Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

 Jahresübersicht 2020


23. November 2020

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VIRENSEKTEN


„Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern … und zwar heute.“ Die Spielregeln müssen also geändert werden, aber welche? Die Gesetze? Alle oder bestimmte? Befragt man zehn Anhänger von Greta Thunberg, von der obiger Satz stammt, bekommt man zwanzig verschiedene Antworten. Die Welt ist eben kompliziert.

Von allen Naturwissenschaften wurde die Physik bisher am wenigsten bedrängt, denn die Maxwellschen Gleichungen oder die Atomradien eignen sich nicht als Spielwiesen für Freizeitwissenschaftler. Die Chemie gibt schon mehr her, denn mit Hilfe dieser Wissenschaft werden immerhin auch Umweltgifte produziert.

Am schlimmsten hat es die Biologie samt Genetik und Ökologie erwischt. Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Wissen in der Biologie stetig angewachsen war und Sigmund Freud seine Thesen über die menschliche Psyche veröffentlicht hatte, stürzten sich allerlei Welterklärer mit Begeisterung auf die Biologie. Es galt eine ursprünglich ideologiefreie Wissenschaft zu kapern.

Hobbygärtner Stalin

Es ist wenig bekannt, dass der Diktator und Massenmörder Iosseb Dschughaschwili, genannt Josef Stalin, ein Hobbygärtner war. Auf seiner Datscha bei Moskau ließ er Gewächshäuser errichten. Das Züchten von Pflanzen und das Beschneiden von Bäumen und Büschen war die einzige körperliche Arbeit, der Stalin nachging. Im Laufe der Jahre entwickelte er eine Begeisterung für den „Lamarckismus“, eine These zur Evolution des Lebens, von der wir heute wissen, dass sie falsch ist. Stalins Voreingenommenheit war so eisern, dass er Wissenschaftler umbringen ließ, die anderer Meinung waren, wie etwa den brillanten Botaniker Nikolai Wawilow.

Dogmatisch ging es auch bei den Nationalsozialisten zu. Der Biologe Ernst Lehmann, der den Nationalsozialismus als „politisch angewandte Biologie“ auffasste, schrieb einmal „Dieses Streben nach Verbundenheit mit dem Gesamtleben, ja mit der Natur überhaupt, in die wir hineingeboren sind, das ist … der tiefste Sinn und das eigentliche Wesen nationalsozialistischen Denkens.“

Der Missbrauch der Biologie durch Ideologen aller Lager ist auch in der Corona-Pandemie zu sehen. Da wimmelt es nur so von rechten Verschwörologen, antikapitalistischen Neomarxisten, Esoterikern, Impfskeptikern, „QAnon“-Sektierern, ja sogar Antisemiten, die dem „Weltjudentum“ eine vermeintliche Biowaffe unterstellen wollen. Viren sind unberechenbare Objekte, und die Wissenschaft weiß noch lange nicht alles über CoV-2. Wissenserwerb ist immer eine langfristige Sache. Die Weltverschwörungsideologen sind aber die letzten, die bei der Bewältigung der aktuellen Krise hilfreich sind.



© 2020 Rudolf Öller, Bregenz  [/2020/roe_2041]

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Helden der Wissenschaft:
Richard Lewontin
(*1929)
führte mathematische Methoden in die Genetik ein, entdeckte, dass die genetische Vielfalt in der Natur größer als vermutet ist und gab der Evolutionsbiologie einen wichtigen Anstoß.

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