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KIMS BOMBE


Atome verhalten sich völlig anders als die Dinge unserer gewohnten Umwelt. Aus diesem Grunde mussten die Physiker neue Wissenschaften entwickeln wie etwa die Quantenphysik. Wiegt man ein schweres Wasserstoffatom (²H) ab, so erhält man einen bestimmten Messwert. Das genau doppelt so große Heliumatom (4He) müsste, unserem Hausverstand zufolge, genau doppelt so schwer sein, doch das Heliumatom ist leichter als erwartet. Fügt man zwei kleine Atome zusammen, dann geht Masse nicht verloren, sondern wird in Energie umgewandelt. Zerlegt man schwere Atome, wie Uran oder Plutonium in kleinere Teilchen, wird ebenfalls Materie nach der Formel E = mc² in Energie umgewandelt. Der Unterschied zwischen einer Kernspaltungs- und einer Kernfusionsbombe liegt in der Größenordnung ihrer Wirkung. Hätte die Spaltungsbombe, wie sie über Hiroshima und Nagasaki explodierte, die Größe einer Handgranate, dann entspräche in diesem Vergleich der Wasserstoffsprengsatz einer 1 Tonnen-Fliegerbombe.

Nordkoreas verhaltensauffälliger Diktator Kim Jong-un behauptete, er sei im Besitz einer thermonuklearen (Wasserstoff-)Bombe, was höchstwahrscheinlich nicht stimmt, denn die Detonation wäre wesentlich stärker gewesen als diejenige vom 3. September. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ließ das nordkoreanische Regime eine Bombe mit "Boosting"-Technik ("Fusion-boosted fission weapon") hochgehen. Dabei wird eine kleine Menge an Fusionsbrennstoff verwendet, um die Wirkung einer Spaltungsbombe zu erhöhen. Sowohl die USA als auch die Sowjetunion verwendeten diese Boosting-Technik, um Erfahrungen für den Bau einer echten Wasserstoffbombe zu sammeln. Damit ist klar, dass Nordkorea noch keine Wasserstoffbombe besitzt, aber irgendwann haben könnte.

Die ganze Region sitzt auf einem Pulverfass, und das ist nicht nur militärisch gemeint. Chinesische Wissenschaftler sind sich einig, dass das Versuchsgelände der nordkoreanischen Atombombentests bald implodieren könnte. Das wäre für die gesamte Region eine tödliche Gefahr. Eine einzige weitere Zündung könnte bereits ausreichen, um eine nukleare Katastrophe herbeizuführen. Das Testgelände Punggye-ri ist ein Berg im Osten des Landes. Er wurde durch mehrere Explosionen so stark beansprucht, dass Hohlräume im Inneren zusammenstürzen und Radioaktivität freisetzen könnten.

Neben all diesen Problemen steht eine große Frage im Raum: Wer hat Nordkorea trotz der verhängten Sanktionen mit der benötigten Technik versorgt? Dass die rückständigen Nordkoreaner ihre Nuklearindustrie samt Elektronik, Messtechnik, Metallurgie und Isotopentrennung im Alleingang entwickelt haben, gilt als unmöglich.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz