Welt der Naturwissenschaften und Politik

(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2026

Je tiefer wir das Leiden durchschauen, umso näher kommen wir dem Ziel der Befreiung vom Leiden.
(Dalai Lama)


22. Februar 2026

Übersicht

WISSEN UND GEWISSEN


Wieder einmal glaubt ein Minister, zeitgemäß zu sein, wenn er zu ändern versucht, was ihm „Experten“ vorschlagen. Diesmal geht es darum, den Informatikunterricht zu erweitern und ein überflüssiges Medienfach einzuführen. Künstliche Intelligenz soll verstärkt unterrichtet werden. Latein wird – quasi zur Gegenfinanzierung – gekürzt, denn das braucht angeblich eh niemand.

Ich bin neugierig, wie der Minister das umsetzen will. Ich habe länger als ein Viertel Jahrhundert Informatik unterrichtet. Ich war ungefähr ein Jahrzehnt ECDL-Ausbildner (Europäischer Computerführerschein), habe also gewisse Erfahrungen. Es besteht kein Zweifel, dass Computer die Welt schneller verändert haben als jede andere Technik zuvor. Es gibt heute kaum noch Elektrogeräte, die keine Elektronik enthalten. Fast noch atemberaubender als die Entwicklung der Hardware ist die Evolution der Software. Man braucht nur Flugsimulatoren oder Auto- und Rennsimulatoren wie „Forza Horizon“ auszuprobieren, um zu sehen, was bereits möglich ist.

Schreibmaschinen

Auch die Arbeitswelt wurde stark verändert. Das Layout einer Zeitschrift oder eines Buches macht man mit Programmen wie InDesign, Manuskripte werden schon lange nicht mehr mit Füllfeder oder Schreibmaschine geschrieben, und der Filmschnitt erfolgt nicht mehr mit Stoffhandschuhen und Schere, sondern mit Computerprogrammen wie Premiere. Viele Zahlentabellen werden nicht mehr mit Kugelschreiber und Taschenrechner statistisch ausgewertet, sondern mit Excel. Das ist leicht anzuwenden, es sei denn man ist Parteifunktionär auf einem Parteitag.

Rechenschieber

Ich hatte beim Unterrichten immer gemischte Gefühle, denn das Anwenden von Computerprogrammen hat unser Leben in vielen Bereichen vereinfacht, aber die Entwicklung hat nichts mit Bildung und schon gar nichts mit Intelligenz zu tun. Eher im Gegenteil. Ich begnüge mich zur Begründung mit einem einzigen Beispiel.

Meine Generation ist die letzte, die noch mit Logarithmentabellen und Rechenschiebern arbeitete. Wir mussten damals die Größenordnungen im Blick haben. Auf dem Rechenschieber führen Multiplikationen wie 2,1 mal 3,4 zum gleichen Resultat wie 210 mal 340. Die Zehnerpotenz mussten wir durch rasches Kopfrechnen herausfinden. Das war für uns kein Problem. Für die Jugendlichen heute ist es eine Herausforderung, den Unterschied zwischen einer Million und einer Billion zu nennen.

KI

Ich zweifle keine Sekunde daran, dass uns künstliche Intelligenz (KI) Arbeit abnehmen wird, aber kein Computerprogramm – auch nicht KI – kann menschliche Kreativität ersetzen oder einem Rettungssanitäter zur Hand gehen, der bei einem Unfall blitzschnell entscheiden muss, welcher der Verletzten zuerst Hilfe benötigt. Ich habe bei einigen meiner Artikel und bei meinen letzten beiden Büchern KI bemüht, um einige Absätze zu verbessern. Ich habe es nach wenigen Versuchen wieder aufgegeben, denn die Texte wurden von der Software zwar fehlerfrei formuliert, waren in meinen Augen jedoch zu glatt und blass. Auch in der Musik hat KI ihre Spuren hinterlassen. Eine mit KI erzeugte (virtuelle) 10. Symphonie von Beethoven hört sich angenehm an, bringt aber nichts Neues. Es gibt schön zusammengebaute bekannte Beethoven-Melodien und Akkorde, das war es jedoch schon. Ich liebe sowohl klassische als auch Rockmusik, und ich liebe die Filmmusik von John Williams. Eine KI- Symphonie von Beethoven ist mir zu farblos.

Programmierer

Sollte der Herr Minister die Förderung des Programmierens im Gymnasium im Blick haben, so wird er scheitern, denn nur wenige Informatiklehrer können heute noch Programme schreiben. Ich habe als Student die Sprache FORTRAN gelernt, eine höhere maschinennahe Computersprache, die auf Lochkarten gespeichert und zur Programmierung von Maschinen und Satelliten ab den Sechzigerjahren eingesetzt wurde. In der Zwischenzeit kamen viele andere Sprachen dazu, wobei das Programmieren von Maschinen inzwischen so komplex ist, dass man ohne Informatikstudium kaum noch einen hochwertigen Job als Programmierer bekommen kann.

In den fünften Klassen meines Gymnasiums habe ich immer Werbung für das Informatik-Freifach von der sechsten bis zur achten Klasse gemacht. Als den Schülern klar wurde, was Programmieren wirklich bedeutet, meldeten sich nur wenige, wobei das Verhältnis von Mädchen zu Burschen mit ungefähr 1:5 immer gleich blieb. Das Missverhältnis hat nichts mit Intelligenz zu tun. Zum Programmieren benötigt man ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen. Auf diesem Gebiet sind die Burschen den Mädchen überlegen. Mädchen lernen stattdessen das Anwenden von Programmen wie Word oder Excel schneller als Burschen im gleichen Alter.

Bildung

Einige meiner Ansichten zu manchen Themen habe ich im Laufe der Jahre korrigiert, denn auch unser Wissen hat sich geändert. Meine Ansicht, wonach das Anwenden von Computern nichts mit Bildung zu tun hat, habe ich nie aufgegeben. Das Ziel der Bildung sollte sein, sich mit den Fragen der Welt und unserer Existenz auseinanderzusetzen. Sogar Latein kann behilflich sein. Wer einen guten Lateinlehrer hatte, kann für den Rest seines Lebens so intensiv in die Tiefen jeder Sprache eindringen, dass er zum Formulieren keine KI benötigt.

Computerprogramme wie Word, Access und KI-Systeme sind im Grunde Werkzeuge wie ein Bleistift, eine Schaufel oder ein Schraubenzieher. Am Ende müssen immer Wissen, Kreativität und das eigene Gewissen die letzten Instanzen sein. Freie Menschen arbeiten mit Fakten, um sich nach bestem Wissen und Gewissen eine Meinung zu bilden. Auf Manipulation und Dressur durch Politik und Medien wollen die meisten von uns verzichten. Der Unterrichtsminister, der vermeintlich altmodische Bildung abbauen will, sitzt einem Irrglauben auf, wonach Maschinen Intelligenz und Urteilsvermögen verbessern können. Jede weitere Nivellierung unserer Schulen nach unten wäre verantwortungslos. Nach wie vor gilt: Wer nichts weiß, muss alles glauben.



© 2026 Rudolf Öller, Bregenz  [/2026/roe_2606]

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Helden der Wissenschaft:
Paul Karl Hartek
(1902-1985)
war ein österreichischer Physikochemiker und letzter Großmeister der physikalischen Chemie. Er leistete große Beiträge zu Foto-, Reaktor- und Atmosphärenchemie.

 

Rudolf Oeller:

Typhons Rache

Thriller über die vernichtende Kraft der Rache und den Traum vom ewigen Leben im Diesseits.
(Fortsetzung von Typhon District)
Europa Verlagsgruppe.
ISBN 9791257032685

Ein geheimes Forschungsprojekt diente der Produktion von Mensch-Tier-Hybriden. Es wurde erschaffen im Namen des Fortschritts für die Transplantation von Organen, ging aber zugrunde im Schatten politischer und ökonomischer Macht.
Ben Schmitt, einst leitender Genetiker im Projekt Typhon District, lebt im US-Zeugenschutz. Doch die Geister der Vergangenheit lassen ihn nicht los: ein gestohlenes Jahrhundertprojekt, verschwundene Freunde, eine verschollene Geliebte, ein Verrat, der nach Vergeltung schreit.
Gemeinsam mit seinem Freund Mo begibt er sich auf eine gefährliche Reise durch Europa und Asien – auf der Suche nach Antworten, nach Wahrheit, nach Rache. Doch jeder Schritt bringt sie tiefer in ein Netz aus Geheimdiensten, tödlichen Feinden und der grausamen Erkenntnis, dass manche Grenzen der Wissenschaft nie hätten überschritten werden dürfen. Als Ben und Mo erfahren, dass ihr gestohlenes Projekt auf Befehl höchster Regierungsmitglieder in den USA und Russland weiter betrieben wird, kämpfen sie bereits um ihr Leben.
Beklemmend realistisch und gnadenlos spannend – Typhons Rache ist ein rasanter Thriller über die Hybris der Wissenschaft, die Abgründe menschlicher Gier und die zerstörerische Kraft des Vergeltungsdrangs. Wer Gott spielt, muss bereit sein, den Preis zu zahlen.

Das Buch ist im Handel und im im Internet erhältlich.

Rudolf Oeller:

Typhon District

Thriller über eine Gruppe junger Wissenschaftler, die an ihrer Gier zugrunde ging.
Europa Verlagsgruppe.
ISBN 9791220149914

Als Ben, ein Molekularbiologe, um Hilfe gebeten wird, weil die Schimpansenweibchen im Zoo keinen Nachwuchs bekommen, ahnt er noch nicht, dass seine Welt bald aus den Fugen geraten wird. Die Ursache der Zeugungsunfähigkeit ist nämlich eine Chromosomenmutation der Affendamen, und die bringt seinen Chef auf eine folgenreiche Idee. So entsteht das unter Verschluss gehaltene Projekt Typhon District, benannt nach einem Hybridmonster aus der Mythologie. Erst allmählich kommen bei Ben und seinem internationalen Team Zweifel auf. Doch da sind sie bereits tief in einem Strudel von Geld und Machtgier, Manipulation und Skrupellosigkeit gefangen. Nicht nur ihre eigenen Leben sind bedroht. Als sie das bemerken, ist es bereits zu spät.

Das Buch ist im Handel und im im Internet erhältlich.
Typhon District - Rezension