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Geschichte der Genetik: DNA


Eine Reise nach England sollte so geplant werden, dass der Besuch des alten Pubs "Eagle" in Cambridge möglich ist. Als das Cavendish Laboratorium, immerhin die größte Nobelpreisträgerschmiede der Welt, noch an seinem alten Standort in unmittelbarer Nähe lag, war diese Kneipe ein beliebter Treffpunkt für die Mitarbeiter. Zu Mittag kamen sie zum Lunch, und am Abend standen die Professoren, Dozenten und Studenten an der Bar herum und diskutierten mit einem Glas Bier in der Hand über ihre Projekte.

James Watson, damals ein amerikanischer Student am Cavendish-Labor, beschrieb in seinem Bestseller "Die Doppelhelix" einen denkwürdigen Augenblick am 28. Februar 1953: "Zur Essenszeit schwebte Francis in den Eagle und erzählte jedem in Hörweite, dass wir das Geheimnis des Lebens gefunden hätten." Watson und Crick hatten am selben Tag entdeckt, wie sich alle Bausteine der DNA richtig zusammenfügen.

Die DNA (englisch "DeoxyriboNucleic Acid") ist das Molekül des Lebens. In ihm sind bei allen Lebewesen die Erbanlagen (Gene) verschlüsselt enthalten. Die DNA des Menschen ist über einen Meter lang. Nicht insgesamt, sondern in jeder der Zigbillionen Zellen liegt solch ein Faden.

Die Geschichte der Analyse dieses einzigartigen Moleküls ist lang. Die DNA wurde erstmals 1871 vom Basler Arzt Friedrich Miescher am physiologisch-chemischen Institut der Universität Tübingen isoliert. Miescher wusste nicht, was er da entdeckt hatte, aber er ahnte, dass die weißen schleimigen Flocken in seiner Lösung etwas Entscheidendes sein mussten. Im Laufe der Zeit wurde die DNA immer wieder untersucht. Allmählich zeigte sich, dass es sich um ein kettenförmiges Molekül mit leichten Säureeigenschaften handelt, das aus hintereinander angeordneten Bausteinen, den so genannten "Nukleotiden" besteht. Den Biochemikern gab die Tatsache zu denken, dass die DNA im Zellkern liegt, genau dort, wo auch die Chromosomen und die Gene liegen.

Der erste entscheidende Durchbruch gelang dem österreichischen Biochemiker und Schriftsteller Erwin Chargaff (1905 – 2002). Er stellte die nach ihm benannten Chargaff'schen Regeln auf. Nachdem er festgestellt hatte, dass in allen DNA-Molekülen die vom deutschen Mediziner und Chemiker Albrecht Kossel (1853 – 1927) entdeckten Basen Adenin und Thymin sowie Cytosin und Guanin jeweils immer im gleichen Verhältnis vorkommen, formulierte er die Regel, dass diese Basen immer paarweise auftreten. Chargaff erbrachte damit einen der wichtigsten Beiträge zur Lösung der DNA-Struktur.

James Watson und Francis Crick, zwei gleichermaßen genialen wie schlitzohrigen Forschern, gelang 1953 die Entschlüsselung der DNA. Der Nobelpreis folgte 1962.



© 2017 Rudolf Öller, Bregenz


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