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Geschichte der Genetik: VERBRECHER


Kriminalfilme kann man in zeitliche Gruppen teilen. Es gibt die Filme vor der Ära der Mobiltelefone. Inspektor Columbo musste noch Telefonzellen aufsuchen. Es gibt die Filme vor der DNA-Ära, die spielten in den Achtzigerjahren. Die Kommissare hatten teilweise schon ein Handy, aber die DNA-Analyse kannten nur Biochemiker. Schließlich gibt es die modernen Filme nach der Einführung der DNA-Analyse in der Kriminalistik. Diese wissenschaftlich entwickelte Methode hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Die DNA-Analyse (auch: "genetischer Fingerabdruck") als Teilanalyse des Erbguts eines Menschen ist nichts anderes als angewandte Gentechnik, deren Methoden und Produkte inzwischen in alle Lebensbereiche vorgedrungen sind.

1985 beschäftigte sich der britische Molekularbiologe Sir Eric Jeffreys mit der Erforschung einer Erbkrankheit. Dabei entdeckte er, dass sich zwischen den eigentlichen Genen auf der DNA weitere scheinbar inhaltslose Abschnitte befinden. Diese zwischen den Genen liegenden Informationen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Jeffreys erkannte, dass seine Entdeckung zu Identifizierungszwecken dienen könnte und publizierte sie. Die DNA-Analyse wurde zuerst von der britischen Einwanderungsbehörde verwendet. Immigranten müssen nachweisen, dass sie bereits Verwandte im Lande haben.

1986 ereignete sich in einer englischen Kleinstadt eine Serie von Mädchenmorden. Da kaum Spurenmaterial gesichert werden konnte, entschloss sich Scottland Yard, das damals noch neue DNA-Verfahren anzuwenden. In einer Rasterfahndung wurden alle männlichen Einwohner in und außerhalb der Kleinstadt durch Entnahme von Blutproben überprüft. Dies führte zur Ausforschung des Mörders. Das DNA-Verfahren wurde daraufhin international übernommen und laufend verbessert, wobei auch ein Institut der Universität Innsbruck zu den wissenschaftlichen Pionieren zählt.

1983 wurde eine Methode entwickelt, für die die US-Biochemiker Kary Mullis und Michael Smith 1993 den Nobelpreis bekamen. Die so gennannte Polymerase-Kettenreaktion (englisch: polymerase chain reaction, PCR) erlaubt es, Erbgut aus winzigen Proben so zu vervielfältigen, dass es analysiert werden kann. Bereits eine winzige Hautschuppe kann als Beweisstück verwendet werden.

In Österreich wurde der genetische Fingerabdruck erstmals bei den Mordfällen Jack Unterweger und Dimiter Pobornikoff angewandt. Unterweger hatte mehrere Prostituierte, darunter eine Bregenzerin, ermordet. Ein Haar des Opfers wurde in seinem Ford Mustang gefunden. Pobornikoff hatte seine Frau ermordet und den Leichnam verschwinden lassen. Blutproben aus der Garage überführten ihn.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz