Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

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"NUR" EINE THEORIE

Unliebsame wissenschaftliche Theorien werden von Kritikern gerne mit „ist ja nur eine Theorie“ beiseite gewischt. Altkluge Zeitgenossen fügen noch das Attribut „unbewiesen“ an. Im Internet und am Büchermarkt für Obskures wimmelt es geradezu von selbsternannten Wissenschaftlern, die zu wissen glauben, dass die Quantenphysik, die Relativitätstheorie und andere Theorien „nur“ und vor allem „unbewiesene“ Gedankengebäude sind.

Der entscheidende Irrtum liegt im falschen Verständnis des Theoriebegriffs. Theorien sind ein System von Aussagen, die durch experimentelle Überprüfungen so weit erhärtet wurden, dass es keinen Sinn mehr hat, an den Grundaussagen zu zweifeln. Der dänische Nobelpreisträger Niels Bohr hat das auf den Punkt gebracht als er meinte, Theorien müsse man an ihrer Leistungsfähigkeit messen.

Beispiele gibt es viele. Die Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung bildeten die Grundlage für das Gravitationsgesetz, und dieses wiederum ist die mathematische Basis der gesamten Raumfahrt. Zweifellos also ein leistungsfähiges Theoriengebäude. Die Gesetze von Joule-Thomson, Boyle-Mariott und Gay-Lussac bilden unter anderen die Grundlagen der Wärmelehre und damit aller Erfindungen von der Dampfmaschine bis zum Kühlschrank. Auch diese Theorien haben sich als wirksam erwiesen.

Die von Planck, Einstein, Bohr und anderen Physikern begründete Quantenphysik ist auch „nur“ eine Sammlung von Theorien, doch unser Leben wurde dadurch stärker verändert als durch viele andere Errungenschaften der Wissenschaft. Sogar die Relativitätstheorie steckt in vielen Dingen des Alltags wie beispielsweise im Satellitennavigationssystem „GPS“, ohne dem heute kein Pilot mehr fliegt, und das längst im Straßenverkehr verwendet wird.

Eine Theorie scheint hinsichtlich der Leistungsfähigkeit in der Luft zu hängen. Es handelt sich um die moderne Evolutionstheorie, die sich mit der Veränderung der Arten beschäftigt. Diese Wissenschaft hat sich in den letzten drei Jahrzehnten mit Hilfe der Geologie und Genetik dynamisch entwickelt und sogar Beiträge zur Medizin geleistet. So können Resistenzbildungen von Bakterien und Virenstämmen gegen Medikamente deshalb verstanden werden, weil Evolutionsbiologen im Rahmen der Erforschung der Artenbildung auch die Immunisierungen von Insekten gegen Pestizide untersucht und aufschlussreiche theoretische Modelle dazu entwickelt haben.

Wer gelegentlich anmerkt, dass längst erprobte Theorien "nur" oder gar "unbewiesene" Theorien seien, der verkündet damit unfreiwillig, dass er vom Wesen der Wissenschaft wenig Ahnung hat.

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© 2004 Rudolf Öller, Bregenz

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