nur Shitbürger hereinfallen, und sie tun es leider immer wieder. |
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