Welt der Naturwissenschaften
(Scientific Medley)

 Jahresübersicht 2024

Freiheit ohne Gerechtigkeit ist Willkür.
(Jean Anouilh)


23. Mai 2024


Übersicht

BEFREIUNG UND BENACHTEILIGUNG


Die Befreiung der Frau aus der vermeintlichen Knechtschaft der Männer erfolgte durch die Männer – genauer: Die Wissenschaft der Männer. Die Emanzipation der Frau begann nicht mit einer Quotenregelung, sondern durch die Entdeckung eines männlichen Arztes und Biologen. Karl Ernst Ritter von Baer entdeckte 1827, also vor fast zweihundert Jahren, die weibliche Eizelle. Davor hielt man den Mann für den alleinigen Erzeuger der nächsten Generation. Mütter galten nur als wandelnde Brutkästen. Nach der Entdeckung der Eizelle war klar geworden, dass beide Geschlechter Zellen zur Fortpflanzung bereitstellen. Das war der erste Schritt in Richtung einer Aufwertung der Frauen, insbesondere der Mütter.

Die Führung des Haushalts war immer in erster Linie eine Sache der Frauen. Die mühsame Arbeit des Wäschewaschens, des Kochens, des Lagerns von Nahrungsmitteln im Keller, des Heizens und viele andere Tätigkeiten waren über Jahrhunderte nichts als Knochenarbeit. Im Laufe des 19. Jahrhunderts änderte sich alles.

Kühlschränke

Die beiden englischen Physiker John Joule und William Thomson (der spätere Lord Kelvin) entdeckten die Temperaturveränderungen von Gasen, wenn man sie Druckveränderungen aussetzt. Dieser Joule-Thomson-Effekt führte im 20. Jahrhundert zum Bau von Kühlschränken, Tiefkühltruhen und Klimaanlagen. Lebensmittel konnten nun länger und einfacher gelagert werden. Eine weitere Erleichterung des Lebens brachten der Elektroherd (Ende des 19. Jahrhunderts) und die elektrische Waschmaschine (Beginn des 20. Jahrhunderts). Sie wurden von Männern erfunden. Weitere Erfindungen wie Automobil, Telefon, Radio usw. folgten. Sie alle machten unser Leben bequemer. Dass uns diese Sachen nicht glücklicher gemacht haben, ist eine andere Geschichte.

Man mag einwenden, dass der Grund für die vielen schönen Erfindungen der Männer darin zu suchen ist, dass man Frauen lange Zeit den Zugang zu höherer Bildung verweigert hat. Das stimmt auch. Erst im 20. Jahrhundert wurden nach und nach Universitäten und technische Ausbildungen für Frauen zugänglich. Das große "aber" ließ nicht lange auf sich warten. Dem Journalisten Harald Eia war aufgefallen, dass sich in Norwegen, dem europäischen Musterland des Genderismus, die Anteile der weiblichen Techniker und der männlichen Krankenpfleger und Kindergärtner nie verändert hatten. In allen freien Ländern wählen Männer und Frauen mehrheitlich unterschiedliche Berufe aus, was nicht daran liegt, dass man Frauen von Technik fernhält, wie manche Ideologen mutmaßen. Weibliche Baggerfahrer gibt es nur in Diktaturen. Wer hätte das gedacht.

Ignoranz

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind vielfältig und beschränken sich nicht auf Körperbau, Muskelmasse, Lungenvolumen, Fortpflanzungsorgane und vieles andere. Biologen wissen heute, dass die Hirnentwicklung stark von Hormonen gesteuert wird, und die sind bei Männern und Frauen verschieden. Die Behauptung, zwischen Männern und Frauen gebe es keine wesentlichen Unterschiede, ist eine Folge von Ignoranz oder mangelnder Bildung.

Viele männliche Erfindungen haben das Leben von Männern und Frauen vereinfacht, doch drei zusammenhängende technische Entwicklungen fügen den Frauen Schaden zu: Das Internet, das Smartphone und die so genannten sozialen Medien. Das Internet wurde Ende der Sechzigerjahre von der US-Army in Auftrag gegeben und von einer amerikanischen Firma technisch umgesetzt. Das Smartphone wurde bei der US-Firma Apple erfunden, die sozialen Medien folgten rasch.

Suizide

Im britischen Magazin "Economist" wurden vor einem Jahr Daten über die Entwicklung der Selbstmordraten in siebzehn Ländern – darunter auch Österreich – veröffentlicht. Bis vor zehn Jahren sind die Selbstmordzahlen von jungen und alten Menschen sowie Männern und Frauen unterschiedlich, aber gleichbleibend verlaufen. Ab 2014 sind die Suizidzahlen bei den Frauen und Mädchen zwischen 10 und 30 deutlich angestiegen. Bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 10 und 20 sind die Zahlen sogar steil nach oben gegangen.

Den gleichen Trend zeigen die Statistiken der Spitalseinlieferungen junger Mädchen, die sich selbst verletzt haben. Dasselbe besagen Studien über die signifikante Zunahme psychischer Probleme bei Mädchen. Analysen zeigen die Ursachen. Es ist der Hang junger Mädchen zu Kontakten in den sozialen Internetmedien. Während Burschen ihre Smartphones eher für Videospiele und Sportnachrichten verwenden, ist für Mädchen viel wichtiger, was übereinander gesagt wird. Die Informationen laufen über Facebook und – zunehmend – auch über das Portal Instagram. Der Hang mancher Mädchen, sich an anderen Menschen abzuarbeiten, oft auch verbales Mobbing zu betreiben, unterscheidet sich deutlich von den körperlichen Aggressionen der Burschen. Fäuste ergeben geschwollene Gesichter, aber verbales Gift endet in Zeiten des Smartphones für eine wachsende Anzahl von Mädchen und jungen Frauen tragisch.

Anonyme Nieten

Die bösartige Eigenschaft mancher Menschen zielt unter den Erwachsenen in erster Linie auf Politiker und Journalisten, an denen verhaltensauffällige Nieten ihre Komplexe abarbeiten. Während Politiker sich an den verbalen Müll notgedrungen gewöhnen mussten, kann ein sensibles Mädchen in den Pubertätsjahren als Reaktion auf Internet-Mobbing schnell in eine Depression geraten.

Quoten haben Frauen weder befreit noch aufgewertet noch ihnen sonstige Vorteile gebracht. Genderismus, Mobbing im Internet, die Behauptung, Frauen und Männer seien biologisch im Wesentlichen gleich und anderer ideologisch unterlegter Unsinn schädigen Frauen stärker als Männer. Diejenigen, die von "gebärenden Personen" schwadronieren und über das Wort "Muttertag" lästern, sollten gelegentlich ihr Hirn benützen und sich ausnahmsweise einmal um die Realität und die echten Probleme kümmern. Realität ist bekanntlich das Gegenteil von Ideologie.



© 2024 Rudolf Öller, Bregenz  [/2024/roe_2419]


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Rudolf Oeller:

"Theke, Antitheke, Syntheke"
(Thriller über eine tragikomische Stammtischrunde auf dem Weg in den Tod)
Verlag novum, Zürich. ISBN 978-3-99130-025-0

"Wir waren eine großartige Bande von Stammtischbrüdern an der deutsch-österreichischen Grenze, auch zwei Stammtischschwestern waren dabei. Wir pfiffen auf alle Corona-Bestimmungen und trafen uns an jedem Freitag – eine verschworene Truppe, fast schon ein Dream Team. Drink Team trifft es allerdings besser. Voll Hoffnung starteten wir ins Coronajahr 2020, am Ende wurde es eine teils fröhliche, teils depressive Reise in den kollektiven Tod."

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