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DER EINZUG DER GÖTTER


Der humanoide Roboter David wurde von Weyland Industries erschaffen. Er ist in seinem Aussehen und Benehmen von Menschen nicht zu unterscheiden, er spricht sanft, spielt Klavier und liebt Richard Wagner. David ist auf einem Planeten fern der Erde gestrandet. Als die Besatzung des Raumschiffes "Convenant" diesen erdähnlichen Planeten erkundet, kommt es zu einer Katastrophe, denn der scheinbar hilfsbereite David entpuppt sich als faschistisch motivierter Züchter einer vermeintlich perfekten Lebensform. Der Alptraum der Astronauten dauert bis zur letzten Szene des Science-Fiction-Films "Alien Convenant". Die neue Rasse triumphiert, worauf David den Bordcomputer des Raumschiffes den "Einzug der Götter in Walhall" aus Richard Wagners "Das Rheingold" spielen lässt.

Der neue Film von Regisseur Ridley Scott ist der dunkelste und grausamste der gesamten Alienserie. Der Film zeigt auf schreckliche Weise, was Faschismus wirklich bedeutet. So unangenehm es auch erscheinen mag, so wichtig ist es, das Thema zur Sprache zu bringen, weil wir angesichts des kommenden Wahlkampfes zur Nationalratswahl leider mit einer Inflation der Begriffe faschistisch, präfaschistisch, faschistoid usw. rechnen müssen.

Der Begriff "Faschismus" stammt aus Italien. Die "Fasci di combattimento" waren die Kampftruppen des Diktators Mussolini. Der Ausdruck wurde von Josef Stalin übernommen. Auf seinen Befehl setzte sich im Kommunismus "Faschist" als Schimpfwort für alle politischen Menschen außerhalb des Kommunismus durch. Stalin fürchtete, es könnte zu einer Verwechslung der Begriffe "Sozialismus" und "Nationalsozialismus" kommen. Stalin übersah dabei, dass auch der Kommunismus eine Form des Faschismus ist.

Allen Faschisten ist gemeinsam: Sie wollen bestimmte Ideen gewaltsam umsetzen, einen neuen Menschen produzieren und dabei nicht nur sprichwörtlich über Leichen gehen. Die Französische Revolution wollte den "l'homme nouveau" hervorbringen. Die Sache mündete in eine Terrorherrschaft, der Napoleon Bonaparte ein Ende setzte. Die Nationalsozialisten wollten die rassenreine völkische Lichtgestalt schaffen, die Kommunisten den neuen Weltproletarier und die Islamisten den bigotten Unterwerfungsmenschen. In allen Fällen wurde die persönliche Freiheit abgeschafft, die Sprache streng reglementiert und unzählige unschuldige Menschen ermordet.

Faschisten meucheln mit Vorliebe unliebsame Wissenschaftler und Künstler, die Islamisten auch "Ungläubige", darunter sogar Kinder. Wer heute also leichtfertig das Wort "Faschismus" in den Mund nimmt, sollte zuvor wenigstens versuchen, den Denkmodus zu aktivieren und verbal abzurüsten.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz