Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

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UNERBITTLICHES KLIMA (3)


Das Mittelalter brachte eine Klimaerwärmung. Die Gletscher schmolzen genauso schnell wie in der römischen Warmzeit, die Alpenpässe wurden wieder frei, und das kleine Land Tirol kam durch die eingenommenen Zollgebühren aus dem wachsenden Nord-Süd-Handel zu Wohlstand. Nachdem die Habsburger Tirol bekommen hatten, war deren politischer Aufstieg programmiert. Das Klima trug also wesentlich zur Entstehungsgeschichte des heutigen Europas bei.

Viele Völker profitierten damals von der Erwärmung. Die Wikinger begannen mit ihren Eroberungen und kamen um das Jahr 1.000 bis nach Neufundland. Im Osten ruderten sie die Flüsse hinauf und wurden von der ansässigen Bevölkerung "Russ" (Ruderer) genannt. Das größte Land der Erde verdankt somit seinen Namen den Wikingern. Wegen der steigenden Reisetätigkeit blühten Handel, Künste und Wissenschaften auf. Die ersten Universitäten auf europäischem Boden wurden gegründet. Das Klima wurde nicht nur warm, sondern auch stabil. Die ersten Bauernregeln entstanden. Da die Bauern mehr produzieren als sie selbst verbrauchen konnten, entstanden die ersten großen Städte.

Die Abkühlung während der Völkerwanderungszeit war nicht nur einem Vulkanausbruch, sondern auch wechselnden Sonnenaktivitäten geschuldet. Gegen Ende des Mittelalters kam es wiederum zu Vulkanausbrüchen, Europa begann einzufrieren. Damals gab es auch die größten Unwetterkatastrophen der Geschichte. Das "Magdalenenhochwasser" von 1342 war so gewaltig und großflächig, dass es zwei Generationen (!) dauerte, bis die Schäden beseitigt waren.

Die schlimmste Zwischeneiszeit des letzten Jahrtausends kam im 17. Jahrhundert wie ein göttliches Strafgericht. Die damit verbundene Hungersnot reduzierte die Bevölkerung mehr als der dreißigjährige Krieg, der halb Europa ins Unglück stürzte. Heute wissen wir, dass diese Eiszeit eine Folge der niedrigen Sonnenaktivität war.

Die britische Mathematikerin und Astronomin Valentina Zharkova entwickelte dazu eine neue Theorie, die am CERN in Genf experimentell überprüft und bestätigt wurde. Demnach bedeuten die zurzeit beobachteten schwindenden Sonnenflecken eine Abschwächung des solaren Teilchenwindes. Der dadurch bis zur Erde durchdringende starke kosmische Teilchenstrom, für dessen Entdeckung der österreichische Physiker Victor Hess 1936 den Nobelpreis bekommen hatte, bewirkt in der Stratosphäre Kondensationskerne und damit mehr Wolken. Der Sonnenwind schläft zurzeit tatsächlich ein. Klimaketzerin Zharkova sagt daher für die nächsten Jahrzehnte eine leichte Abkühlung voraus, was in der "science community" für Aufregung sorgte. Was tatsächlich kommen wird, weiß allerdings niemand.




Maunderminimum

© 2019 Rudolf Öller, Bregenz  [/2019/roe_1905]

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