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Geschichte der Genetik: ETHIK


Die Ethik ist der Bereich der Philosophie, der sich mit der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Im Zentrum der Ethik steht die Moral. Ethik war und ist relativ, auch wenn diese Ansicht Widerspruch hervorruft.

Es war vor Jahrhunderten streng verpönt, den menschlichen Körper nach dessen Tod zu Forschungszwecken zu öffnen. Einige Freigeister hielten sich nicht an diese ethische Vorgabe. So entstand die Chirurgie. Für Zeugen Jehovas ist es aufgrund einer Bibelstelle unethisch, menschliches Blut zu übertragen. Für die meisten Menschen ist das aber sehr wohl gerechtfertigt. Nachdem Dr. Christiaan Barnard im Dezember 1967 in Kapstadt das erste menschliche Herz transplantiert hatte, kam es zu heftigen öffentlichen Debatten, ob Organtransplantationen ethisch zu verantworten seien. Heute ist das kein Thema mehr. Organverpflanzungen sind zur Routine geworden.

Die Gentechnik wurde ebenfalls öffentlich erörtert. 1975 kam es im kalifornischen Küstenort Asilomar zu einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde von Biologen, Journalisten und Politikern. Es ging um die Frage, ob die Gentechnik eine zweite Büchse der Pandora öffnet. Die erste Büchse enthält bekanntlich die Atomenergie. Heute sind alle Diskussionen Geschichte, vor allem auch deshalb, weil Fragen der Ethik von Europäern, Amerikanern, Juden und Asiaten jeweils anders beantwortet werden. (In den islamischen Ländern gibt es keine nennenswerte naturwissenschaftliche Forschung, aber das ist eine andere Geschichte.) Die unterschiedlichen Sichtweisen sind der Grund, warum Amerikaner, Israelis und Chinesen im Bereich der Gentechnik die Nase vorne haben, obwohl die biochemischen Instrumente der Gentechnik in Europa entdeckt wurden.

Es ist noch nicht lange her, dass der gentechnische Eingriff in die menschliche Keimbahn als "redline" definiert wurde. Inzwischen gilt auch das nicht mehr, denn nun kommt ein neues und mächtiges Instrument zum Einsatz. Es nennt sich "CRISPR/Cas9" und weckt unter Genetikern und Biochemikern weltweit große Begeisterung aber auch Bedenken, weil noch nicht abgeschätzt werden kann, wie weit die Möglichkeiten des neuartigen Genskalpells tatsächlich reichen. Die CRISPR-Technik ist revolutionär und basiert auf biochemischen bakteriellen Eigenschaften. CRISPR ist exakter, leichter und sogar billiger anwendbar als alle bisherigen Methoden.

2015 haben chinesische Genetiker mit CRISPR erstmals das Erbgut eines menschlichen Embryos verändert. Nun berichtet das Magazin "nature", dass an der Oregon Health & Science University bei Embryonen eine schädliche Mutation korrigiert und aus der Keimbahn entfernt wurde.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz