Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

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DÄMONEN und RAUHNÄCHTE

Nicht nur die Saurier sind ausgestorben. Im Laufe der Jahrmillionen kamen und gingen Tier- und Pflanzenarten und hinterließen ihre Spuren in Form von Fossilien. Da man mit den merkwürdigen Fundstücken lange Zeit nichts anfangen konnte, fanden ihre Deutungen Eingang in die Welt der Sagen und Märchen. Ein Großteil der Fossilien wurde mangels natürlicher Interpretation mit Geistern und Dämonen in Verbindung gebracht.

In der Adventszeit ist oft von "Rauhnächten" die Rede. Mit rauh sind Begriffe wie haarig oder pelzig gemeint. Rauh ist auch eine alte Bezeichnung für Rauch. Die erste Deutung steht in Zusammenhang mit den dämonischen Gestalten, die der germanischen Sagenwelt nach in den Rauhnächten gesehen wurden. Die zweite Deutung entstammt dem uralten Brauch, diese Dämonen auszuräuchern.

Seit dem Mittelalter räuchert man mit geweihtem Rauch, vor allem in den weihnachtlichen Rauhnächten. In Österreich beginnen die Rauhnächte mit dem Thomastag (21. Dezember) und enden in der Silvesternacht.

In den Rauhnächten ist nach alter Sage die "Wilde Jagd" unterwegs, ihre Geister besitzen allerlei Tierfüße. Als angeblicher Beweis dient die sogenannte "Kuhtrittmuschel". Diese bis zu 20 Zentimeter große Muschel (wissenschaftlich: Megalodon) aus dem späten Erdaltertum, welche auf dem Dachstein-Plateau - und nicht nur dort - häufig gefunden wird, hat einen herzförmigen Querschnitt und erinnert an die Trittspuren von Rindern.

Als eine weitere Form des Fußabdruckes von Alben, Druden und anderen Geistern galt der fünfzackige Drudenfuß. Die fünfteilige Symmetrie des Drudenfußes enthält nichts Magisches sondern ist nur auf versteinerte Stachelhäuter (Seeigel, Seesterne usw.) zurückzuführen. Das Skelett dieser Tiere ist fünfstrahlig symmetrisch. Dies ist ungewöhnlich, daher hat man fossile Seeigel schon in der Bronzezeit als magische Grabbeigaben verwendet.

Eine seltene muschelähnliche Tiergruppe, die Brachiopoden, erinnern in ihrer Form an Vögel. Man nannte sie früher auch "Heilig-Geist-Steine". Die sogenannten Ammoniten waren mit den heutigen Tintenfischen verwandt. Sie trugen schneckenähnliche Schalen und sind vor knapp 70 Millionen Jahren gleichzeitig mit den Sauriern ausgestorben. Man hielt sie lange Zeit für versteinerte Schlangen. Da manche fossile Überreste ungewöhnlich groß waren, wucherten in der Folge allerlei Drachengeschichten. So wurden Ammoniten, versteinerte Korallen sowie Knochen des Höhlenbären mit Drachen in Verbindung gebracht. Fossile Haizähne galten als Drachenzähne oder Drachenzungen.

Sagenwelt, Wissenschaft und Aberglaube treffen sich so zur Weihnachtszeit. Auch dies trägt ein klein wenig zu ihrem Zauber bei.

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© 1996 Rudolf Öller, Bregenz

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