Welt der Naturwissenschaften und Politik
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DIVERSITÄT |
„Divers“ ist das Schlagwort derjenigen Welterklärer, die glauben, sie hätten die Diversität erfunden. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt nichts anderes als verschieden. Diese Wichtigtuerei ist überflüssig, weil es keine zwei Menschen gibt, die gleich sind. Unterschiedliche Kategorien wie Körpergröße, Hautfarbe, Haarmenge, Blutgruppe, Geschlecht, Intelligenz, Gesundheit, Muskelmasse, Leistung der Sinnesorgane usw. usf. machen aus jedem Menschen ein Unikat. Wir sind nicht gleich, waren nie gleich und werden es nie sein. Wir Menschen sind nur in freien Demokratien juristisch gleichwertig. In gewissen religiös dominierten Staaten sind Frauen nicht gleichwertig, worüber am Weltfrauentag aber nicht gesprochen wird. Der außerhalb der Biologie unbekannte Genetiker Richard Lewontin hat schon in den Sechzigerjahren Methoden entwickelt, die genetische Vielfalt innerhalb einer Art zu messen. Er ist dabei auf erstaunliche Zahlen gestoßen. Innerhalb einer Tier- oder Pflanzenart sind ungefähr fünf bis acht Prozent aller Gene unterschiedlich. Das klingt nach wenig, aber wenn man alle Kombinationsmöglichkeiten berechnet, ergibt das mehr verschiedene Individuen innerhalb einer einzigen Art als es Sterne, Planeten und Monde im Universum gibt. Im Fachjargon heißt das: Der Heterozygotiegrad ist in biologischen Arten sehr hoch. Inzucht Die Diversität hat die Natur erfunden, sonst niemand. Da in der Natur nicht immer alles perfekt abläuft, gehören zur Diversität nicht nur gute Gene, sondern auch schlechte, was bei Inzucht fatale Folgen hat. In Gesellschaften, in denen Verwandtenehen häufig sind, ist die Zahl behinderter Kinder besonders hoch. Das mussten sogar Königshäuser leidvoll erkennen. Die Bluterkrankheit, bei der die Blutgerinnung nicht funktioniert, nennt man auch die königliche Krankheit. Sie wird bereits im jüdischen Talmud erwähnt und grassierte wegen Inzucht im englischen und russischen Königshaus. Königin Victoria war Überträgerin für die Bluterkrankheit. Ihr Sohn litt daran und über ihre beiden Töchter gelangte das Hämophilie-Gen in russische und spanische Adelshäuser. Der hohe Inzuchtkoeffizient führte nicht nur zu einem markanten Erscheinungsbild in einer habsburgischen Linie („Habsburger Lippe“), sondern auch für Unfruchtbarkeit und eine kurze Lebenserwartung. Die spanischen Habsburger starben aus, weil bei Karl II mindestens zwei Erbkrankheiten auftraten. Es folgte der Spanische Erbfolgekrieg. Mangelnde Diversität hat einen hohen Preis. Keine Parität Die Evolution sorgt für ungleichmäßige Verteilung der Vielfalt. Norwegen ist das älteste Land, in dem systematisch Genderpolitik betrieben wird. Die Politik versucht, Frauen und Männern durch Propaganda und durch Gesetze zahlenmäßig auf möglichst viele Berufe paritätisch aufzuteilen. Ein norwegischer Journalist sah vor einigen Jahren genauer hin. Ihm war aufgefallen, dass sich im Genderismusmusterland Norwegen die Anteile weiblicher Ingenieure, männlicher Krankenpfleger und anderer Berufe bis heute nicht verändert haben. Es gibt unter den Frauen Piloten und Techniker, aber es gibt keine Paritäten der Geschlechter. Auch bei Arbeitern am Bau und auf Bohrplattformen im Meer findet man nur wenige Frauen. In Uhrenfabriken arbeiten Frauen wegen der besseren Feinmotorik überwiegend in der Fertigung, Männer wegen der besseren räumlichen Wahrnehmung in der Reparatur. Diese Diversität hat nichts mit Erziehung, aber viel mit Biologie zu tun. Diversität ist allgegenwärtig, aber nicht gleich verteilt. Natürliche Verschiedenheit kann man mit erzwungenen Quoten notdürftig überdecken aber keine Politik kann sie jemals abschaffen. Kolonialismus Diversität gibt es auch zwischen Ländern. Die Länder des fernen Ostens zählten am Ende des zweiten Weltkrieges zu den ärmsten Regionen. Heute sind sie wohlhabend und erfolgreich. Afrika war wegen der Bodenschätze reich, heute droht schon wieder Kolonialismus – nicht aus Europa, sondern aus dem Osten. Auch die mittleren Lebenserwartungen sind divers. Männer leben in Österreich durchschnittlich 78,8, in den USA 74,8 und in Belarus 68 Jahre. Es gibt nicht nur Diversität innerhalb der Arten, es gibt auch Diversität zwischen Gruppen von Menschen. So gibt es bis heute ungefähr zweihundert jüdische Nobelpreisträger, aber nur drei muslimische. Kommen asiatische Kinder in unsere Schulen, so benötigen sie keine Integrationsbeauftragte, und ihre Leistungen sind in der Regel überdurchschnittlich. Man redet nicht darüber, denn es handelt sich um eines von vielen Tabuthemen. Tabus sind nichts anderes als Sackgassen der Demokratie. Sexuelle Fortpflanzung Der englische Biologe Charles Darwin hat 1859 sein berühmtestes Buch veröffentlicht: „Über die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion“. Das Buch war gleichermaßen umstritten wie genial. Die Biologen waren begeistert, aber sie fragten sich bald, wo denn die Vielfalt in der Natur herkommt, wenn ständig selektiert (ausgesondert) wird. Es dauerte ungefähr ein Jahrhundert, bis Biologen erkannten, welche natürlichen Ursachen der hohen Vielfalt zugrunde liegen. Spezielle genetische Vorgänge spielen dabei eine Hauptrolle. Die komplette Aufzählung aller Mechanismen ist hier nicht möglich. Einer der wichtigsten sei hier erwähnt: Es ist das binäre (paarweise) System, auch „sexuelle Fortpflanzung“ genannt. Dieses natürliche Prinzip ist so erfolgreich, dass es sich bei allen Tier- und Pflanzenarten durchgesetzt hat. Lebewesen, die sich fortpflanzen, sind nicht nur Teil der Diversität, sie geben diese auch weiter. Lebewesen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht fortpflanzen, geben nichts weiter. Man darf und soll über alles reden und diskutieren dürfen. Es ist aber ärgerlich, wenn sich unwissende Ideologen in Wissenschaften nicht nur einmischen, sondern Vorträge mit Hilfe eines Mobs verhindern. So geschehen in Berlin und anderswo. Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht wollte 2022 an der Humboldt-Universität einen Vortrag über Geschlecht und Gender halten. Es regte sich lauter Widerstand, worauf die Hochschule den Vortrag absagte. Diese Entwicklung ist erbärmlich, denn in der Biologie gelten Fakten, und dazu zählen die beiden Geschlechter. Pseudowissenschaftliche Konstrukte mögen in Orchideenfächern gepflegt werden. In den Naturwissenschaften haben sie nichts zu suchen. |
© 2025 Rudolf Öller, Bregenz [/2025/roe_2513] |
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