Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Eine Sammlung von Essays für Selbstdenker und andere Minderheiten.


 Jahresübersicht 2019


20. Oktober 2019

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UNERBITTLICHES KLIMA (2)


Die Eiszeit ging zu Ende, es folgte zunächst eine feuchte, dann - nach dem vorübergehenden Abklingen des Golfstroms - eine trockene Warmzeit. Die Menschen siedelten sich in feuchten Gebieten oder in der Umgebung großer Flüsse an, wo Nahrung und Wasser ausreichend zur Verfügung standen. Es entstanden weltweit die ersten Hochkulturen am Nil (Ägypten), im fernen Osten (China), in Mittelamerika (Azteken) und in Südamerika (Mayas, später die Inkas).

Aufgrund der Auswertung von Stalaktiten europäischer Tropfsteinhöhlen wissen wir, dass es um 1.200 v.Chr. zu einer empfindlichen Abkühlung und einer Verschärfung der Trockenheit kam. Kälte und Dürre nennen die Meteorologen "the recipe of desaster", ein Begriff, der nicht übersetzt werden muss.

Rund um das Mittelmeer kam es zu Hungersnöten, und abermals setzten sich die Menschen in Bewegung und wanderten dorthin, wo es genug zu essen gab: Ägypten am Nil. In dieser Zeit entstand die biblische Erzählung von Josef, der durch seine Klugheit und Weitsicht in Ägypten Karriere machte. Der Migrationsdruck wurde in Ägypten schließlich so groß, dass das ehemals reiche Land kollabierte. Aus dieser Zeit stammen die Erzählungen über Moses und die Israeliten, die auswanderten, um im heutigen Israel eine neue Heimat zu finden.

Im vierten Jahrhundert v. Chr. änderte sich das Klima erneut. Es wurde wärmer und feuchter. Am Tiber entstand eine Stadt, die rasch zu einem lokalen Machtzentrum heranwuchs. Dreihundert Jahre später wurde daraus die erste Supermacht der Geschichte - Rom. Die römische Warmzeit machte die Alpenpässe frei, Roms Legionen konnten dadurch weit nach Westen und Norden vordringen. Reichtum weckt Begehrlichkeiten. Da wegen des günstigen Klimas auch Nordafrika aufblühte, entstand dort mit Karthago eine weitere Großmacht, was zwangsläufig zu einer Reihe von Kriegen führte.

Das römische Reich zerbrach, so wie das ägyptische, durch einen enormen Migrationsdruck, als Völker aus dem Norden eindrangen. Danach kam es in Europa zu einer Kältephase, die durch einen Vulkan noch verschärft wurde. Im sechsten Jahrhundert brach in El Salvador der Vulkan Ilopango aus. Seine Asche wurde weltweit, sogar im arktischen und antarktischen Eis, gefunden. Chinesische Chronisten notierten, dass die Sonne nur wenige Stunden am Tag zu sehen war und wie ein blasser Mond aussah. Erneut begannen Völker zu wandern, Europa stürzte in ein Hungerchaos. Es dauerte Jahrhunderte, bis sich das Klima wieder besserte. Im Mittelalter kam es dann zu einer Warmphase. Die Gletscher schmolzen noch intensiver als heute und die Alpenpässe wurden wieder frei. Es bildete sich allmählich das Europa, das wir heute kennen.




Heiße Luft

© 2019 Rudolf Öller, Bregenz  [/2019/roe_1904]

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