Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

Heute ist der 25. Juni 2018
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FEHLINFORMATIONEN

Fehlinformationen gibt es, seit es das Leben gibt. Treten bei der Weitergabe der Gene von einer Generation zur nächsten Fehler auf, so spricht man von "Mutationen" (lateinisch: Veränderungen). Auch die Sprache der Menschen bietet unzählige Möglichkeiten für fehlerhafte Weitergabe von Informationen. Wer jemals "Stille Post" gespielt hat, weiß, wie so etwas abläuft. Eine Nachricht wird heimlich von Mund zu Ohr weitergereicht, und schon nach wenigen Stationen ist die ursprüngliche Aussage kaum noch zu erkennen. Die Gerüchtebörse in einem Dorf kann durch Abwandlungen "vertraulicher" Nachrichten jede noch so tollkühne Phantasie übertreffen.

In der Wissenschaft läuft es manchmal nicht anders. Wer glaubt, ein wissenschaftlicher Aufsatz in einer Fachzeitschrift enthalte immer eindeutige Aussagen, der irrt. Naturwissenschaftliche Untersuchungen enthalten oft Statistiken, diese aber können nichts beweisen. Statistiken kann man bestenfalls interpretieren.

Ein berühmter Krebsspezialist schrieb in der bei Medizinern bekannten Fachzeitschrift "Cancer" 1992 über das Wachstum von Krebszellen: "Die vorliegenden Daten liefern keinen Hinweis auf beschleunigtes Wachstum, aber sie sind mit der Hypothese eines beschleunigten Wachstums vereinbar." Im Klartext heißt dies, dass die ermittelten Messwerte nichts beweisen. Im "Abstract" (die Zusammenfassung) der Arbeit heißt es dann: "Die vorliegenden Daten stützen die Hypothese eines möglicherweise beschleunigten Wachstums". Der Titel der Arbeit schließlich lautet "Neue Hinweise auf beschleunigtes Wachstum". In einer einzigen Arbeit wächst also ein Nicht-Wissen über ein Vielleicht-Wissen hinauf zu einer Erkenntnis. Es ist nicht bekannt, ob die Arbeit in der Presse mit dem Titel "Durchbruch in der Krebsforschung" vorgestellt wurde. Denkbar wäre es.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde "entdeckt", dass Spinat ungewöhnlich viel Eisen enthält. Eisen ist wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen, daher wurde Spinat für blutbildend gehalten. Dies haben Generationen von Kindern am Mittagstisch zu spüren bekommen. Manche nötigt man heute noch, diese breigewordene Fehlinformation zu schlucken, obwohl der hohe Eisengehalt bereits vor einem halben Jahrhundert als unhaltbar erkannt worden war. Spinat enthält zwar Eisen, aber nicht mehr als anderes Gemüse. Der Fehler war durch ein falsch gesetztes Komma entstanden und jahrzehntelang abgeschrieben worden.

Eugen Roth meinte einmal: "Die Wissenschaft, sie ist und bleibt, was einer ab vom andern schreibt". Nicht alles, was erforscht oder abgeschrieben wird, ist zwangsläufig falsch - aber auch nicht unbedingt richtig.

Blendwerk und Blamage
Der glückliche Sisyphos
Geschwätzigkeit
Betrug in der Wissenschaft
Der Todeshund
Kauderwelsch
Alles ist möglich
Gesponserte Falschmeldungen
Lügen mit Statistik
Geschönte Berichte
Bild der Wissenschaft

© 2001 Rudolf Öller, Bregenz

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