Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

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MARX UND DARWIN


Es gibt nur wenige Männer der Geschichte, über die so viel geschrieben wurde wie über Karl Marx. Ob heiß verehrt oder abgrundtief verachtet – Marx lässt niemanden kalt.

Marx war dritten Grades mit dem Schriftsteller und Spötter Heinrich Heine verwandt, der wie Marx aus einer jüdischen Familie stammte. Sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits gab es Rabbiner in der Familie, das Intellektuelle war Marx daher in die Wiege gelegt. Einer seiner Lehrer auf dem Gymnasium war Anhänger des Naturforschers Alexander von Humboldt. Dadurch erklärt sich das naturwissenschaftliche Interesse von Marx, der sich nicht nur mit Geschichte und Politik beschäftigte. 1841 wurde Marx mit seiner Arbeit über demokritische und epikureische Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promoviert. Eine Professorenstelle wurde ihm verwehrt, weil ihn die preußische Regierung als einen der führenden Köpfe der "Linkshegelianer" ablehnte.

Marx war begeistertes Mitglied der "Landsmannschaft der Trierer zu Bonn", einer schlagenden Verbindung, aus der später die heute noch existierende "Corps Palatia Bonn" (Farben violett-weiß-rot) hervorging. Noch in seinem Londoner Exil hingen Mütze und Schläger (die traditionelle studentische Waffe) der Trierer über Marx' Schreibtisch. Diese Tatsache irritiert nur diejenigen, die nicht wissen, dass Studentenverbindungen seit über 200 Jahren sowohl eine konservativ-traditionelle als auch eine avantgardistische Schlagseite haben.

Karl Marx in London und Charles Darwin in der Grafschaft Kent lebten zeitgleich nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Getroffen haben sie sich nie. Beide waren herausragende Analytiker, der eine als Gesellschaftskritiker, der andere als Biologe. Während Darwin das Denken in den Wissenschaften radikal veränderte, prägte Marx das Denken einiger Politiker und das mit dramatischen Folgen. Der polnische Philosoph und Autor Stanislaw Lem meinte einmal "Es ist eine Tragik …, dass Karl Marx seine Ideen nicht zuerst an Mäusen ausprobiert hat."

All die großen Naturwissenschaftler, die unser Denken beinflussten, haben - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - nie den Fehler begangen, die Zukunft vorauszusagen oder gar vorzuschreiben, wie eine Gesellschaft strukturiert sein müsse. Wir wissen heute, dass alle Versuche, Marx' Ideen politisch umzusetzen, insgesamt über 100 Millionen Menschen gewaltsam zu Tode brachten.

Karl Marx wurde heute vor 200 Jahren am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Die Theorien aller Naturwissenschaftler wurden inzwischen weiterentwickelt. Die Utopien von Marx hingegen mögen im Grab der Geschichte für immer ruhen. Sie sind keinen weiteren Versuch einer Umsetzung wert.




© 2018 Rudolf Öller, Bregenz


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