Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

23. April 2018

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SKEPTIKER

Die weite Welt der Erfinder und geistigen Giganten beherbergt sowohl tüchtige als auch kauzige Leute. Sie alle haben Großes geleistet, viele haben jedoch hinsichtlich Weitblick ordentlich danebengegriffen. Beispiele gibt es ohne Zahl.

Um die Jahrhundertwende blieb in der Forschung kein Stein auf dem anderen, die Röntgenstrahlen, die Radioaktivität, das Elektron, das Lichtquant und einige andere umwälzende Entdeckungen waren gemacht worden. Dies hinderte US-Senator Simon Cameron nicht an folgender Aussage: "Ich bin der ganzen Sache, die hier Wissenschaft genannt wird, müde. ... Wir haben bereits Millionen Dollar in den letzten Jahren dafür aufgewendet, und es wird Zeit, daß dies ein Ende nimmt."

Im Dezember 1903 schimpfte die New York Times in einem Leitartikel über neue Ideen zur Fliegerei: "Das Leben ist viel zu kurz und Professor Langley hätte die Gabe, der Menschheit unvergleichlich größere Dienste zu erweisen, als man sich vom Fliegen jemals erhoffen kann."

Als die Fliegerei längst etabliert war, irrte sich der berühmte Atlantikflieger Charles Lindbergh, als er den Raketenpionier Robert Goddard kritisierte: "Ich würde es lieber sehen, wenn sich Goddard mit echter wissenschaftlicher Entwicklung beschäftigte, als daß er sein Hauptinteresse auf Fortschritte richtet, die zwar einiges Aufsehen erregen, die jedoch von geringem reellen Wert sind." Dies war 1936. Lindbergh hatte nicht im Traum daran gedacht, daß bereits 21 Jahre später der erste künstliche Satellit mit Hilfe einer Rakete ins All starten sollte.

Zwischen 1942 und 1945 arbeiteten Wissenschaftler in Los Alamos an der Atombombe. Admiral William Leahy war von der explosiven Sache alles andere als überzeugt. 1945 sagte er zu US-Präsident Truman: "Das ist der größte Unsinn, den wir jemals unternommen haben. Die Atombombe wird niemals explodieren. Das sage ich als Sprengstoffexperte."

Im Jahre 1913 wurde der Funktechniker Lee de Forest, einer der großen Wegbereiter der Rundfunk- und Fernsehtechnik, mit folgender Beschuldigung vor Gericht gezerrt: "De Forest hat in Zeitungen Artikel unter seinem Namen drucken lassen, daß es innerhalb weniger Jahre möglich sein werde, die menschliche Stimme über den Atlantik zu übertragen." De Forrest wurde beschuldigt, mit dieser "absichtlich irreführenden" Behauptung, angeblich lausige Aktien seiner Gesellschaft verkauft zu haben.

Nicht nur Skeptiker der Wissenschaft und Technik haben sich im Rückblick auf beinahe entzückende Weise geirrt. Fortschrittseuphoriker haben sich öfter verrechnet, aber dies ist eine andere Geschichte.

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