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NEONIKOTINOIDE


Nikotin ist ein Suchtgift, aber es ist auch ein Bestandteil aller lebenden Zellen. Nicotinsäureamid-Adenin-Dinukleotid-Phosphat, abgekürzt NADP, ist ein so genanntes Co-Enzym und (als Ionenüberträger) ein unverzichtbares Werkzeug in der Biochemie.

Anfang der 1970er Jahre wurde in der Shell Development Company eine neue Klasse von Stoffen erzeugt, die Insekten schädigt. Die Weiterentwicklung der wirksamsten Chemikalie der neuen Stoffklasse namens "Nithiazin" führte schließlich zur Synthese der "Neonikotinoide", die heute von Chemiekonzernen wie Bayer, Nippon Soda, Mitsui Chemicals und anderen produziert werden.

Neonikotinoide, von denen in letzter Zeit regelmäßig zu hören und zu lesen war, sind synthetische Gifte, die Nervenrezeptoren der Insekten stärker blockieren als die der Wirbeltiere. In ihrer Wirkung sind die Neonicotinoide militärischen Kampfstoffen ähnlich aber viel schwächer. Neonikotinoide können als Kontakt- oder Fraßgift wirken. Sie werden über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen und in die Blätter transportiert. Die so behandelten Pflanzen schädigen sowohl beißende (Käfer) als auch saugende Insekten (Bienen, Läuse). Da die Neonikotinoide nur langsam abgebaut werden, hält ihre Wirkung lange an. Die Neonikotinoide sind erst seit einer Generation in Verwendung, daher kann über ihre Langzeitwirkung auf Menschen heute noch nichts gesagt werden. Wir wissen nur eines: Es ist ein Massengift gegen Insekten und damit gegen ihre Fraßfeinde, die Singvögel.

Es war von Anfang an klar, dass die Sache zu Konflikten zwischen Chemiefirmen und Umweltschützern führen musste. Leider geht es auch um viel Geld. Neonicotinoide, die in weit über 100 Ländern zugelassen sind, erzielen einen Jahresumsatz, der in die Milliarden geht.

Es ist absurd. Kaum ein Tier ist für uns Menschen so überaus nützlich, ja geradezu notwendig, wie die Biene. Trotzdem scheinen wir alles zu tun, um diese fleißigen Insekten auszurotten. Die überdüngten Monokulturen mit den gelben Hahnenfußpflanzen auf den Talböden, die oft viel zu früh gemähten Wiesen, die Varroamilbe und jetzt die Neonikotinoide. Fast könnte man meinen, alles habe sich gegen die armen Bienen verschworen.

Den volkswirtschaftlichen Nutzen der Bienen allein in der Landwirtschaft können wir nur näherungsweise schätzen. Er liegt auf jeden Fall in der Größenordnung von mehreren hundert Milliarden Euro jährlich weltweit. Der ökologische Nutzen der Bienen ist nicht zu beziffern.

Das christliche Pfingstereignis fand nach Apostelgeschichte 2,1 am jüdischen Fest Schawuot statt. Der Heilige Geist kam damals in "Feuerzungen" über die Apostel. In der Umweltpolitik scheint er noch nicht zu wirken.




© 2018 Rudolf Öller, Bregenz


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