Welt der Naturwissenschaften (Scientific Medley)

Ein Blog für Selbstdenker und Ideologiemeider.

 Jahresübersicht 2021


1. August 2021

Übersicht

MÄNNER UND FRAUEN


Der Konstruktivismus ist eine Ideologie, die viele Väter hat. Einer der prominentesten war der amerikanische Psychologe Burrhus Skinner (1904-1990). Nach Tierversuchen und theoretischen Überlegungen kam er zum Schluss, dass alle Menschen von Geburt an biologisch gleich seien, und dass alle Inhalte unserer Gehirne durch Erziehung und gesellschaftliche Umstände entstehen. Dieser veralteten Ideologie folgten auch die Protagonisten der so genannten 68er-Bewegung rund um Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit. Jegliche Ungleichheit ist demnach von herrschenden Klassen künstlich erzeugt und muss  "dekonstruiert" werden. Erstaunlicherweise hat diese krude Gedankenwelt der biologischen Gleichheit bis heute überlebt. Schlimmer: Wer dieses Dogma anzweifelt, bekommt den Vorwurf einer "biologistisch-rassistisch-sexistischen Verirrung" oder Schlimmeres zu hören. "Faschismus" liegt in allen linken Wortbaukästen an oberster Stelle.

Die französische Soziologin Evelyne Sullerot hat lange für die Frauenbewegung gearbeitet. Wegen ihrer Bekanntschaft zum Nobelpreisträger Jacques Monod hat sie den Kontakt zu den Naturwissenschaften nie verloren und ist daher auch nie in ideologische Kellergewölbe hinabgestiegen. Bei ihren soziologischen Studien war Sullerot auf einen merkwürdigen Umstand gestoßen. In den Uhrenfabriken der Welt arbeiten Frauen fast ausschließlich in der Fertigung, Männer fast ausschließlich in der Reparatur und in der Entwurfsabteilung, obwohl Frauen und Männer die gleichen Uhrmacherschulen besucht hatten. Als man in der Sowjetunion dies für eine Diskriminierung der Frauen hielt und die Geschlechter durchmischte, kam Sand ins Getriebe. Die Montage lief mit den Männern und die Reparaturabteilungen mit den Frauen auffallend langsamer und schlechter. Heute wissen wir, warum das so ist. In der Montage arbeiten die Frauen schneller, weil es hier in erster Linie auf Feinmotorik ankommt. Diese findet man unter Frauen häufiger als bei Männern. Das Argument, dass es auch feinmotorisch begabte Männer gibt, übersieht die Häufigkeitsverteilung. Natürlich gibt es diese Männer, aber eben um Größenordnungen seltener. Es gibt keine Parität der Geschlechter. In der Reparatur und beim Entwurf in den Uhrenmanufakturen kommt es nicht auf Schnelligkeit an, sondern auf Raumvorstellung. Hier sind die Männer den Frauen haushoch überlegen.

Die unterschiedlichen Fähigkeiten kommen halt von der Erziehung, sagen die GenderInnen. Irrtum! Wir wissen längst, dass Sexualhormone als Neurotransmitter (Nervenbotenstoffe) funktionieren. Bis zum 10. Lebensjahr ist das räumliche Vorstellungsvermögen bei Buben und Mädchen annähernd gleich. Dann beginnt die Testosteronproduktion, und ab hier ziehen die Burschen den Mädchen davon. Vergleicht man mathematische Fähigkeiten, so gibt es zwischen Buben und Mädchen kaum messbare Unterschiede der Normalverteilungen. Bezieht man bei Tests die räumliche Geometrie mit ein, sind die Buben wesentlich besser. Es besteht der begründete Verdacht, dass das räumliche Vorstellungsvermögen auch andere Fähigkeiten beeinflusst, wie beispielsweise das Komponieren. Alle bedeutenden Komponisten der Geschichte waren bzw. sind Männer.

Selbstverständlich gibt es auch Komponistinnen. Das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern ist jedoch enorm. Es gibt keine genaueren Untersuchungen. Man schätzt, dass es sich um mehrere Größenordnungen handelt. Der Grund liegt höchstwahrscheinlich darin, dass das Komponieren für mehrere Stimmen und Instrumente nicht nur Musikalität erfordert, die auch bei Frauen in hohem Maß vorhanden ist, sondern auch (männliches) räumliches Denken.

Es geht im Grunde nicht darum, ob "Frauen das auch können" oder ob "Männer das auch können". Es geht um Paritäten, die heute politisch erzwungen werden sollen. Es wird in vielen Berufen niemals zu Gleichheiten kommen, besonders dort, wo es um weibliche Feinmotorik und männliches räumliches Denken geht.

Es gibt Fälle, wo Männer in klassische Frauenberufe vorstoßen. Der Beruf des Cutters (Filmschnitt) war bis vor einer Generation fest in Frauenhand, denn man brauchte zwei Fähigkeiten. Zunächst eine künstlerische, die bei Frauen und Männern gleich ausgeprägt ist. Um einen Zelluloidfilm zu schneiden, brauchte man aber auch Fingerspitzengefühl, um an der richtigen Stelle zu schneiden und sich in den vielen Filmschnipseln zurechtzufinden. Hier sind die meisten Frauen besser und schneller als die Männer. Inzwischen erfolgt der Filmschnitt auf Computern, was dazu geführt hat, dass Männer auffallend schnell in diesen Beruf vorgestoßen sind. Wer je ein Cutterprogramm auf dem Bildschirm gesehen hat, weiß, warum das so ist. Bild- und Tonspuren liegen in mehreren Ebenen übereinander, was eine räumliche Wahrnehmung erfordert. Seither beschweren sich die Frauen, dass sie allmählich von den Männern verdrängt werden. Frauen können am PC genauso gut schneiden wie die Männer, aber die Männer sind bei den vielschichtigen elektronischen Schnittprogrammen schneller als Frauen, was bei aktuellen TV-Sendungen ein Qualitätskriterium ist.

Der Vorwurf, Männer würden Frauen aus IT-Berufen fernhalten, ist falsch. Erstens gibt es den Beruf des Programmierers erst seit wenigen Jahrzehnten (was soll in der kurzen Zeit konstruiert worden sein?), zweitens erweisen sich Frauen bei Anwenderprogrammen (Word, Excel, Datenbanken usw.) als sehr begabt. Beim Programmieren sieht das aber ganz anders aus. Wer jemals programmiert hat, weiß, dass man hier in mehreren Ebenen abstrakt-räumlich denken muss. Das ist die Domäne der Männer, daher kommt wahrscheinlich auf 100 programmierende Männer eine Frau.

In reichen Ländern können Frauen und Männer ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe leichter verwirklichen als in Diktaturen, denn Scheingleichheit durch Zwangsquoten kann nur mit Druckmitteln erreicht werden. Kranführerinnen, Baggerfahrerinnen und Bauarbeiterinnen waren nie ein Symbol für Gleichberechtigung. Es gab sie nur in kommunistischen Staaten.

Das Problem bei den Gesellschaftsveränderern ist das mangelnde statistische Wissen, die Blindheit gegenüber den natürlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen, die ideologische Überhöhung der "Gesellschaft" und der kindliche Glaube an die vermeintliche Macht der "Konstruktion". Die Gesellschaft lässt sich nicht so ohne weiteres verändern, wie Sozialklempner glauben und fordern. Dat legem natura tibi, non accepit ipsa (die Natur gibt dir ein Gesetz, sie selbst nimmt keines von dir an). Das wussten schon die alten Römer. Unsere Sozialbastler glauben, dass alle Eigenschaften, also auch das Geschlecht mit allem Drum und Dran, frei wählbar und machbar seien. Da nur wenige Sozialutopien umsetzbar sind, werden die Forderungen der Sozialbastler immer lauter und schriller.



© 2021 Rudolf Öller, Bregenz  [/2021/roe_2127]

Frontpage Übersicht Sitemap Joker Kontakt und Videos
1996 1997 1998 1999 2000
2001 2002 2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009 2010
2011 2012 2013 2014 2015
2016 2017 2018 2019 2020
2021

Helden der Wissenschaft:
Alexander Graham Bell
(1847-1922)
erfand das Telefon und machte damit alle Plaudertaschen der Welt glücklich.

Silvia liest

Dieses Essay ist auch in den Vorarlberger Nachrichten erschienen.