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MATTHÄUS 2,9


Im Neuen Testament heißt es bei Matthäus 2,9: "Der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis zu dem Ort, wo das Kind war."

Der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) beobachtete regelmäßig den Sternenhimmel, dabei fiel ihm ein Zusammentreffen von Jupiter und Saturn auf. Das Phänomen ließ ihm keine Ruhe, also begann er zurückzurechnen und stellte fest, dass Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus dreimal so nahe beisammen standen, sodass sie dem bloßen Auge wie ein einziger heller Stern erscheinen mussten. Es sah aus, als ob zwei Himmelsgötter monatelang ein Gespräch führten. Keplers Berechnungen wurden zu seiner Zeit nicht ernst genommen und gerieten in Vergessenheit.

Im 20. Jahrhundert gelang es Archäologen, die Keilschrift spätbabylonischer Texte zu entziffern. Es fielen dabei drei in Berlin lagernde Tafeln auf. Darauf gibt es Hinweise für eine dreifache Begegnung (Konjunktion) von Jupiter und Saturn. Babylon war ein mächtiges Reich östlich von Judäa, ein Teil des heutigen Israel. Das dreifache Aufeinandertreffen der zwei größten Planeten im Sonnensystem fand im Sternbild der Fische jeweils am 15. März, am 20. Juli und am 12. November im Jahr 7 vor Christus statt. Die Fische waren für die Babylonier das Symbol für Israel.

Babylonische Priester waren angesehene Gelehrte mit astronomischen Kenntnissen. In der Bibel ist von "Weisen" die Rede. Von den legendären "drei Königen" ist nirgendwo ein Wort zu finden. Als sie die Konjunktion im Frühjahr und Sommer beobachteten, könnten die "Weisen" eine diplomatische Reise geplant und im Spätsommer aufgebrochen sein. Im Spätherbst hätten sie dann Jerusalem erreicht. Am Abend nach Einbruch der Dunkelheit waren Jupiter und Saturn von Jerusalem aus in Richtung Süden zu sehen, wo Bethlehem liegt, das mit Kamelen oder Pferden in wenigen Stunden zu erreichen war.

Die Begegnung von Jupiter und Saturn passt eindrucksvoll zur Weihnachtsgeschichte. Die meisten Astronomen sind der Meinung, dass das der Stern von Bethlehem war, denn Kometen und explodierende Sterne ("Supernovae") waren damals nicht zu sehen, wie wir heute verlässlich wissen.

Es bleibt die Frage, wie das Jahr 7 vor Christus mit unserer Zeitrechnung in Einklang zu bringen ist. Das in Wahrheit unbekannte Geburtsdatum von Jesus wurde im 6. Jahrhundert von einem Mönch namens Dionysius Exiguus ("der Kleine") berechnet. Dabei hat er Fehler gemacht. Erstens fehlt in seiner Rechnung das Jahr Null, und zweitens hat sich der Mönch offenkundig um Jahre geirrt, denn auch die in der Bibel erwähnte Volkszählung von Kaiser Augustus fand Jahre vor der Zeitenwende statt. Der 25. Dezember wurde erst 813 auf einer Synode zum Weihnachtstag erklärt.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz